Erfolgreiches drittes Vernetzungstreffen der Ökologischen Stationen in Hannover

Am 28. November 2025 fand das diesjährige Vernetzungstreffen der Ökologischen Stationen in Niedersachsen statt. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, fachliche Schwerpunkte und erfolgreiche Projekte auszutauschen.

Ein Teil der Teilnehmenden des Vernetzungstreffens in Hannover beim gemeinsamen Abschlussfoto. Foto Vernetzungsstelle

Aktuelles & Impulse aus dem NLWKN

Der Vormittag startete mit einer Begrüßung und einem Austausch zu aktuellen Themen. Danach folgte ein fachlicher Input aus dem NLWKN: Konstantin Knorr stellte die neuen Strukturen der Steuerungseinheit Moorschutz sowie das Regionalbüro des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) vor.

Vortrag zur Steuerungseinsatz Moorschutz. Referent: Konstantin Knorr. Foto Vernetzungsstelle

Dabei wurde dargestellt, wie die neuen Strukturen die Kooperation mit den Ökologischen Stationen verbessern und welche Unterstützung das ANK-Regionalbüro leisten kann.

Vielfalt im Fokus: Drei Ökologische Stationen stellen sich vor

Ein wichtigen Programmpunkt war die Vorstellung drei Ökologischer Stationen.
Svenja Stelse-Heine und Timo Mahlmann präsentierten die Ökologische Station Aller-Böhme sowie die Naturschutzstiftung Heidekreis und gaben Einblicke in laufende Projekte und regionale Schwerpunkte. Anschließend stellte die Fischereibiologische Station Ems-Hase gemeinsam mit ihren Partnern ein gelungenes Kooperationsbeispiel vor: „Naturschutz mit den Menschen auf dem Land“ Zusammenarbeit am Beispiel der Angelfischerei. Danach folgte ein Portrait des Naturschutzrings Dümmer e.V., das eindrucksvoll zeigte, wie sich die Arbeitsgemeinschaft aus mehreren Naturschutzvereinen seit 1993 für den Schutz des Dümmerraums einsetzt.

Transparenz im Fokus

Fast am Ende gab Marie Bohlmann, Juristin bei Green Legal Impact Germany e.V. (GLI), einen Überblick zum Thema Zugang zu Umweltinformationen. Sie zeigte auf, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und wie Behörden sowie Projektpartner*innen Informationen transparent, rechtssicher und bürgerinnenfreundlich zugänglich machen können.

Austausch zum Bibermanagement

Zum Abschluss des Tages fand ein kurzer, fachlicher Austausch zum Bibermanagement statt, durchgeführt von den Stationen Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL), Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML) und die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL). Vielen Dank an die beteiligten Stationen für die hilfreichen Einblicke und den praxisnahen Erfahrungsaustausch!

Auch wenn die Übung zu Beginn des Treffens stattfand, passt ihr Ergebnis wunderbar an das Ende dieses Rückblicks. Jede Station gestaltete eine kleine Leinwand, ein kreativer Eisbrecher, der den Austausch erleichterte und die Vielfalt der Stationen sichtbar machte.

Aus allen Mini-Leinwänden entstand später ein großes gemeinsames Bild. Dieses Gesamtwerk steht stellvertretend für das Netzwerk selbst: viele unterschiedliche Perspektiven, die zusammen etwas Stimmiges und Verbindendes ergeben. Ein schöner visueller Abschluss des Treffens, der zeigt, wie die Stationen zusammenarbeiten.

Aus den gestalteten Mini-Leinwänden der Stationen entstand ein gemeinsames Bild, das die Vielfalt und Themenbreite im Netzwerk widerspiegelt.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die etwas Leckeres mitgebracht haben! Die vielfältigen Speisen und die entspannte Atmosphäre haben nicht nur für volle Teller, sondern auch für viele gute Gespräche gesorgt, ein echtes Highlight des Tages!

Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Treffen im kommenden Jahr.

Leinemauscamp 2025 – Einblicke in die Welt der Fledermäuse

Es ist kurz nach Mitternacht, die Netze hängen still zwischen den Bäumen. Plötzlich zappelt es – eine Fledermaus! Vorsichtig wird sie befreit, gewogen, vermessen. Für viele der Teilnehmer*innen ein ganz besonderer Moment: die Tiere einmal aus nächster Nähe zu sehen, zu bestimmen und zu verstehen.

