Wo Natur zurückkommt: Einblicke in die Landschaftspflege

So wird Naturschutz vor Ort sichtbar

Naturschutz passiert nicht nur auf dem Papier, sondern draußen auf der Fläche. Genau hier setzt die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz an: Lebensräume werden gepflegt, wiederhergestellt und langfristig gesichert.

Im Jahr 2025 ist dabei einiges passiert: Insgesamt 23 konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt, von der Pflege wertvoller Feuchtwiesen bis zur Wiederherstellung seltener Trockenrasen. Die wichtigste Arbeit für den Erhalt der Artenvielfalt in diesen Lebensräumen leisten allerdings die bewirtschaftenden Betriebe mit ihren Weidetieren oder Balkenmähern. Unersetzlich ist dabei die enge Betreuung und Beratung der Betriebe, insbesondere zu geeigneten Fördermöglichkeiten (z.B. AUKMs).

Warum diese Maßnahmen so wichtig sind

Viele artenreiche Grünlandflächen sind auf eine regelmäßige Pflege angewiesen. Ohne Mahd oder Beweidung würden sie nach und nach verbuschen, wodurch viele seltene Pflanzen und Tiere verschwinden.

Deshalb wird gezielt eingegriffen, zum Beispiel durch:

  • das Entfernen von Gehölzen
  • die extensive Pflege von Feuchtwiesen und Kalkmagerrasen
  • spezielle Maßnahmen für besonders gefährdete Arten und Lebensräume

In der Gipskarstlandschaft Südharz wird der Verbuschung wertvoller Magerrasen und Felsbereiche Einhalt geboten. Am Butterberg bei Bartolfelde (FFH 405) erfolgt die Gehölzentfernung mit einer Mulchraupe, anschließend kann hier wieder eine Beweidung mit Rindern erfolgen. Foto: ÖSGÖLS

Das Ziel ist immer gleich: wertvolle Grünland-Lebensräume offenhalten und so ihre große Artenvielfalt sichern.

Wenn Natur zurückkommt

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Feldbornberg bei Nikolausberg. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten stark zugewachsene Flächen nun wieder freigestellt.

Was nach viel Arbeit aussieht, zeigt schnell Wirkung: Seltene Pflanzen bekommen wieder Licht, die gefährdeten Magerrasen entwickeln sich neu und eine Vielzahl von Tieren findet wieder geeignete Lebensräume. Damit die Flächen nicht sofort wieder zuwachsen, ist eine anschließende Beweidung sehr wichtig. Hier wurde beispielsweise eine Bewirtschaftung mit Ziegen initiiert, die nun fleißig dabei helfen, die neu aufwachsenden Gehölze in Schach zu halten. Erste Ergebnisse zeigen bereits jetzt sehr positive Effekte auf die Artenvielfalt – die Natur kehrt zurück!

Der Feldbornberg bei Nikolausberg (FFH 138): Wiederherstellung von Kalkmagerrasen (LRT 6210) im Winter 2025/26. Insgesamt wurden hier im Zeitraum 2023-2025 rund 1,2 ha Kalkmagerrasen wiederhergestellt. In den kommenden Jahren finden nun Beweidung durch Ziegen und weitere Nachpflegearbeiten statt. Foto: ÖSGÖLS

Schritt für Schritt zum Erfolg

Erfolge im Zwischenmoor dank Balkenmäher und Mulchraupe

Auf in den letzten beiden Jahren sowohl gemähten als auch gemulchten Flächen konnte erfreulicherweise bereits ein deutlicher Rückgang von Adlerfarn und Brombeere festgestellt werden, wodurch gefährdete und konkurrenzschwache Pflanzen wie das Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) nun wieder Licht und Platz zum Wachsen haben.

Sichtbare Erfolge der Pflegemaßnahmen der letzten beiden Jahre: der Rückgang von Adlerfarn und Brombeere (links) verbessert die Bedingungen für konkurrenzschwache Arten wie dem Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) (rechts) oder auch für Vogelarten wie der Heidelerche (Lullula arborea) und dem Wendehals (Jynx torquilla). Fotos: ÖSGÖLS

Was bedeutet das?
Durch das Zurückdrängen von Adlerfarn und Brombeere, die sich in der Vergangenheit aufgrund eines etwas zu geringen Beweidungsregimes ausbreiten konnten, werden artenreiche Wiesen mit Zwischenmoor-Charakter wieder offen und vielfältig. Seltene und anspruchsvolle Pflanzen- und Tierarten können sich so erholen und langfristig halten.

