Seit rund 15 Jahren führt die Ökologische Station Naturschutzring Dümmer e.V. Maßnahmen zum Schutz und zur Neuentwicklung von Röhrichten am Dümmer durch. Ziel ist es, den Rückgang der Röhrichtflächen zu stoppen und die Entwicklung dieser wichtigen Uferlebensräume wieder zu fördern.

Röhrichtschutzmaßnahmen am Dümmer. Foto: Vernetzungsstelle
Nach mehreren Pilotprojekten setzt der Naturschutzring die erprobten Methoden zum Schutz von Röhrichten inzwischen in größerem Maßstab am Dümmer ein. Unterstützt wird die Umsetzung durch verschiedene Partner*innen und Förder*innen, darunter das Land Niedersachsen, der Global Nature Fund, die Deutsche Postcode Lotterie und die Europäische Union, aktuell über das internationale Projekt EuroLakes, in dem der Dümmer einer von drei Projektseen in Europa ist.
Röhrichtzonen prägen viele naturnahe Uferbereiche am Dümmer. Doch an mehreren Stellen stehen diese sensiblen Lebensräume unter Druck. Besonders am Süd-, West- und Ostufer sind die Bestände gefährdet.
Eine wichtige Rolle bei den Schutzmaßnahmen spielen Gabionengitter. Das sind stabile Metallgitter, die flexibel eingesetzt und an die Bedingungen vor Ort angepasst werden können.
Warum Röhricht am Dümmer so wichtig ist
Röhricht ist ein wichtiger Übergangsbereich zwischen Wasser und Land. Es bietet vielen Vogel-, Fisch- und Insektenarten Lebensraum, schützt die Ufer vor Abtragung und hilft dabei, Flachwasserbereiche und Verlandungszonen zu stabilisieren.
Wenn Röhrichtflächen zurückgehen, verlieren viele Arten wichtige Rückzugs-, Brut- und Nahrungsräume.

Stark geschädigte Röhrichtzone im Süden des Sees. Foto: ÖS-NARI
Süd- und Westufer: Bestehende Röhrichte schützen
Am Süd- und Westufer des Dümmers sind vor allem bestehende Röhricht- und Verlandungsbereiche gefährdet. Ein großes Problem sind Fraßschäden durch Nutria und Bisam. Beide Arten sind sogenannte Neozoen. Das bedeutet: Sie sind ursprünglich nicht heimisch, kommen heute aber in der Region vor.

Bestehende Röhrichtbestände am Ufer des Dümmers Foto: Vernetzungsstelle

Fraßspuren durch Nutria und Bisam im Verlandungsbereich. Besonders junge Pflanzenteile und Wurzeln werden geschädigt. Foto: Vernetzungsstelle
Nutria und Bisam fressen Wurzeln und junge Pflanzenteile der Ufervegetation. Dadurch können Röhrichtbestände stark geschädigt werden. Besonders betroffen sind die Niedermoorbereiche am Süd- und Westufer des Sees. Dort ist der Rückgang der Röhricht- und Verlandungszonen bereits deutlich sichtbar.
Nutria: Aufnahmen von Wildkameras dokumentieren, wie Röhrichtbestände abgefressen und Vegetationskegel ausgegraben werden. Video: ÖS-NARI
Um die Pflanzen zu schützen, werden Gabionengitter entlang der Wasserkante aufgebaut. Sie funktionieren ähnlich wie Zaunelemente. Die Gitter schließen schmale Uferbereiche ein. Innerhalb dieser geschützten Flächen können junge Röhrichtpflanzen besser aufwachsen.
Die Gabionengitter haben mehrere Vorteile:
- Sie sind stabil und langlebig.
- Sie können an verschiedene Uferbereiche angepasst werden.
- Sie lassen sich bei Bedarf erweitern oder umbauen.
- Sie schützen junge Pflanzen vor Fraß.
So sollen geschädigte Röhrichtbereiche langfristig stabilisiert und wieder gestärkt werden.
Ostufer bei Eickhöpen: Neue Röhrichtflächen entwickeln
Am Ostufer des Dümmers bei Eickhöpen geht es nicht nur um den Schutz vorhandener Pflanzen. Dort sollen auch neue Röhrichtflächen entstehen. Die Bedingungen am Ostufer sind besonders anspruchsvoll. Wind, Wellengang und Eisgang wirken stark auf die Uferbereiche ein. Deshalb müssen die Schutzmaßnahmen dort besonders robust sein.
Auch hier kommen Gabionengitter zum Einsatz. Sie werden vor dem Ufer im Wasser platziert und mit geeigneten Pflanzen bestückt. Verwendet werden Arten, die gut mit Wellengang und Wind zurechtkommen.
Dazu gehören zum Beispiel:
Diese Arten waren früher am Dümmer häufiger vertreten. Sie sind gut an die Bedingungen am Ostufer angepasst.

Seebinsen und Schmalblättriger Rohrkolben breiten sich in geschützten Bereichen aus. Foto: ÖS-NARI
Wie Gabionengitter die Entwicklung unterstützen
Die Gabionengitter schützen die jungen Pflanzen zunächst vor Tierfraß. Gleichzeitig helfen sie dabei, Sand im Wasser zurückzuhalten. Um die Gitterstäbe entstehen kleine Strömungsveränderungen. Dadurch kann sich Sand am Gewässerboden absetzen. Wenn die Pflanzen anwachsen, verstärken sie diesen Prozess. Mit ihren Wurzelausläufern können sie sich nach und nach weiter ausbreiten.
So entstehen Schritt für Schritt neue Röhrichtbereiche.

Uferbereich mit Gabionengittern und vorgelagerten Pfostenreihen zum Schutz vor Eisgang und Treibgut. Foto: Vernetzungsstelle
Schutz vor Eisgang und Treibgut
Am Ostufer müssen die Gabionengitter zusätzlich geschützt werden. Denn Eisgang und treibende Gegenstände können die Gitter beschädigen.
Deshalb werden vor den Gitterelementen Pfostenreihen aufgebaut. Diese wirken wie eine Schutzlinie. Sie bremsen Eis und angeschwemmtes Material ab, bevor es die Gabionengitter erreicht.
Die Pfosten können unterschiedlich angeordnet werden:
- als durchgehende Palisadenreihe
- oder als locker gesetzte Pfostenreihe
Welche Variante eingesetzt wird, hängt von den Bedingungen vor Ort ab.
Ein gemeinsames Ziel: Röhrichtschwund umkehren
Die Maßnahmen zeigen: Röhrichtschutz muss an den jeweiligen Standort angepasst werden.
An einigen Uferbereichen steht der Schutz vorhandener Röhricht- und Verlandungsbereiche im Vordergrund. Dort geht es vor allem darum, Fraßschäden durch Nutria und Bisam zu reduzieren.
In anderern Uferpartien liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Röhrichtflächen. Dort müssen die Pflanzen neben dem Fraßdruck zusätzlich mit Wind, Wellen und Eisgang zurechtkommen.
Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel: Der Röhrichtschwund am Dümmer soll gestoppt und möglichst umgekehrt werden. Davon profitieren viele Tierarten und der See als Lebensraum insgesamt.
Das Projekt zeigt, wie gezielte und langfristige Schutzmaßnahmen helfen können, empfindliche Uferlebensräume dauerhaft zu sichern.