Zum ersten Mal fand in der Region Hannover das Leinemauscamp statt – organisiert von der Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML). Mit dabei waren 14 Teilnehmer*innen sowie vier Expert*innen: aus dem Fledermausschutz zusammen: Bastian Mummel (ehemals ÖSML), Jonathan Langenbusch (ÖSML), Thomas Meierkordt (Fledermaus-Regionalbetreuer Landkreis Schaumburg), Martin Starrach (Landesfachausschuss Fledermäuse NRW). Ziel war es, Wissen zu vermitteln, praktische Methoden kennenzulernen und Netzwerke für die Arbeit mit Fledermäusen in Niedersachsen zu stärken.

Gruppenfoto vom Leinemauscamp 2025: Teilnehmer*innen, Expert*innen und Team. Foto: ÖSML

Sechs Arten im Fokus

Die gemeinsame Arbeit im Gelände war erfolgreich: Insgesamt konnten sechs Fledermausarten nachgewiesen werden.
Dazu zählten u. a. das Große Mausohr (Myotis myotis), die größte heimische Fledermausart, für dessen Schutz als FFH-Anhang II -Art Deutschland eine besondere Verantwortung trägt, sowie der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri), bekannt für seine weiten Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier. Ergänzt wurde die Liste durch: Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) und Braunes Langohr (Plecotus auritus).

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) Foto: ÖSML

Braunes Langohr (Plecotus auritus) Foto: ÖSML

Ablauf zwischen Praxis und Theorie

Das Camp begann mit Zeltaufbau, Einführung ins Gebiet und einem gemeinsamen Abendessen. Danach folgten die nächtlichen Praxiseinheiten: Aufbau und Betreuung von Netzen an ausgewählten Standorten, vorsichtiges Befreien, Vermessen und Bestimmen der Tiere, Markierung zur Wiedererkennung und Dokumentation der Funde, immer begleitet von Expert*innen. Nächtlicher Austausch und Fachgespräche bis spät in die Nacht. Am nächsten Vormittag rundeten ein spätes Frühstück, Fachvorträge sowie die gemeinsame Reflexion der Ergebnisse das Programm ab.

Zeltlager und Basisstation des Camps. Foto: ÖSML

Abendstimmung. Foto: ÖSML

Theorie und Vertiefung nach der Praxiserfahrung

Vortragsthemen, Fachinput und Austausch am Folgetag:

  • Vorstellung der ÖSML – Einblicke in die Arbeit der ÖSML und ihre vielfältigen Aktivitäten im Bereich Fledermausschutz.
  • Ökologische Grundlagen zu Fledermäusen – Ein Überblick über zentrale ökologische Zusammenhänge.
  • Grundlagen der Fledermauserfassung und ‐Bestimmung – Einführung in Erfassungsmethoden, Bestimmungstechniken und praktische Aspekte der wissenschaftlichen Arbeit mit Fledermäusen.
  • Geräte‐ und Methodenübersicht (Stand der Technik) – Vorstellung aktueller Technik und Ausrüstung zur Erfassung und Beobachtung
  • Vortrag zur Bioakustik – Spannender Einblick in die akustische Welt der Fledermäuse.

Vortrag mit spannenden Einblicken in Theorie und Praxis. Foto: ÖSML

Frei gelassen, und zurück in die Nacht. Video: ÖSML

Positive Resonanz und Ausblick

Das Fledermaus-Camp stieß bei Teilnehmer*innen und Expert*innen auf große Begeisterung. Besonders geschätzt wurden die praxisnahen Einblicke in Forschung und Artenschutz sowie die Möglichkeit zum Austausch. Viele wünschen sich eine Fortsetzung im kommenden Jahr. Die Organisator*innen nehmen diese Rückmeldungen mit und planen bereits, das Camp weiterzuentwickeln und neue Themen einzubinden – damit die Faszination für Fledermäuse noch mehr Menschen erreicht.

Organisiert wurde das Camp von der Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML) in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und der Landeshauptstadt Hannover. Unterstützt wurde es u. a. durch die Stadt Laatzen, die das Schulgelände und sanitäre Anlagen bereitstellte.

Aufgrund des großen Erfolgs ist schon jetzt klar: 2026 wird es ein 2. Leinemauscamp geben, mit neuen Themenschwerpunkten und wechselnden Standorten, um weitere Zielarten in den Fokus zu rücken.

