21. Mai: Natura 2000 Tag

Natura 2000 Tag: Europas Natur gemeinsam schützen

Am 21. Mai wird der europäische Natura 2000 Tag gefeiert. Er macht auf eines der wichtigsten Instrumente für den Naturschutz in Europa aufmerksam: das Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Der Aktionstag wurde von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, dem Ausschuss der Regionen und der damaligen maltesischen EU-Ratspräsidentschaft gemeinsam ins Leben gerufen. Seitdem wird jedes Jahr mit Veranstaltungen und Netzwerkaktivitäten auf die Bedeutung dieses europaweiten Schutzsystems hingewiesen.

Doch was ist Natura 2000 eigentlich?

Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Grundlage sind die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die EU-Vogelschutzrichtlinie.

Breites Moor. Foto: Christopher Mollmann

Heute umfasst das Netzwerk:

  • über 27.000 Schutzgebiete
  • rund 18 % der Landfläche der EU
  • mehr als 6 % der Meeresgebiete


Damit ist Natura 2000 das größte koordinierte Schutzgebietsnetz der Welt und ein zentrales Beispiel für europäische Zusammenarbeit im Naturschutz.

Werde Teil des Natura 2000 Bioblitz

Rund um den Natura 2000 Tag findet europaweit der sogenannte Bioblitz statt, eine Mitmach-Aktion, bei der möglichst viele Arten in kurzer Zeit dokumentiert werden.

Alle können teilnehmen: ob im Garten, im Wald oder im Schutzgebiet. So funktioniert’s:

  • Geh raus in die Natur – ob Garten, Park oder Schutzgebiet
  • Fotografiere Pflanzen, Tiere oder Pilze
  • Lade deine Beobachtungen auf Observation.org hoch
  • Nutze die App ObsIdentify zur Bestimmung der Arten

Alle Beobachtungen werden automatisch erfasst und tragen zum europaweiten Natura 2000 Bioblitz bei.

Der Bioblitz ist eine einfache Möglichkeit, Natur vor der eigenen Haustür zu entdecken und gleichzeitig wertvolle Daten für den Naturschutz zu liefern.

Natura 2000 zeigt Wirkung

Einige Arten wie Biber, Kranich oder Seeadler konnten sich durch den EU-weiten Schutz erholen. Auch Lebensräume wie Moore oder Heidelandschaften stehen heute unter besonderem Schutz.

Erfolge mit Herausforderungen

Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehen weiterhin Herausforderungen. Lebensräume stehen unter Veränderungsdruck, und einige Artengruppen zeigen weiterhin rückläufige Bestandsentwicklungen. Davon betroffen sind auch bestimmte Wiesenvogelarten. Ein Beispiel ist die stark gefährdete Uferschnepfe, deren Bestände in Niedersachsen seit Jahren zurückgehen.

Uferschnepfe. Foto: Tobias Pelz

Naturschutz braucht Umsetzung vor Ort

Die Ökologischen Stationen in Niedersachsen leisten einen zentralen Beitrag zum Naturschutz vor Ort.
Sie betreuen Schutzgebiete, setzen Maßnahmen um und begleiten die Entwicklung von Arten und Lebensräumen. Dabei arbeiten sie eng mit Landnutzenden, Behörden und weiteren Akteur*innen zusammen.

Diese kontinuierliche Arbeit ist entscheidend dafür, dass Schutzmaßnahmen wirksam werden und langfristig erhalten bleiben. Natura 2000 entfaltet seine Wirkung nicht allein durch die Ausweisung von Schutzgebieten, sondern vor allem durch die konkrete Umsetzung in den Gebieten selbst. Dazu gehören unter anderem die Pflege und Entwicklung von Lebensräumen, das Erfassen von Artenvorkommen sowie die Abstimmung vor Ort.

Feldhamstersuche. Foto: Uwe Mestemacher

Arbeit in den Natura 2000-Gebieten

Die Ökologischen Stationen in Niedersachsen setzen Maßnahmen in Natura 2000- und weiteren Naturschutzgebieten vor Ort um.

Wo Natur zurückkommt: Einblicke in die Landschaftspflege

So wird Naturschutz vor Ort sichtbar

Naturschutz passiert nicht nur auf dem Papier, sondern draußen auf der Fläche. Genau hier setzt die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz an: Lebensräume werden gepflegt, wiederhergestellt und langfristig gesichert.

Im Jahr 2025 ist dabei einiges passiert: Insgesamt 23 konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt, von der Pflege wertvoller Feuchtwiesen bis zur Wiederherstellung seltener Trockenrasen. Die wichtigste Arbeit für den Erhalt der Artenvielfalt in diesen Lebensräumen leisten allerdings die bewirtschaftenden Betriebe mit ihren Weidetieren oder Balkenmähern. Unersetzlich ist dabei die enge Betreuung und Beratung der Betriebe, insbesondere zu geeigneten Fördermöglichkeiten (z.B. AUKMs).

Warum diese Maßnahmen so wichtig sind

Viele artenreiche Grünlandflächen sind auf eine regelmäßige Pflege angewiesen. Ohne Mahd oder Beweidung würden sie nach und nach verbuschen, wodurch viele seltene Pflanzen und Tiere verschwinden.

Deshalb wird gezielt eingegriffen, zum Beispiel durch:

  • das Entfernen von Gehölzen
  • die extensive Pflege von Feuchtwiesen und Kalkmagerrasen
  • spezielle Maßnahmen für besonders gefährdete Arten und Lebensräume

In der Gipskarstlandschaft Südharz wird der Verbuschung wertvoller Magerrasen und Felsbereiche Einhalt geboten. Am Butterberg bei Bartolfelde (FFH 405) erfolgt die Gehölzentfernung mit einer Mulchraupe, anschließend kann hier wieder eine Beweidung mit Rindern erfolgen. Foto: ÖSGÖLS

Das Ziel ist immer gleich: wertvolle Grünland-Lebensräume offenhalten und so ihre große Artenvielfalt sichern.