Pflegeeinsatz auf dem Hühnerfeld

Damit artenreiche Wiesen erhalten bleiben, braucht es eine regelmäßige Pflege. Ohne sie würden dominante Arten wie Adlerfarn, Brombeere und Gehölze die Fläche schnell überwuchern. 2025 wurde daher gezielt eingegriffen: Im Juli erfolgte eine Mahd der Adlerfarnbestände mit einem handgeführten Balkenmäher, ergänzt durch Mulcharbeiten im September. Im November wurden außerdem junge Fichten und andere aufkommende Gehölze entfernt.

Mahd mit handgeführtem Balkenmäher auf dem Hühnerfeld im Juli 2025. Die interessierten Islandpferde fingen sofort mit der Nachpflege an. Foto: ÖSGÖLS

Warum ist das wichtig?
Nur durch regelmäßige, extensive Pflege bleiben diese besonderen Offenlebensräume (z.B. Borstgrasrasen) langfristig erhalten und bieten dadurch wiederum dauerhaft Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere.

Viele dieser Maßnahmen sind keine einmaligen Eingriffe, sondern brauchen Zeit, regelmäßige Wiederholung und eine kontinuierliche Begleitung. Deshalb arbeitet die Ökologische Station eng mit Landwirt*innen und Behörden zusammen und führt auch ein Monitoring der vorkommenden Arten durch. So entstehen Schritt für Schritt wieder lebendige und vielfältige Landschaften, die langfristig erhalten bleiben.

Dieser Beitrag zeigt nur einen kleinen Einblick in die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz. Den vollständigen Newsletter der ÖSGÖLS mit weiteren Projekten, Artenporträts und Einblicken findet ihr hier.

Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch das Land Niedersachsen gefördert und erfolgt auf Grundlage abgestimmter Managementpläne für geschützte Lebensräume und Arten.

Gemeinsam für Natur und Gewässer: ÖNSOL und ÖKOL im Fokus

Wie entsteht Naturschutz vor Ort?

Im Oldenburger Land arbeiten unterschiedliche Akteur*innen mit eigenen Schwerpunkten daran, Arten, Lebensräume und Gewässer zu schützen. Zwei davon sind die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) und das Ökologische Kompetenzzentrum Oldenburger Land (ÖKOL).

Beide verfolgen dasselbe Ziel, den Schutz von Arten, Lebensräumen und Gewässern, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Gerade diese Ergänzung macht ihre Kooperation besonders wirkungsvoll.

Die ÖNSOL: Schutzgebiete im Fokus

Die ÖNSOL ist eine von mehreren Ökologischen NABU-Stationen in Niedersachsen, die im Rahmen des Niedersächsischen Wegs entstanden sind. Ihr Auftrag ist klar definiert: die naturschutzfachliche Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten und ausgewählten Arten in den Landkreisen Oldenburg und Ammerland sowie in den Städten Oldenburg und Delmenhorst.

Team der Ökologischen NABU-Station Oldenburger Land. Foto: ÖNSOL

Zu ihren Kernaufgaben gehören:

  • Beobachtung und Erfassung von Arten und Lebensräumen
  • Planung und Begleitung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Beratung lokaler Akteur*innen
  • Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern

Der Schwerpunkt liegt auf der konkreten Umsetzung, direkt in den Schutzgebieten, in enger Zusammenarbeit mit den Behörden, lokalen Akteur*innen und Ehrenamtlichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben sowie den Unteren Naturschutzbehörden, mit denen entsprechende Kooperationsvereinbarungen bestehen.

Das ÖKOL: Netzwerk und Praxis im Offenland

Das ÖKOL ist eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft (gUG), die sich dem Natur-, Arten- und Gewässerschutz im Oldenburger Raum sowie in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg widmet.

In der gUG haben sich das Ökologische Kompetenzzentrum Ammerland Oldenburg e. V. (ÖKAO) und die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. zusammengeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam mit land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie weiteren Institutionen in der Fläche wirksamen Naturschutz umzusetzen.

Im Fokus stehen insbesondere:

  • Schutzmaßnahmen im Offenland
  • Arbeit in Pufferzonen von FFH- und Naturschutzgebieten
  • Feldvogel-, Insekten- und Grünlandschutz
  • Biotopverbund und Neophytenmanagement

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen in der Offenlandschaft, also auch außerhalb von Schutzgebieten. Damit ergänzt das ÖKOL die Arbeit der Ökologische NABU-Station Oldenburger Land.