Auf der Spur der Krebsschere – Hilfe für eine seltene Libelle

Die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) bittet Bürger*innen in ihrem gesamten Betreuungsgebiet – also in der Stadt Delmenhorst, im Landkreis Ammerland, im Landkreis Oldenburg und in der Stadt Oldenburg – um Mithilfe bei einer besonderen Aktion. Gesucht wird die Wasserpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) – eine auffällige und unverzichtbare Partnerin für eine stark bedrohte Libellenart: die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis). Durch die enge Zusammenarbeit mit der Ökologischen NABU-Station Leer (ÖNSL) ist zudem auch der Landkreis Leer in die Suche eingebunden.

Krebsschere. Foto: NABU Schleswig-Holstein.

Grüne Mosaikjungfer. Foto: NABU/Dr. Christoph Moning

Warum ist die Pflanze so wichtig?

Die Grüne Mosaikjungfer legt ihre Eier fast ausschließlich in die Krebsschere ab. Ohne diese Pflanze fehlt ihr der notwendige Lebensraum zur Fortpflanzung. Während die Krebsschere an einigen Standorten in Niedersachsen noch vorkommt, ist sie vielerorts verschwunden – und mit ihr die seltene Libelle.

Biotopverbund in Planung

Damit die Grüne Mosaikjungfer auch langfristig überleben kann, braucht sie ein Netz an geeigneten Lebensräumen. Momentan liegen die bekannten Krebsscheren-Bestände zwischen Bremen und Leer jedoch so weit auseinander, dass sich die Libellen nicht von einem zum anderen ausbreiten können.

Deshalb bereiten die ÖNSOL und die ÖNSL einen gemeinsamen Projektantrag vor, um einen Biotopverbund (also ein zusammenhängendes Netzwerk von Lebensräumen) zu schaffen. Dafür sollen Gewässer wie Trittsteine (kleinere Lebensräume, die wie Zwischenstationen dienen) in der Landschaft verteilt werden. So können die Libellen von einem Brutplatz zum nächsten wandern und stabile Bestände aufbauen.

Die geplanten Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den Behörden. Wichtig ist: Es geht nicht darum, Krebsscheren eigenständig einzupflanzen – das birgt Risiken und kann der heimischen Flora schaden. Entscheidend sind die Pflege bestehender Bestände, die Schaffung geeigneter Standorte, der Schutz offener Gewässer und die Meldung größerer Vorkommen, um neue Lebensräume zu dokumentieren.

Potentielle Maßnahmenflächen. Foto: Nicole Feige

Gemeinsame Suche mit der Bevölkerung

Weil die Libelle selbst schwer zu beobachten ist, konzentriert sich die Suche auf ihre „Wirtspflanze“. Bürger*innen werden gebeten, an Gräben, Teichen oder Stillgewässern die Augen offenzuhalten: Krebsscheren bilden auffällige, rosettenartige Blätter, die wie Krebsscheren aus dem Wasser ragen. Wer fündig wird, kann entscheidend zum Schutz der Grünen Mosaikjungfer beitragen.


Ab wann eine Meldung wichtig ist

Damit die Grüne Mosaikjungfer geeignete Bedingungen zur Eiablage findet, braucht es größere Bestände der Krebsschere. Einzelne Pflanzen in einem kleinen Gartenteich helfen der Art nicht weiter – solche Meldungen sind daher nicht relevant. Entscheidend sind Flächen von mindestens 5 Quadratmetern, besser noch mehr, damit stabile Lebensräume entstehen können.

Krebsschere in der Unteren Havel bei Mögelin. Foto: NABU /Klemens Karkow

Nach dieser Pflanze wird gesucht: die Krebsschere, Lebensraum der Grünen Mosaikjungfer. Foto: Nicole Feige

Krebsschere (Stratiotes aloides) – Erkennungsmerkmale und Lebensweise

  • Blätter: Schwertförmig, bis zu 40 cm lang und ca. 3 cm breit, in einer dichten Rosette angeordnet.
  • Ränder: fein gezähnt und nach vorne gerichtet – erinnern an die Scheren eines Krebses (Namensgeber).
  • Wuchsform: bildet trichterartige Rosetten, die wie kleine „Pflanzeninseln“ im Wasser wirken.
  • Lebensweise: den Großteil des Jahres untergetaucht, steigt im Frühling mit zunehmender Wärme an die Oberfläche.
  • Blüte: von Mai bis August können weiße, dreizählige Blüten erscheinen – allerdings nur, wenn sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen vorhanden sind.
  • Vermehrung: hauptsächlich vegetativ durch Ausläufer; Tochterrosetten bleiben lange mit der Mutterpflanze verbunden und können große Teppiche bilden.
  • Jahreszyklus: im Herbst sterben die äußeren Blätter ab, die Pflanze wird schwerer und sinkt auf den Grund, wo sie überwintert.
  • Lebensraum: bevorzugt nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer wie Altarme, Gräben und Teiche.