Wenn Natur zurückkommt

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Feldbornberg bei Nikolausberg. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten stark zugewachsene Flächen nun wieder freigestellt.

Was nach viel Arbeit aussieht, zeigt schnell Wirkung: Seltene Pflanzen bekommen wieder Licht, die gefährdeten Magerrasen entwickeln sich neu und eine Vielzahl von Tieren findet wieder geeignete Lebensräume. Damit die Flächen nicht sofort wieder zuwachsen, ist eine anschließende Beweidung sehr wichtig. Hier wurde beispielsweise eine Bewirtschaftung mit Ziegen initiiert, die nun fleißig dabei helfen, die neu aufwachsenden Gehölze in Schach zu halten. Erste Ergebnisse zeigen bereits jetzt sehr positive Effekte auf die Artenvielfalt – die Natur kehrt zurück!

Der Feldbornberg bei Nikolausberg (FFH 138): Wiederherstellung von Kalkmagerrasen (LRT 6210) im Winter 2025/26. Insgesamt wurden hier im Zeitraum 2023-2025 rund 1,2 ha Kalkmagerrasen wiederhergestellt. In den kommenden Jahren finden nun Beweidung durch Ziegen und weitere Nachpflegearbeiten statt. Foto: ÖSGÖLS

Schritt für Schritt zum Erfolg

Erfolge im Zwischenmoor dank Balkenmäher und Mulchraupe

Auf in den letzten beiden Jahren sowohl gemähten als auch gemulchten Flächen konnte erfreulicherweise bereits ein deutlicher Rückgang von Adlerfarn und Brombeere festgestellt werden, wodurch gefährdete und konkurrenzschwache Pflanzen wie das Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) nun wieder Licht und Platz zum Wachsen haben.

Sichtbare Erfolge der Pflegemaßnahmen der letzten beiden Jahre: der Rückgang von Adlerfarn und Brombeere (links) verbessert die Bedingungen für konkurrenzschwache Arten wie dem Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) (rechts) oder auch für Vogelarten wie der Heidelerche (Lullula arborea) und dem Wendehals (Jynx torquilla). Fotos: ÖSGÖLS

Was bedeutet das?
Durch das Zurückdrängen von Adlerfarn und Brombeere, die sich in der Vergangenheit aufgrund eines etwas zu geringen Beweidungsregimes ausbreiten konnten, werden artenreiche Wiesen mit Zwischenmoor-Charakter wieder offen und vielfältig. Seltene und anspruchsvolle Pflanzen- und Tierarten können sich so erholen und langfristig halten.

Pflegeeinsatz auf dem Hühnerfeld

Damit artenreiche Wiesen erhalten bleiben, braucht es eine regelmäßige Pflege. Ohne sie würden dominante Arten wie Adlerfarn, Brombeere und Gehölze die Fläche schnell überwuchern. 2025 wurde daher gezielt eingegriffen: Im Juli erfolgte eine Mahd der Adlerfarnbestände mit einem handgeführten Balkenmäher, ergänzt durch Mulcharbeiten im September. Im November wurden außerdem junge Fichten und andere aufkommende Gehölze entfernt.

Mahd mit handgeführtem Balkenmäher auf dem Hühnerfeld im Juli 2025. Die interessierten Islandpferde fingen sofort mit der Nachpflege an. Foto: ÖSGÖLS

Warum ist das wichtig?
Nur durch regelmäßige, extensive Pflege bleiben diese besonderen Offenlebensräume (z.B. Borstgrasrasen) langfristig erhalten und bieten dadurch wiederum dauerhaft Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere.

Viele dieser Maßnahmen sind keine einmaligen Eingriffe, sondern brauchen Zeit, regelmäßige Wiederholung und eine kontinuierliche Begleitung. Deshalb arbeitet die Ökologische Station eng mit Landwirt*innen und Behörden zusammen und führt auch ein Monitoring der vorkommenden Arten durch. So entstehen Schritt für Schritt wieder lebendige und vielfältige Landschaften, die langfristig erhalten bleiben.

Dieser Beitrag zeigt nur einen kleinen Einblick in die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz. Den vollständigen Newsletter der ÖSGÖLS mit weiteren Projekten, Artenporträts und Einblicken findet ihr hier.

Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch das Land Niedersachsen gefördert und erfolgt auf Grundlage abgestimmter Managementpläne für geschützte Lebensräume und Arten.

Qualifizierungsmaßnahme: Landtechnik heute und morgen

Am 10.03.2026 fand in der DEULA in Nienburg eine Qualifizierungsmaßnahme für die Ökologischen Stationen in Niedersachsen statt. Thema war: Landtechnik heute und morgen. Ziel der Veranstaltung war es, Wissen zu moderner Landtechnik zu vermitteln und den Bezug zum Naturschutz zu stärken.

Begleitet wurde die Schulung von zwei erfahrenen Referenten der DEULA Nienburg und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Beide haben die Teilnehmenden durch den Tag geführt, sowohl in der Theorie als auch direkt im Gelände.

Theoretische Grundlagen der Landtechnik

Am Vormittag stand die theoretische Einführung in die Landtechnik im Fokus. Entlang des landwirtschaftlichen Jahresverlaufs, von der Bodenbearbeitung über Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz bis hin zur Ernte, wurden zentrale Verfahren und eingesetzte Technik vorgestellt. Dabei ging es nicht nur um Funktionsweisen, sondern auch um die Auswirkungen auf Boden, Pflanzen und Ökosysteme sowie die Rolle der Landtechnik im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Naturschutz.

Praxis: Maschinenpark und Vorführungen

Am Nachmittag folgte der praktische Teil. Die Teilnehmenden konnten den Maschinenpark der DEULA besichtigen. Einige Geräte wurden vorgeführt und direkt erklärt. So konnten die Inhalte aus dem Vormittag besser verstanden und eingeordnet werden.

