So wird Naturschutz vor Ort sichtbar
Naturschutz passiert nicht nur auf dem Papier, sondern draußen auf der Fläche. Genau hier setzt die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz an: Lebensräume werden gepflegt, wiederhergestellt und langfristig gesichert.
Im Jahr 2025 ist dabei einiges passiert: Insgesamt 23 konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt, von der Pflege wertvoller Feuchtwiesen bis zur Wiederherstellung seltener Trockenrasen. Die wichtigste Arbeit für den Erhalt der Artenvielfalt in diesen Lebensräumen leisten allerdings die bewirtschaftenden Betriebe mit ihren Weidetieren oder Balkenmähern. Unersetzlich ist dabei die enge Betreuung und Beratung der Betriebe, insbesondere zu geeigneten Fördermöglichkeiten (z.B. AUKMs).
Warum diese Maßnahmen so wichtig sind
Viele artenreiche Grünlandflächen sind auf eine regelmäßige Pflege angewiesen. Ohne Mahd oder Beweidung würden sie nach und nach verbuschen, wodurch viele seltene Pflanzen und Tiere verschwinden.
Deshalb wird gezielt eingegriffen, zum Beispiel durch:
- das Entfernen von Gehölzen
- die extensive Pflege von Feuchtwiesen und Kalkmagerrasen
- spezielle Maßnahmen für besonders gefährdete Arten und Lebensräume

In der Gipskarstlandschaft Südharz wird der Verbuschung wertvoller Magerrasen und Felsbereiche Einhalt geboten. Am Butterberg bei Bartolfelde (FFH 405) erfolgt die Gehölzentfernung mit einer Mulchraupe, anschließend kann hier wieder eine Beweidung mit Rindern erfolgen. Foto: ÖSGÖLS
Das Ziel ist immer gleich: wertvolle Grünland-Lebensräume offenhalten und so ihre große Artenvielfalt sichern.
Wenn Natur zurückkommt
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Feldbornberg bei Nikolausberg. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten stark zugewachsene Flächen nun wieder freigestellt.
Was nach viel Arbeit aussieht, zeigt schnell Wirkung: Seltene Pflanzen bekommen wieder Licht, die gefährdeten Magerrasen entwickeln sich neu und eine Vielzahl von Tieren findet wieder geeignete Lebensräume. Damit die Flächen nicht sofort wieder zuwachsen, ist eine anschließende Beweidung sehr wichtig. Hier wurde beispielsweise eine Bewirtschaftung mit Ziegen initiiert, die nun fleißig dabei helfen, die neu aufwachsenden Gehölze in Schach zu halten. Erste Ergebnisse zeigen bereits jetzt sehr positive Effekte auf die Artenvielfalt – die Natur kehrt zurück!


Der Feldbornberg bei Nikolausberg (FFH 138): Wiederherstellung von Kalkmagerrasen (LRT 6210) im Winter 2025/26. Insgesamt wurden hier im Zeitraum 2023-2025 rund 1,2 ha Kalkmagerrasen wiederhergestellt. In den kommenden Jahren finden nun Beweidung durch Ziegen und weitere Nachpflegearbeiten statt. Foto: ÖSGÖLS
Schritt für Schritt zum Erfolg
Erfolge im Zwischenmoor dank Balkenmäher und Mulchraupe
Auf in den letzten beiden Jahren sowohl gemähten als auch gemulchten Flächen konnte erfreulicherweise bereits ein deutlicher Rückgang von Adlerfarn und Brombeere festgestellt werden, wodurch gefährdete und konkurrenzschwache Pflanzen wie das Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) nun wieder Licht und Platz zum Wachsen haben.


Sichtbare Erfolge der Pflegemaßnahmen der letzten beiden Jahre: der Rückgang von Adlerfarn und Brombeere (links) verbessert die Bedingungen für konkurrenzschwache Arten wie dem Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) (rechts) oder auch für Vogelarten wie der Heidelerche (Lullula arborea) und dem Wendehals (Jynx torquilla). Fotos: ÖSGÖLS
Was bedeutet das?
Durch das Zurückdrängen von Adlerfarn und Brombeere, die sich in der Vergangenheit aufgrund eines etwas zu geringen Beweidungsregimes ausbreiten konnten, werden artenreiche Wiesen mit Zwischenmoor-Charakter wieder offen und vielfältig. Seltene und anspruchsvolle Pflanzen- und Tierarten können sich so erholen und langfristig halten.
Pflegeeinsatz auf dem Hühnerfeld
Damit artenreiche Wiesen erhalten bleiben, braucht es eine regelmäßige Pflege. Ohne sie würden dominante Arten wie Adlerfarn, Brombeere und Gehölze die Fläche schnell überwuchern. 2025 wurde daher gezielt eingegriffen: Im Juli erfolgte eine Mahd der Adlerfarnbestände mit einem handgeführten Balkenmäher, ergänzt durch Mulcharbeiten im September. Im November wurden außerdem junge Fichten und andere aufkommende Gehölze entfernt.

Mahd mit handgeführtem Balkenmäher auf dem Hühnerfeld im Juli 2025. Die interessierten Islandpferde fingen sofort mit der Nachpflege an. Foto: ÖSGÖLS
Warum ist das wichtig?
Nur durch regelmäßige, extensive Pflege bleiben diese besonderen Offenlebensräume (z.B. Borstgrasrasen) langfristig erhalten und bieten dadurch wiederum dauerhaft Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere.
Viele dieser Maßnahmen sind keine einmaligen Eingriffe, sondern brauchen Zeit, regelmäßige Wiederholung und eine kontinuierliche Begleitung. Deshalb arbeitet die Ökologische Station eng mit Landwirt*innen und Behörden zusammen und führt auch ein Monitoring der vorkommenden Arten durch. So entstehen Schritt für Schritt wieder lebendige und vielfältige Landschaften, die langfristig erhalten bleiben.
Dieser Beitrag zeigt nur einen kleinen Einblick in die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz. Den vollständigen Newsletter der ÖSGÖLS mit weiteren Projekten, Artenporträts und Einblicken findet ihr hier.
Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch das Land Niedersachsen gefördert und erfolgt auf Grundlage abgestimmter Managementpläne für geschützte Lebensräume und Arten.