So kann jede*r mitmachen

Beim Spaziergang am Wasser, beim Radfahren durch die Landschaft oder einfach beim Beobachten am Teich – jede Sichtung der Krebsschere ist ein wichtiger Hinweis. Wer die Pflanze entdeckt, trägt dazu bei, den Lebensraum der seltenen Grünen Mosaikjungfer besser zu verstehen und zu schützen. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entsteht so ein wertvolles Gesamtbild, das entscheidend für den Artenschutz ist.

📸 Meldungen von Krebsscheren-Flächen ab 5 Quadratmetern – gerne mit Fotos und Fundortangaben – können direkt an die ÖNSOL geschickt werden.

Innovative Naturschutzlösung im Schwingetal: Islandpferde retten Grünland für wertvolle Arten

Ende Juni wurde im Stader Schwingetal Bewegung im Naturschutz sichtbar – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zehn Islandpferde traten dort ihren Dienst an, um eine ganz besondere Herausforderung anzugehen: die Kontrolle einer Pflanze, die auf den ersten Blick harmlos wirkt, aber dem wertvollen Grünland erheblich zusetzen kann.

Kurzgefressene Horste der Rasenschmiele. Foto: ÖSS

Das unscheinbare Problem: Das „Schneid-Gras“

Die sogenannte Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), regional auch „Schneid-Gras“ genannt, ist eine eher unspektakuläre Pflanze. Für Weidetiere ist sie allerdings wenig attraktiv, besonders Rinder verschmähen die zähen Halme. Das hat Konsequenzen: Die Pflanze breitet sich ungehindert aus, verdrängt andere Arten und führt zu einer Verschlechterung der Weidequalität. Für dort vorkommende bedrohte Wiesenvögel wie den Großen Brachvogel (Numenius arquata),
den Kiebitz (Vanellus vanellus) oder das Braunkehlchen (Saxicola rubetra)wird es dadurch zunehmend schwerer, geeignete Lebensräume zu finden.

Besondere Herausforderungen im Schutzgebiet

Die betroffenen Flächen liegen mitten im Landschaftsschutzgebiet „Schwingetal“, das Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks ist. Hier gelten bestimmte Regeln: Konventionelle Maßnahmen wie
z.B der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind verboten. Die Ökologische Station Stade (ÖSS), die das Gebiet betreut, stand vor einer großen Herausforderung: Wie kann man die Pflanze kontrollieren, ohne die Naturschutzauflagen zu verletzen?

Eine innovative Lösung: Islandpferde als naturnahes Werkzeug

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Stade, dem Landkreis und weiteren Partner*innen wurde eine kreative Idee geboren: Statt herkömmlicher Methoden sollten Islandpferde die Arbeit übernehmen. Diese robuste Pferderasse ist an karge Weiden gewöhnt und benötigt zur Zahnpflege faserreiches, hartes Futter – genau das, was die Rasen-Schmiele bietet.

Abgefressener Teilbereich entlang des Kattenbecks nach 2 Wochen. Foto: ÖSS

Der Einsatz auf vier Hufen

Kurzfristig stellte ein Hof in Jesteburg zehn Islandstuten zur Verfügung. Zwischen Ende Juni und Mitte Juli grasten die Pferde auf einer ausgewählten Fläche im Schwingetal. Projektleiterin Janina Heins von der ÖSS begleitete den Einsatz vor Ort. Das Ergebnis? Vielversprechend: Die Pferde fraßen das Gras tatsächlich.

Ein Projekt mit Weitblick

Diese Aktion ist nur der Anfang eines mehrphasigen Projekts. Bereits Ende August folgt die nächste Beweidungsperiode, während parallel die Auswirkungen auf Vegetation und Artenvielfalt dokumentiert werden. Ziel ist es, eine dauerhafte, naturschutzfachlich verträgliche Lösung für das Schneid-Gras-Problem zu entwickeln und gleichzeitig die Artenvielfalt im Grünland wiederherzustellen – nicht nur für Stade, sondern als Modell für ähnliche Gebiete in Niedersachsen und darüber hinaus.