Teilnehmende der Qualifizierungsmaßnahme besichtigen Landtechnik in der Maschinenhalle der DEULA. Geräte werden direkt vor Ort erklärt und praktisch eingeordnet. Foto: Vernetzungsstelle.

Ein wichtiger Aspekt der Veranstaltung war der Austausch zwischen den Teilnehmenden. Viele konnten eigene Erfahrungen einbringen, Fragen stellen und gemeinsam über den Einsatz von Technik im Naturschutz diskutieren.

Im Außenbereich erhalten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene landwirtschaftliche Maschinen und diskutieren deren Einsatz im Kontext von Naturschutz und Praxis. Foto: Vernetzungsstelle.

Fazit der Qualifizierungsmaßnahme

Die Qualifizierungsmaßnahme hat gezeigt, wie wichtig es ist, Praxiswissen und naturschutzfachliche Ziele zusammenzudenken. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wertvoll der Austausch im Netzwerk ist, um voneinander zu lernen und die eigene Arbeit weiterzuentwickeln.

Zugleich bildete die Veranstaltung einen gelungenen Auftakt für den weiteren fachlichen Austausch mit der DEULA Nienburg. Für die Zukunft ist vorgesehen, Qualifizierungsangebote noch gezielter auf spezifische Themenfelder auszurichten. Insbesondere eine vertiefende Maßnahme mit dem Schwerpunkt Grünland wird als sinnvoller nächster Schritt gesehen.

Ein herzlicher Dank geht an die Referenten für die fachliche Begleitung sowie an die DEULA Nienburg und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Organisation und Durchführung.

Auen im Wandel: Wie sich neue Lebensräume aus der Luft und am Boden zeigen.

Monitoring von Auenrenaturierungsmaßnahmen

Flussauen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Damit sie diese Vielfalt entfalten können, brauchen sie Platz, Wasser und Dynamik. In den letzten Jahren wurden am Röbbelbach der Ilmenau sowie an der Neetze Maßnahmen umgesetzt, um genau diese Bedingungen wiederherzustellen.

Die Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze begleitet diese Flächen seitdem mit einem kontinuierlichen Monitoring.

Auenentwicklung am Röbbelbach (2023), in Emmendorf (2024) und an der Neetze (2024)

Im September 2023 wurden gemeinsam mit der Gewässerallianz Ilmenau im Mündungsbereich des Röbbelbachs in die Ilmenau südlich von Bad Bevensen Maßnahmen zur Verbesserung der Flussaue umgesetzt. Dazu wurden die Ufer abgeflacht, kleine Blänken angelegt und ein abwechslungsreiches Oberflächenrelief geschaffen. So entstanden unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum.

Die Blänken werden bei Hochwasser geflutet und bleiben bei niedrigem Wasserstand als kleine Stillgewässer erhalten. Dadurch wird Wasser zurückgehalten und es entstehen wichtige Lebensräume für Amphibien und Libellen.

Ein Jahr später wurden zwei weitere Maßnahme in Emmendorf an der Ilmenau und bei Lüdershausen an der Neetze durchgeführt. Auch hier wurde bewusst auf Strukturen gesetzt, die Hochwasser zulassen und natürliche Prozesse fördern. Mal wurde Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenfluren ausgebracht und mal auf die noch im Boden vorhandenen Samen gesetzt.

Aussat von Regiosaatgut Ende September 2023. Foto: Ökostation Ilmenau

Einsatz vom Langarm-Bagger zur Anlage von Blänken und Nebengerinne.  Foto: Ökostation Ilmenau

Nach der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen im Jahr 2023 sowie in Emmendorf und an der Neetze im Jahr 2024 begleitet die Ökologische Station Ilmenau die Entwicklung der neu geschaffenen Sekundärauen und Blänken durch ein kontinuierliches Monitoring.

Ziel ist es, die ökologische Entwicklung dieser Flächen langfristig zu dokumentieren und besser zu verstehen, wie sich Lebensräume nach Eingriffen wieder eigenständig entwickeln.

Botanisches Monitoring mit spannenden Überraschungen

Auf beiden Flächen wurde eine Einsaat mit Regio-Saatgut für feuchte Hochstaudenfluren durchgeführt. Im Rahmen des Monitorings erfolgen regelmäßige botanische Erfassungen, die mit den eingesäten Artenlisten abgeglichen werden.

Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenflur. Foto: Ökostation Ilmenau

Dabei zeigt sich immer wieder, wie dynamisch Flussauen sind: Neben den gezielt eingebrachten Arten tauchen auch Pflanzen auf, die nicht Teil der Saatgutmischungen waren. Ein Beispiel ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus). Ihre Keimung verdeutlicht die große Bedeutung der Samenbank im Boden. Werden Rohbodenbereiche geschaffen oder kommt es bei Hochwasser zur Freispülung von Uferzonen, können dort Samen keimen, die teils über Jahre im Boden überdauert haben.

Dokumentation aus der Luft – Monitoring mit Drohnen

Drohne der Ökostation Ilmenau. Foto: Ökostation Ilmenau

Ergänzend zur botanischen Erfassung setzt die Ökologische Station seit 2025 auch Drohnen zur Dokumentation der Maßnahmen ein. Moderne Drohnen ermöglichen es, feste Flugrouten zu speichern und exakt definierte Fotopunkte anzufliegen. So entstehen bei jeder Befliegung Aufnahmen aus identischen Perspektiven.

Diese systematische Vorgehensweise erlaubt es, Veränderungen über Jahre hinweg sichtbar zu machen. Langfristig können die Bildreihen verglichen werden. Auf diese Weise entsteht eine wertvolle Zeitreihe, die die Sukzession einzelner Bereiche detailliert dokumentiert.

Drohnenaufnahme der Fläche in Emmendorf. Foto: Ökostation Ilmenau

Artenreicher Blühaspekt

Zwei Jahre nach der Maßnahmenumsetzung zeigt sich am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen bereits ein deutlicher Erfolg: In der feuchten Hochstaudenflur hat sich ein artenreicher Blühaspekt entwickelt, unter anderem mit großflächig blühendem Blutweiderich (Lythrum salicaria).