Als Kompetenzzentrum mit starkem Netzwerkcharakter vernetzt das ÖKOL unterschiedliche Akteur*innen und unterstützt die gemeinsame Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.

Ein konkretes Beispiel: Die Delme und das Problem der Verockerung

Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigt ein gemeinsames Pilotprojekt an der Delme.

In der Delme und ihren Zuflüssen führt Eisenocker, ein rötlich-brauner Eisenoxid-Belag, zu erheblichen Belastungen für das Gewässerökosystem. Besonders empfindliche Arten wie Fische oder die geschützte Bachmuschel reagieren sensibel auf diese Veränderungen.

Bachmuschel. Foto: A. Hoffmann

Um dem entgegenzuwirken, haben die ÖNSOL und das ÖKOL in Kooperation mit dem Ochtumverband das Projekt gestartet: In Ganderkesee wurden auf einem an die Delme angrenzenden Acker gesteuerte Dränagen mit speziellen Bypass-Vorsätzen eingesetzt. Ziel des Projekts ist es, Wasser länger in der Fläche zu halten und so die Verockerung sowie den Eintrag von Eisen in die Delme zu reduzieren. Das Projekt wird von einem Masterstudierenden wissenschaftlich begleitet.

Das Prinzip

Das Bodenwasser wird länger auf der Fläche gehalten, wodurch anaerobe Bedingungen (sauerstoffarme Verhältnisse im Boden, in denen bestimmte chemische Prozesse anders ablaufen) entstehen. Dadurch wird die Oxidation von Eisen reduziert und weniger Eisen gelangt ins Gewässer. Gleichzeitig bleibt der Wasserstand steuerbar, sodass landwirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden können.

Hier zeigt sich, wie Naturschutz, Wissenschaft und landwirtschaftliche Praxis ineinandergreifen können.

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Einbau Drainage. Foto: Nils Rudolf

Kooperation als Schlüssel

Die ÖNSOL und das ÖKOL bringen unterschiedliche Kompetenzen ein: Schutzgebietsbetreuung, Netzwerkstruktur, Praxisnähe zur Landwirtschaft und fachliche Spezialisierung. In der Zusammenarbeit ergänzen sich diese Profile.

Kooperationstreffen im Rahmen des Drainageprojekts. Foto: Nicole Feige

Das Projekt an der Delme steht exemplarisch für einen Ansatz, der im Naturschutz zunehmend an Bedeutung gewinnt: fachlich fundiert, praxisnah, kooperativ und lösungsorientiert.

Wirksamer Naturschutz entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden, und genau das leisten die ÖNSOL und das ÖKOL im Oldenburger Land.

Ökologische Stationen im Austausch: Viertes Vernetzungstreffen

Am 17.03.2026 kamen rund 40 Mitarbeitende und Leitungen der Ökologischen Stationen in Niedersachsen zum vierten Vernetzungstreffen in den schönen Räumlichkeiten der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer zusammen.

Im Mittelpunkt stand der Austausch zwischen den Stationen. Ziel war es, das Netzwerk zu stärken und voneinander zu lernen. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen, Kontakte zu vertiefen und neue Verbindungen aufzubauen.

Ein Teil der Teilnehmenden des Vernetzungstreffens beim Austausch. Foto: Vernetzungsstelle.

Austausch in Gesprächsrunden

In verschiedenen Gesprächsrunden wurden Erfahrungen aus der täglichen Arbeit ausführlich ausgetauscht, wobei die Teilnehmenden sowohl konkrete Herausforderungen vor Ort als auch bereits erprobte und bewährte Lösungsansätze diskutierten.
Auf diese Weise konnten praxisnahe Ideen weitergegeben, unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und zugleich neue Ansätze für die zukünftige Arbeit entwickelt werden.

Einblicke in die Arbeit der Stationen

Ein besonderer Programmpunkt des Treffens war die Vorstellung von drei Ökologischen Stationen: der Ökologischen Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL), der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD) sowie der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM).


Sie präsentierten ihre Arbeit, gaben Einblicke in ihre jeweiligen Schwerpunkte und zeigten, wie unterschiedliche Maßnahmen im Naturschutz vor Ort konkret umgesetzt werden.