Die Ökologische Station Stade – ein wichtiger Partner im Naturschutz vor Ort

Die Ökologische Station Stade hat ihren Sitz bei der BUND Kreisgruppe Stade im Hans-Kelm-Haus im Stadtteil Ottenbeck und ist zentrale Einrichtung im Landkreis Stade, die sich der Vor-Ort-Betreuung und der Pflege von Schutzgebieten widmet.

Die Station übernimmt vielfältige Aufgaben: Sie plant und koordiniert Naturschutzmaßnahmen, führt dazugehöriges Monitoring durch, berät sich bei der Pflege von Schutzgebieten mit Kooperationspartner*innen und setzt innovative Ansätze um, um die Artenvielfalt zu verbessern und zu erhalten.

Rettung für ein Juwel im Moor: Orchideenwiese im Victorburer Moor wird endlich beweidet

Ein erfolgreicher Schritt für den praktischen Naturschutz

Im Herzen des Victorburer Moors, einem wertvollen Teil der ostfriesischen Moorlandschaft, liegt eine kleine botanische Schatzkammer: die Orchideenwiese. Hier wächst das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), eine auffällige und streng geschützte Orchideenart, die auf nährstoffarmen, feuchten Wiesen gedeiht. Doch in den vergangenen Jahren wurde es still um das einst blühende Areal – der Bestand war überaltert, Nachwuchs kaum noch zu sehen.

Die Diagnose eines erfahrenen Botanikers ließ aufhorchen: Ohne aktives Management würde diese einzigartige Pflanzengemeinschaft langfristig verschwinden. Die Ursache lag in der fehlenden Nutzung – jahrzehntelang wurde die Fläche nicht mehr traditionell beweidet oder gemäht. Dabei sind gerade solche Maßnahmen für viele seltene Pflanzen überlebenswichtig: Ohne sie wachsen konkurrenzstarke Arten wie Flatterbinsen in die Fläche ein und verdrängen die empfindlichen Orchideen.

Nachhaltige Beweidung für die Orchideen

Im Frühjahr 2025 kam die Wende. Im Zuge der Förderung für die Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten konnte das Team der Ökologischen NABU-Station Ostfriesland (ÖNSOF) aktiv werden. Der Bau eines Weidezauns im April und Mai ebnete den Weg für eine nachhaltige Beweidung.

Da der NABU Woldenhof die Beweidung der Moorheide am Moormuseum auch weiterhin mit den Heidschnucken des Betriebes gewährleisten will, diese für Kontrollen und die Versorgung mit Wasser aber nur über die mit der Orchideenwiese verbundenen Leegmoor-Fläche erreichbar ist, entschloss sich der NABU-Woldenhof ab Mitte Mai schließlich, auch die Beweidung mit zwei Jungrindern selbst zu gewährleisten. Die genügsamen Tiere helfen durch ihr Fressverhalten dabei, konkurrenzstarke Pflanzen zurückzudrängen und so Platz für die Orchideen zu schaffen.

Begleitung der Orchideenwiese

Die ÖNSOF wird die Entwicklung der Orchideenwiese auch weiterhin begleiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich der Bestand des Knabenkrauts unter den neuen Bedingungen entwickelt.

Zusätzlich sollen im kommenden Winter weitere Optimierungen an der Weidezauntrasse vorgenommen werden – Maßnahmen, die im Frühjahr aus Rücksicht auf brütende Vögel nicht mehr möglich waren.

Auch die Ausbreitung der Flatterbinsen wird gezielt bekämpft. Ziel ist es, die Artenvielfalt auf der Wiese langfristig zu sichern – nicht nur für die Orchideen, sondern auch für viele weitere bedrohte Arten, die solche offenen, nährstoffarmen Lebensräume brauchen.

Hintergrund: Warum Orchideen Wiesenpflege brauchen

Viele heimische Orchideenarten, darunter auch das Breitblättrige Knabenkraut, sind sogenannte „Kulturfolger“. Sie benötigen halboffene, regelmäßig genutzte Wiesen, wie sie früher durch traditionelle Landwirtschaft entstanden. Ohne Mahd oder Beweidung verfilzen diese Flächen, Gehölze dringen ein – und die konkurrenzschwachen Orchideen verschwinden. Aktive Pflegemaßnahmen sind daher unerlässlich für ihren Erhalt.