Der hohe Blütenreichtum zieht zahlreiche Bestäuber-Insekten an. Auch die neu geschaffenen Strukturen finden ihre Nutzer. Bereits kurz nach den Maßnahmen konnte außerdem ein Zwergsäger (Mergellus albellus), ein Überwinterungsgast an der Ilmenau, in den neu angelegten Gewässern beobachtet werden.

Blühaspekt am Röbbelbach / Ilmenau mit Blutweiderich. Foto: Ökostation Ilmenau

Ausblick: Monitoring geht weiter

Die Entwicklungen der Flächen am Röbbelbach, in Emmendorf und an der Neetze werden auch in den kommenden Jahren weiter begleitet. Für 2026 ist am Röbbelbach eine gezielte Schmetterlingserfassung geplant, an der Neetze sollen die Libellen näher untersucht werden.

Das Monitoring zeigt, wie schnell und vielfältig sich Flussauen entwickeln können, wenn sie ausreichend Raum bekommen. Die Kombination aus botanischen Erfassungen und Drohnenaufnahmen liefert dabei wichtige Erkenntnisse für die Bewertung und Weiterentwicklung von Renaturierungsmaßnahmen.

Winterzeit in den Ökologischen Stationen

Wenn draußen Frost, Stille und klare Winterluft einkehren, bedeutet das für die Stationen keineswegs Ruhepause. Auch wenn die Landschaft in Weiß, Braun und Grau getaucht ist, laufen viele wichtige Arbeiten weiter, teils drinnen, teils draußen, immer mit Blick auf die kommende Saison.

Unsere kleine Wintergalerie zeigt nur einen kleinen Einblick in das, was hinter den Kulissen passiert


Biotoppflege & Landschaftspflege

Viele Stationen pflegen Schutzgebiete, Moor- und Heideflächen, Feuchtwiesen, Hecken etc. Das kann z. B. Gehölzschnitt, Entfernen von unerwünschtem Bewuchs oder Offenlandpflege umfassen, gerade im Winter, wenn Vegetation ruht und Maschinen / Pflegemaßnahmen weniger stören.

Moorpflege durch Entkusselung in der Hannoverschen Moorgeest. Foto: Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM)

Entkusselungsarbeiten in der Hannoverschen Moorgeest: Junge Birken und Kiefern werden entfernt, damit das Hochmoor erhalten bleibt.

Moorpflegeeinsatz: Durch Entkusselung wird das Moor stabilisiert und langfristiger Natur- und Klimaschutz gesichert.

Moorpflegeeinsatz. Foto: BUND Diepholzer Moorniederung

Vorbereitung auf kommende Saison

Der Winter bietet Zeit für Planung, Konzeptentwicklung und erste Maßnahmen im Gelände. Dazu gehören auch Arbeiten an Amphibiengewässern, wie das Anlegen und Optimieren von Reproduktionsgewässern für geschützte Arten.

Bau eines Reproduktionsgewässers im FFH-Gebiet Rinderweide: Ein Bagger modelliert das neue Amphibiengewässer, Erdmaterial wird bewegt und die Geländeform vorbereitet.

Ein Bagger formt ein neues Gewässer im FFH-Gebiet Rinderweide. Foto: Lisa-Marie Hille, Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW).

Frisch ausgehobenes Amphibiengewässer: Foto: Mirjam Nadjafzadeh, ÖNSOW

Pflegearbeiten an Amphibienteichen: Ein Bagger entschlammt und entfernt Gehölze, Ufer werden abgeflacht, und das Material wird mit einer kleinen Raupe abtransportiert.

Das Erdreich wird bewegt, Wasser sammelt sich bereits in der neuen Vertiefung, Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW).

Die Baggerarbeiten werden durchgängig begleitet und vor Ort am Gewässerrand unterstützt. Foto: Mirjam Nadjafzadeh, ÖNSOW

Maschineneinsatz im Feuchtgebiet. Foto: Ökologische Station Aller-Böhme (ÖSAB)

Arbeiten im Feuchtgebiet: Vegetationsmaterial wird aufgenommen und abtransportiert, um anschließend weitere Naturschutzmaßnahmen durchführen zu können.

Brutfloß überwintert an Land

Im Winter werden auch Pflege- und Schutzmaßnahmen an Brutinseln vorbereitet. Damit die Nisthilfen im Frühjahr in gutem Zustand sind, holen die Mitarbeitenden das Brutfloß in der kalten Jahreszeit an Land und schützen es vor Verschmutzung und Beschädigung durch überwinternde Wasservögel.

Mitarbeiter des Kieswerks bergen das Brutfloß aus dem Abbaugewässer. Foto: Jessica Schrader, Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD)

Brutfloß überwintert an Land. Foto: Jessica Schrader, NUVD

Erhalt und Entwicklung der Hochmoore

Das Foto zeigt Dammbaumaßnahmen aus einem früheren Projektjahr. Solche Arbeiten stabilisieren den Wasserhaushalt im Hochmoor und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Wiedervernässung und Entwicklung der Moorflächen.

Baggerarbeiten im Hochmoor. Foto: Ökologische Station Cuxland (ÖSCUX)

Ruhe & Regeneration der Natur

Der Winter bringt eine besondere Ruhe in die Landschaft. Spuren im Schnee, stille Gewässer, klare Lichtstimmungen und frostige Moor- und Heideflächen zeigen, wie die Natur in dieser Zeit neue Kräfte sammelt. Es ist eine Phase der Regeneration, bevor im Frühjahr wieder Bewegung in die Lebensräume zurückkehrt.

Ostufer-Winter. Foto: Eva Luers ÖSSM

Erfolgreiches drittes Vernetzungstreffen der Ökologischen Stationen in Hannover

Am 28. November 2025 fand das diesjährige Vernetzungstreffen der Ökologischen Stationen in Niedersachsen statt. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, fachliche Schwerpunkte und erfolgreiche Projekte auszutauschen.

Ein Teil der Teilnehmenden des Vernetzungstreffens in Hannover beim gemeinsamen Abschlussfoto. Foto Vernetzungsstelle

Aktuelles & Impulse aus dem NLWKN

Der Vormittag startete mit einer Begrüßung und einem Austausch zu aktuellen Themen. Danach folgte ein fachlicher Input aus dem NLWKN: Konstantin Knorr stellte die neuen Strukturen der Steuerungseinheit Moorschutz sowie das Regionalbüro des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) vor.

Vortrag zur Steuerungseinsatz Moorschutz. Referent: Konstantin Knorr. Foto Vernetzungsstelle

Dabei wurde dargestellt, wie die neuen Strukturen die Kooperation mit den Ökologischen Stationen verbessern und welche Unterstützung das ANK-Regionalbüro leisten kann.

Vielfalt im Fokus: Drei Ökologische Stationen stellen sich vor

Ein wichtigen Programmpunkt war die Vorstellung drei Ökologischer Stationen.
Svenja Stelse-Heine und Timo Mahlmann präsentierten die Ökologische Station Aller-Böhme sowie die Naturschutzstiftung Heidekreis und gaben Einblicke in laufende Projekte und regionale Schwerpunkte. Anschließend stellte die Fischereibiologische Station Ems-Hase gemeinsam mit ihren Partnern ein gelungenes Kooperationsbeispiel vor: „Naturschutz mit den Menschen auf dem Land“ Zusammenarbeit am Beispiel der Angelfischerei. Danach folgte ein Portrait des Naturschutzrings Dümmer e.V., das eindrucksvoll zeigte, wie sich die Arbeitsgemeinschaft aus mehreren Naturschutzvereinen seit 1993 für den Schutz des Dümmerraums einsetzt.

Transparenz im Fokus

Fast am Ende gab Marie Bohlmann, Juristin bei Green Legal Impact Germany e.V. (GLI), einen Überblick zum Thema Zugang zu Umweltinformationen. Sie zeigte auf, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und wie Behörden sowie Projektpartner*innen Informationen transparent, rechtssicher und bürgerinnenfreundlich zugänglich machen können.

Austausch zum Bibermanagement

Zum Abschluss des Tages fand ein kurzer, fachlicher Austausch zum Bibermanagement statt, durchgeführt von den Stationen Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL), Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML) und die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL). Vielen Dank an die beteiligten Stationen für die hilfreichen Einblicke und den praxisnahen Erfahrungsaustausch!

Auch wenn die Übung zu Beginn des Treffens stattfand, passt ihr Ergebnis wunderbar an das Ende dieses Rückblicks. Jede Station gestaltete eine kleine Leinwand, ein kreativer Eisbrecher, der den Austausch erleichterte und die Vielfalt der Stationen sichtbar machte.

Aus allen Mini-Leinwänden entstand später ein großes gemeinsames Bild. Dieses Gesamtwerk steht stellvertretend für das Netzwerk selbst: viele unterschiedliche Perspektiven, die zusammen etwas Stimmiges und Verbindendes ergeben. Ein schöner visueller Abschluss des Treffens, der zeigt, wie die Stationen zusammenarbeiten.

Aus den gestalteten Mini-Leinwänden der Stationen entstand ein gemeinsames Bild, das die Vielfalt und Themenbreite im Netzwerk widerspiegelt.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die etwas Leckeres mitgebracht haben! Die vielfältigen Speisen und die entspannte Atmosphäre haben nicht nur für volle Teller, sondern auch für viele gute Gespräche gesorgt, ein echtes Highlight des Tages!

Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Treffen im kommenden Jahr.

Wasserbüffel in Essel – neue Landschaftspfleger im Aller-Leine-Tal

v.l.n.r.: Tino Bullmann (Bio-Landwirt & Büffeleigentümer), Uwe Harms (NABU-Mitglied und Förderer), Nina Gunselmann (NABU Stiftung Nationales Naturerbe, Flächenbetreuung), Maria Müller (Ökologische Station Aller-Böhme, Projektkoordinatorin)

Die rund 14,5 Hektar große Fläche bei Essel gehört größtenteils der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Entlang der Aller liegen kleinere Teilflächen im Besitz der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV).

Obwohl die Fläche schon seit Jahren extensiv bewirtschaftet wurde, stellte sich die gewünschte Entwicklung hin zu einer artenreichen Nasswiese nicht ein. Statt eines vielfältigen Mosaiks aus Röhrichten, Seggenrieden und feuchten Wiesen dominierten weiterhin als Intensivgrünland einzuordnende Grünlandbereiche.

In Trockenzeiten fielen viele der kleinen Gräben, Senken und Tümpel regelmäßig trocken, während Röhricht und Gehölze ungehindert vorrückten. Bis Mitte 2025 wurde das Gebiet noch abschnittsweise mit Mutterkühen beweidet und teilweise gemäht – doch eine echte ökologische Aufwertung blieb aus.

Neue Wege für mehr Artenvielfalt

Im Jahr 2023 wandte sich der NABU an die Naturschutzstiftung Heidekreis und die Ökologische Station Aller-Böhme, um gemeinsam zu prüfen, wie die Fläche im Sinne des Naturschutzes weiter aufgewertet werden kann.

Bereits 2024 wurde der Entwässerungsgraben verschlossen und Uferstauden im Sinne des Lebensraumtyps Feuchte Hochstaudenfluren (LRT 6430) eingesät. Parallel dazu entstand die Idee, Wasserbüffel als natürliche Landschaftspfleger einzusetzen – eine ideale Wahl für das anspruchsvolle Gelände, das in weiten Teilen zeitweise nass ist und von kleinen Gewässern, Röhrichten und Gehölzgruppen durchzogen wird.

Warum Wasserbüffel?