Praktischer Naturschutz vor Ort

Die Wiederaufnahme der Beweidung in der Orchideenwiese im Victorburer Moor zeigt eindrucksvoll, wie wichtig praktische Naturschutzarbeit vor Ort ist. Sie lebt vom Engagement und der Zusammenarbeit zwischen den Ökologischen Stationen, Behörden und landwirtschaftlichen Betrieben.

Wiederherstellung artenreicher Offenlandlebensräume am Liethberg bei Unsen

Extensive Beweidung: Pflegemaßnahmen im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“

Dank enger Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz werden die sonnigen Steilhänge am Liethberg bei Unsen nun nach mehreren Jahren wieder extensiv beweidet. Auf dem brachgefallenen Hang hatten sich dichte Schlehengebüsche auf dem ehemals artenreichen Grünland im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“ ausgebreitet. Nachdem die Fläche Anfang 2024 durch die Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW) im Rahmen der Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten von Gebüschen befreit wurde, grasen seit Kurzem wieder Weidetiere auf dem Liethberg.

Der erste Weideauftrieb

Am Freitag, den 13. Juni 2025, erfolgte der erste Weideauftrieb: Eine kleine Herde aus Schafen und Ziegen übernimmt nun die nachhaltige Pflege der Fläche. Bei den robusten und anpassungsfähigen Shropshire-Schafen handelt es sich um eine alte Haustierrasse aus England, die sich besonders für extensive Beweidungsprojekte eignet. Doch auch die Ziegen leisten auf dem steilen Gelände einen wichtigen Beitrag: Durch ihre Vorliebe für Gehölze tragen sie gezielt zur Eindämmung junger Strauchaufwüchse bei und verhindern so eine erneute Verbuschung. Die Tiere werden von Landschaftspfleger Moritz Rahlfs (Ökologische Landschaftspflege Weserbergland) aus Brullsen betreut, der nach dem Auftrieb mit seiner Partnerin Meike Kohzer und Hütehund Claus-Dieter zufrieden beobachtet, wie die Weidetiere ihre neue Umgebung zunächst aufmerksam erkunden und sich anschließend zügig über das frische Gras hermachen.

Die Beweidung erfolgt in den nächsten Monaten auf fünf Parzellen, die im Wechsel genutzt werden, um eine gleichmäßige und schonende Nutzung sicherzustellen.

Schafe laufen vom Hänger: Die robusten Shropshire-Schafe verlassen neugierig den Transportanhänger und betreten ihr neues Weideareal im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“.
Auch dornige Rosensträucher bleiben von den Ziegen nicht verschont.

Lebensraum schützen durch extensive Beweidung

Steilhanglagen mit extensiv genutzten, artenreichen Grünlandflächen sind vielerorts von Nutzungsaufgabe betroffen. Der Rückgang traditioneller Bewirtschaftungsformen führt dazu, dass ehemals offene Flächen zunehmend von Gehölzen überwachsen werden. Dadurch gehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten verloren.

Um diesem Prozess entgegenzuwirken, plant und begleitet die Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW) gezielte Pflegemaßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung des Offenlandcharakters. Dabei gilt extensive Beweidung als naturschutzfachlich besonders wertvolles Pflegeinstrument. Sie fördert die Strukturvielfalt, erhält offene Bodenstellen sowie lückige Vegetation und schafft damit Lebensraum für spezialisierte Pflanzenarten und Insekten. Im Gegensatz zur intensiven Landwirtschaft erfolgt die Nutzung mit geringer Besatzdichte und ohne Düngung, was eine Förderung standorttypischer, konkurrenzschwacher Arten ermöglicht.

Extensive Beweidung nur mit Hilfe aller Akteur*innen

Die Umsetzung des Projekts erforderte im Vorfeld eine enge Abstimmung zwischen verschiedenen Akteur*innen. Erst durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Realverband Groß Hilligsfeld als Flächeneigentümer, der neben der Bereitstellung der Fläche auch den Bau einer Zuwegung ermöglichte, sowie mit der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hameln, die die Maßnahme finanziell unterstützt, konnte die extensive Beweidung realisiert werden.