Die Tiere sind perfekt an nasse Standorte angepasst. Sie fühlen sich in sumpfigen Bereichen wohl, halten Gewässerränder offen und schaffen durch ihre Suhlen immer wieder neue Kleingewässer – wertvolle Lebensräume und Nahrungshabitate für Amphibien, Insekten und Wiesenvögel wie das Braunkehlchen.

Durch ihre ausdauernde, aber schonende Beweidung verhindern sie die Verbuschung und fördern zugleich artenreiche Wiesenbestände. Im Gegensatz zu herkömmlichen Rinderrassen sind Wasserbüffel weniger wählerisch und sorgen damit für ein vielfältiges Landschaftsbild.

Wasserbüffel in Essel: Die Tiere fühlen sich auch in sumpfigen Bereichen wohl und leisten wertvolle Landschaftspflege. Foto: Ökologische Station Aller-Böhme

Natürliche Landschaftspfleger

Wasserbüffel tragen mit ihrem Verhalten entscheidend zur Strukturvielfalt bei.
Durch das Freihalten und Verdichten von Gewässerrändern wird durch das Freihalten von Gewässerrändern und Verdichten der Sohle der Verlandung entgegengewirkt – ein wichtiger Beitrag für Arten wie den Kammmolch, der auf offene, fischfreie Kleingewässer angewiesen ist.
Zudem entstehen durch ihre Suhlen immer wieder neue, temporäre Tümpel, die als Lebensräume für Amphibien, Libellen und Wiesenvögel dienen.

Auch für das Braunkehlchen, dessen Bestände an der Aller seit Jahren zurückgehen, kann die Beweidung von großem Nutzen sein: Offenere, strukturreiche Flächen bieten ideale Brutbedingungen. In anderen Projekten konnten mit ähnlichen Maßnahmen bereits Erfolge erzielt werden.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Rinderrassen sind Wasserbüffel weniger wählerisch. Sie fressen auch Schilf, Weiden und Binsen und verhindern so deren unkontrollierte Ausbreitung. Die extensive Beweidung schafft zugleich artenreiche Wiesen und Lebensräume für spezialisierte Insektenarten – nicht zuletzt durch den nährstoffreichen Dung, der vielen Käfern und Fliegen als Lebensgrundlage dient.

Neugierige Landschaftspfleger. Foto: Ökologische Station Aller-Böhme

Zusammenarbeit und Pflege

Die Fläche wird von NABU und WSV bereitgestellt. Als erfahrener Partner konnte Tino Bullmann (Bio-Landwirt, Tinos Allerbüffel) gewonnen werden. Er stellt die Tiere und übernimmt die Pflege. Eine Zufütterung findet bewusst nicht statt, um Nährstoffeinträge zu vermeiden.

Seit Juni 2025 leben hier acht Wasserbüffel – ein Bulle und sieben Kühe. Anfangs noch zurückhaltend, erkunden sie inzwischen selbstbewusst ihre neue Heimat, legen Suhlen an, weiten schmale Gräben auf und halten Gehölze kurz.

So entsteht Schritt für Schritt ein lebendiges Mosaik aus Nasswiesen, Gewässern und Röhrichten – ein Gewinn für Artenvielfalt und Landschaft.

Wasserbüffel bei Essel. Foto: Ökologische Station Aller-Böhme

Leinemauscamp 2025 – Einblicke in die Welt der Fledermäuse

Es ist kurz nach Mitternacht, die Netze hängen still zwischen den Bäumen. Plötzlich zappelt es – eine Fledermaus! Vorsichtig wird sie befreit, gewogen, vermessen. Für viele der Teilnehmer*innen ein ganz besonderer Moment: die Tiere einmal aus nächster Nähe zu sehen, zu bestimmen und zu verstehen.

Zum ersten Mal fand in der Region Hannover das Leinemauscamp statt – organisiert von der Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML). Mit dabei waren 14 Teilnehmer*innen sowie vier Expert*innen: aus dem Fledermausschutz zusammen: Bastian Mummel (ehemals ÖSML), Jonathan Langenbusch (ÖSML), Thomas Meierkordt (Fledermaus-Regionalbetreuer Landkreis Schaumburg), Martin Starrach (Landesfachausschuss Fledermäuse NRW). Ziel war es, Wissen zu vermitteln, praktische Methoden kennenzulernen und Netzwerke für die Arbeit mit Fledermäusen in Niedersachsen zu stärken.

Gruppenfoto vom Leinemauscamp 2025: Teilnehmer*innen, Expert*innen und Team. Foto: ÖSML

Sechs Arten im Fokus

Die gemeinsame Arbeit im Gelände war erfolgreich: Insgesamt konnten sechs Fledermausarten nachgewiesen werden.
Dazu zählten u. a. das Große Mausohr (Myotis myotis), die größte heimische Fledermausart, für dessen Schutz als FFH-Anhang II -Art Deutschland eine besondere Verantwortung trägt, sowie der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri), bekannt für seine weiten Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier. Ergänzt wurde die Liste durch: Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) und Braunes Langohr (Plecotus auritus).

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) Foto: ÖSML

Braunes Langohr (Plecotus auritus) Foto: ÖSML

Ablauf zwischen Praxis und Theorie

Das Camp begann mit Zeltaufbau, Einführung ins Gebiet und einem gemeinsamen Abendessen. Danach folgten die nächtlichen Praxiseinheiten: Aufbau und Betreuung von Netzen an ausgewählten Standorten, vorsichtiges Befreien, Vermessen und Bestimmen der Tiere, Markierung zur Wiedererkennung und Dokumentation der Funde, immer begleitet von Expert*innen. Nächtlicher Austausch und Fachgespräche bis spät in die Nacht. Am nächsten Vormittag rundeten ein spätes Frühstück, Fachvorträge sowie die gemeinsame Reflexion der Ergebnisse das Programm ab.

Zeltlager und Basisstation des Camps. Foto: ÖSML

Abendstimmung. Foto: ÖSML

Theorie und Vertiefung nach der Praxiserfahrung

Vortragsthemen, Fachinput und Austausch am Folgetag:

  • Vorstellung der ÖSML – Einblicke in die Arbeit der ÖSML und ihre vielfältigen Aktivitäten im Bereich Fledermausschutz.
  • Ökologische Grundlagen zu Fledermäusen – Ein Überblick über zentrale ökologische Zusammenhänge.
  • Grundlagen der Fledermauserfassung und ‐Bestimmung – Einführung in Erfassungsmethoden, Bestimmungstechniken und praktische Aspekte der wissenschaftlichen Arbeit mit Fledermäusen.
  • Geräte‐ und Methodenübersicht (Stand der Technik) – Vorstellung aktueller Technik und Ausrüstung zur Erfassung und Beobachtung
  • Vortrag zur Bioakustik – Spannender Einblick in die akustische Welt der Fledermäuse.

Vortrag mit spannenden Einblicken in Theorie und Praxis. Foto: ÖSML

Frei gelassen, und zurück in die Nacht. Video: ÖSML

Positive Resonanz und Ausblick

Das Fledermaus-Camp stieß bei Teilnehmer*innen und Expert*innen auf große Begeisterung. Besonders geschätzt wurden die praxisnahen Einblicke in Forschung und Artenschutz sowie die Möglichkeit zum Austausch. Viele wünschen sich eine Fortsetzung im kommenden Jahr. Die Organisator*innen nehmen diese Rückmeldungen mit und planen bereits, das Camp weiterzuentwickeln und neue Themen einzubinden – damit die Faszination für Fledermäuse noch mehr Menschen erreicht.

Organisiert wurde das Camp von der Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML) in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und der Landeshauptstadt Hannover. Unterstützt wurde es u. a. durch die Stadt Laatzen, die das Schulgelände und sanitäre Anlagen bereitstellte.

Aufgrund des großen Erfolgs ist schon jetzt klar: 2026 wird es ein 2. Leinemauscamp geben, mit neuen Themenschwerpunkten und wechselnden Standorten, um weitere Zielarten in den Fokus zu rücken.

Auf der Spur der Krebsschere – Hilfe für eine seltene Libelle

Die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) bittet Bürger*innen in ihrem gesamten Betreuungsgebiet – also in der Stadt Delmenhorst, im Landkreis Ammerland, im Landkreis Oldenburg und in der Stadt Oldenburg – um Mithilfe bei einer besonderen Aktion. Gesucht wird die Wasserpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) – eine auffällige und unverzichtbare Partnerin für eine stark bedrohte Libellenart: die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis). Durch die enge Zusammenarbeit mit der Ökologischen NABU-Station Leer (ÖNSL) ist zudem auch der Landkreis Leer in die Suche eingebunden.

Krebsschere. Foto: NABU Schleswig-Holstein.

Grüne Mosaikjungfer. Foto: NABU/Dr. Christoph Moning

Warum ist die Pflanze so wichtig?

Die Grüne Mosaikjungfer legt ihre Eier fast ausschließlich in die Krebsschere ab. Ohne diese Pflanze fehlt ihr der notwendige Lebensraum zur Fortpflanzung. Während die Krebsschere an einigen Standorten in Niedersachsen noch vorkommt, ist sie vielerorts verschwunden – und mit ihr die seltene Libelle.

Biotopverbund in Planung

Damit die Grüne Mosaikjungfer auch langfristig überleben kann, braucht sie ein Netz an geeigneten Lebensräumen. Momentan liegen die bekannten Krebsscheren-Bestände zwischen Bremen und Leer jedoch so weit auseinander, dass sich die Libellen nicht von einem zum anderen ausbreiten können.

Deshalb bereiten die ÖNSOL und die ÖNSL einen gemeinsamen Projektantrag vor, um einen Biotopverbund (also ein zusammenhängendes Netzwerk von Lebensräumen) zu schaffen. Dafür sollen Gewässer wie Trittsteine (kleinere Lebensräume, die wie Zwischenstationen dienen) in der Landschaft verteilt werden. So können die Libellen von einem Brutplatz zum nächsten wandern und stabile Bestände aufbauen.

Die geplanten Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den Behörden. Wichtig ist: Es geht nicht darum, Krebsscheren eigenständig einzupflanzen – das birgt Risiken und kann der heimischen Flora schaden. Entscheidend sind die Pflege bestehender Bestände, die Schaffung geeigneter Standorte, der Schutz offener Gewässer und die Meldung größerer Vorkommen, um neue Lebensräume zu dokumentieren.

Potentielle Maßnahmenflächen. Foto: Nicole Feige

Gemeinsame Suche mit der Bevölkerung

Weil die Libelle selbst schwer zu beobachten ist, konzentriert sich die Suche auf ihre „Wirtspflanze“. Bürger*innen werden gebeten, an Gräben, Teichen oder Stillgewässern die Augen offenzuhalten: Krebsscheren bilden auffällige, rosettenartige Blätter, die wie Krebsscheren aus dem Wasser ragen. Wer fündig wird, kann entscheidend zum Schutz der Grünen Mosaikjungfer beitragen.


Ab wann eine Meldung wichtig ist

Damit die Grüne Mosaikjungfer geeignete Bedingungen zur Eiablage findet, braucht es größere Bestände der Krebsschere. Einzelne Pflanzen in einem kleinen Gartenteich helfen der Art nicht weiter – solche Meldungen sind daher nicht relevant. Entscheidend sind Flächen von mindestens 5 Quadratmetern, besser noch mehr, damit stabile Lebensräume entstehen können.