Schafe laufen vom Hänger: Die robusten Shropshire-Schafe verlassen neugierig den Transportanhänger und betreten ihr neues Weideareal im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“.
Landschaftspfleger Moritz Rahlfs und seine Partnerin Meike Kohzer betreuen die kleine Herde, die künftig für die naturschutzgerechte Pflege der Grünlandflächen sorgt.

„Projekte wie dieses zeigen eindrucksvoll, wie wichtig eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ist“, erklärt Lisa-Marie Hille, Projektleiterin bei der Ökologischen NABU-Station Oberes Wesertal. „Nur gemeinsam können wir die Erhaltung unserer Kulturlandschaften ermöglichen und artenreiche Lebensräume wie das Grünland am Liethberg langfristig bewahren.“

Die ÖNSOW dankt allen Beteiligten für ihr Engagement und freut sich über die Rückkehr der Weidetiere auf den Liethberg – ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaften und der Biodiversität im Weserbergland. Über die Aufgaben und weiteren Projekte Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal können Interessierte sich auf der Website www.oensow.de informieren.

Das Team der Ökologische Station Mittleres Leinental e.V.

Die Ökologische Station Mittleres Leinetal (kurz ÖSML) engagiert sich mit viel Leidenschaft und Fachwissen für den Schutz der Natur. Zwei Teammitglieder sind Botaniker, drei sind Zoologen, wobei jede*r auf unterschiedliche Artengruppen spezialisiert ist. Diese Vielfalt ermöglicht eine umfassende Betrachtung der Schutzgebiete und eine abgestimmte Pflegeplanung.

Geschäftsführung

Kristine Gilster (Dipl. Biologin) – Administrative Leitung. Schwerpunkt: Bibermanagement in der Region Hannover.

Florian Gade (M. Sc. Landschaftswissenschaften) – Wissenschaftliche Leitung. Schwerpunkte: Botanik, Pilzkunde, Biotop- und FFH-Lebensraumtypen sowie Landschaftspflege.

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen

Jonathan Langenbusch (M. Sc. Umweltwissenschaften) – Betreuung von Fledermäusen, Bilchen, anderen Kleinsäugern und Tagfaltern sowie die Praktikantenbetreuung.

Johannes Wentz (B. Sc. Landschaftsnutzung und Naturschutz) – Verantwortlich für das Bibermanagement, Vögel und Amphibien.

Norma Modro (B. Sc. Biologie) – Betreuung von Amphibien, Botanik, Feldhamstern und Förderprogrammen im Bereich Landwirtschaft.

Mehr zur Fachexpertise der einzelnen Personen gibt es auf unserer Website.

Das Team der Ökologische Station Mittleres Leinental e.V.

Um die 2024 durchgeführten Maßnahmen und ihre Auswirkungen zu evaluieren sowie die Planungen für die kommende Saison abzustimmen, unternahm das Team einen Ausflug in Teile des Betreuungsgebietes. Ein gemeinsamer Blick auf die Entwicklung der Flächen war besonders wichtig, um zu entscheiden: wohin sich Gebiete entwickeln sollen, was besonders gefördert werden soll und welche Flächen bei der Pflege eine hohe Rolle spielen.

Gemeinsam für Natur- und Artenschutz

Rückblick auf die Maßnahmen 2024

Unsere Arbeit ist vielseitig: Im Mittelpunkt steht der Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt durch die wissenschaftlich fundierte Betreuung von Schutzgebieten. Dabei arbeitet die ÖSML eng mit verschiedenen Verbänden, Behörden und Institutionen zusammen.

Im letzten Jahr standen vor allem Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen im Fokus, insbesondere für folgende Lebensraumtypen (LRT):

LRT 6410 – Pfeifengraswiesen

LRT 6440 – Brenndolden-Auenwiesen

LRT 6510 – Magere Flachland-Mähwiesen

Durch die enge Abstimmung im Team können diese wertvollen Lebensräume nachhaltig erhalten und gezielt gefördert werden.
Gemeinsam entwickeln die Mitarbeitenden Pflegekonzepte, setzen Maßnahmen um und reagieren auf Veränderungen in den Gebieten. So tragen sie aktiv dazu bei, die Artenvielfalt langfristig zu sichern und wichtige Ökosysteme für kommende Generationen zu bewahren.

Ab Mai 2025 wird die ÖSML auch über die Kanäle der Vernetzungsstelle von ihren Projekten berichten!

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