Krebsschere in der Unteren Havel bei Mögelin. Foto: NABU /Klemens Karkow

Nach dieser Pflanze wird gesucht: die Krebsschere, Lebensraum der Grünen Mosaikjungfer. Foto: Nicole Feige

Krebsschere (Stratiotes aloides) – Erkennungsmerkmale und Lebensweise

  • Blätter: Schwertförmig, bis zu 40 cm lang und ca. 3 cm breit, in einer dichten Rosette angeordnet.
  • Ränder: fein gezähnt und nach vorne gerichtet – erinnern an die Scheren eines Krebses (Namensgeber).
  • Wuchsform: bildet trichterartige Rosetten, die wie kleine „Pflanzeninseln“ im Wasser wirken.
  • Lebensweise: den Großteil des Jahres untergetaucht, steigt im Frühling mit zunehmender Wärme an die Oberfläche.
  • Blüte: von Mai bis August können weiße, dreizählige Blüten erscheinen – allerdings nur, wenn sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen vorhanden sind.
  • Vermehrung: hauptsächlich vegetativ durch Ausläufer; Tochterrosetten bleiben lange mit der Mutterpflanze verbunden und können große Teppiche bilden.
  • Jahreszyklus: im Herbst sterben die äußeren Blätter ab, die Pflanze wird schwerer und sinkt auf den Grund, wo sie überwintert.
  • Lebensraum: bevorzugt nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer wie Altarme, Gräben und Teiche.

So kann jede*r mitmachen

Beim Spaziergang am Wasser, beim Radfahren durch die Landschaft oder einfach beim Beobachten am Teich – jede Sichtung der Krebsschere ist ein wichtiger Hinweis. Wer die Pflanze entdeckt, trägt dazu bei, den Lebensraum der seltenen Grünen Mosaikjungfer besser zu verstehen und zu schützen. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entsteht so ein wertvolles Gesamtbild, das entscheidend für den Artenschutz ist.

📸 Meldungen von Krebsscheren-Flächen ab 5 Quadratmetern – gerne mit Fotos und Fundortangaben – können direkt an die ÖNSOL geschickt werden.

Innovative Naturschutzlösung im Schwingetal: Islandpferde retten Grünland für wertvolle Arten

Ende Juni wurde im Stader Schwingetal Bewegung im Naturschutz sichtbar – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zehn Islandpferde traten dort ihren Dienst an, um eine ganz besondere Herausforderung anzugehen: die Kontrolle einer Pflanze, die auf den ersten Blick harmlos wirkt, aber dem wertvollen Grünland erheblich zusetzen kann.

Kurzgefressene Horste der Rasenschmiele. Foto: ÖSS

Das unscheinbare Problem: Das „Schneid-Gras“

Die sogenannte Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), regional auch „Schneid-Gras“ genannt, ist eine eher unspektakuläre Pflanze. Für Weidetiere ist sie allerdings wenig attraktiv, besonders Rinder verschmähen die zähen Halme. Das hat Konsequenzen: Die Pflanze breitet sich ungehindert aus, verdrängt andere Arten und führt zu einer Verschlechterung der Weidequalität. Für dort vorkommende bedrohte Wiesenvögel wie den Großen Brachvogel (Numenius arquata),
den Kiebitz (Vanellus vanellus) oder das Braunkehlchen (Saxicola rubetra)wird es dadurch zunehmend schwerer, geeignete Lebensräume zu finden.

Besondere Herausforderungen im Schutzgebiet

Die betroffenen Flächen liegen mitten im Landschaftsschutzgebiet „Schwingetal“, das Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks ist. Hier gelten bestimmte Regeln: Konventionelle Maßnahmen wie
z.B der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind verboten. Die Ökologische Station Stade (ÖSS), die das Gebiet betreut, stand vor einer großen Herausforderung: Wie kann man die Pflanze kontrollieren, ohne die Naturschutzauflagen zu verletzen?

Eine innovative Lösung: Islandpferde als naturnahes Werkzeug

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Stade, dem Landkreis und weiteren Partner*innen wurde eine kreative Idee geboren: Statt herkömmlicher Methoden sollten Islandpferde die Arbeit übernehmen. Diese robuste Pferderasse ist an karge Weiden gewöhnt und benötigt zur Zahnpflege faserreiches, hartes Futter – genau das, was die Rasen-Schmiele bietet.

Abgefressener Teilbereich entlang des Kattenbecks nach 2 Wochen. Foto: ÖSS

Der Einsatz auf vier Hufen

Kurzfristig stellte ein Hof in Jesteburg zehn Islandstuten zur Verfügung. Zwischen Ende Juni und Mitte Juli grasten die Pferde auf einer ausgewählten Fläche im Schwingetal. Projektleiterin Janina Heins von der ÖSS begleitete den Einsatz vor Ort. Das Ergebnis? Vielversprechend: Die Pferde fraßen das Gras tatsächlich.

Ein Projekt mit Weitblick

Diese Aktion ist nur der Anfang eines mehrphasigen Projekts. Bereits Ende August folgt die nächste Beweidungsperiode, während parallel die Auswirkungen auf Vegetation und Artenvielfalt dokumentiert werden. Ziel ist es, eine dauerhafte, naturschutzfachlich verträgliche Lösung für das Schneid-Gras-Problem zu entwickeln und gleichzeitig die Artenvielfalt im Grünland wiederherzustellen – nicht nur für Stade, sondern als Modell für ähnliche Gebiete in Niedersachsen und darüber hinaus.

Die Ökologische Station Stade – ein wichtiger Partner im Naturschutz vor Ort

Die Ökologische Station Stade hat ihren Sitz bei der BUND Kreisgruppe Stade im Hans-Kelm-Haus im Stadtteil Ottenbeck und ist zentrale Einrichtung im Landkreis Stade, die sich der Vor-Ort-Betreuung und der Pflege von Schutzgebieten widmet.

Die Station übernimmt vielfältige Aufgaben: Sie plant und koordiniert Naturschutzmaßnahmen, führt dazugehöriges Monitoring durch, berät sich bei der Pflege von Schutzgebieten mit Kooperationspartner*innen und setzt innovative Ansätze um, um die Artenvielfalt zu verbessern und zu erhalten.

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