Maya Ehmig und Ine Penz von der Ökologischen Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL) während ihrer Vorstellung. Foto: Vernetzungsstelle.

Der Austausch zeigte: Viele Stationen stehen vor ähnlichen Aufgaben. Durch das Netzwerk können sie sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Lösungen finden. Das stärkt die Zusammenarbeit und macht die Arbeit langfristig effektiver.

Exkursion: Raum für Austausch und neue Ideen

Ein weiterer wichtiger Teil des Treffens war die gemeinsame Exkursion. Sie bot Raum für informelle Gespräche und einen offenen Austausch in entspannter Atmosphäre. Zudem hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, gemeinsam einen Teil des Gebiets der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) zu erkunden und dabei verschiedene Vogelarten zu beobachten. Svenja Niedorf führte die Gruppe vor Ort und gab dabei spannende Einblicke in das Gebiet und die dort vorkommenden Arten. So konnten Kontakte weiter vertieft und neue Ideen entwickelt werden.

Eindrücke aus der gemeinsamen Exkursion: Die Teilnehmenden erkundeten das Gebiet, beobachteten verschiedene Vogelarten und nutzten die Gelegenheit für fachlichen Austausch in der Natur. Fotos: Vernetzungsstelle.

Das Treffen hat deutlich gemacht, wie wichtig ein starkes Netzwerk ist. Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und regelmäßiger Erfahrungsaustausch sind zentrale Bausteine für die Weiterentwicklung der Ökologischen Stationen in Niedersachsen.

Ein besonderer Dank gilt der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) und ihrem Team, den Mitarbeitenden sowie den FÖJler*innen, für die herzliche Gastfreundschaft, die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie die engagierte Vorbereitung und reibungslose Organisation des Treffens.

Auen im Wandel: Wie sich neue Lebensräume aus der Luft und am Boden zeigen.

Monitoring von Auenrenaturierungsmaßnahmen

Flussauen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Damit sie diese Vielfalt entfalten können, brauchen sie Platz, Wasser und Dynamik. In den letzten Jahren wurden am Röbbelbach der Ilmenau sowie an der Neetze Maßnahmen umgesetzt, um genau diese Bedingungen wiederherzustellen.

Die Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze begleitet diese Flächen seitdem mit einem kontinuierlichen Monitoring.

Auenentwicklung am Röbbelbach (2023), in Emmendorf (2024) und an der Neetze (2024)

Im September 2023 wurden gemeinsam mit der Gewässerallianz Ilmenau im Mündungsbereich des Röbbelbachs in die Ilmenau südlich von Bad Bevensen Maßnahmen zur Verbesserung der Flussaue umgesetzt. Dazu wurden die Ufer abgeflacht, kleine Blänken angelegt und ein abwechslungsreiches Oberflächenrelief geschaffen. So entstanden unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum.

Die Blänken werden bei Hochwasser geflutet und bleiben bei niedrigem Wasserstand als kleine Stillgewässer erhalten. Dadurch wird Wasser zurückgehalten und es entstehen wichtige Lebensräume für Amphibien und Libellen.

Ein Jahr später wurden zwei weitere Maßnahme in Emmendorf an der Ilmenau und bei Lüdershausen an der Neetze durchgeführt. Auch hier wurde bewusst auf Strukturen gesetzt, die Hochwasser zulassen und natürliche Prozesse fördern. Mal wurde Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenfluren ausgebracht und mal auf die noch im Boden vorhandenen Samen gesetzt.

Aussat von Regiosaatgut Ende September 2023. Foto: Ökostation Ilmenau

Einsatz vom Langarm-Bagger zur Anlage von Blänken und Nebengerinne.  Foto: Ökostation Ilmenau

Nach der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen im Jahr 2023 sowie in Emmendorf und an der Neetze im Jahr 2024 begleitet die Ökologische Station Ilmenau die Entwicklung der neu geschaffenen Sekundärauen und Blänken durch ein kontinuierliches Monitoring.

Ziel ist es, die ökologische Entwicklung dieser Flächen langfristig zu dokumentieren und besser zu verstehen, wie sich Lebensräume nach Eingriffen wieder eigenständig entwickeln.

Botanisches Monitoring mit spannenden Überraschungen

Auf beiden Flächen wurde eine Einsaat mit Regio-Saatgut für feuchte Hochstaudenfluren durchgeführt. Im Rahmen des Monitorings erfolgen regelmäßige botanische Erfassungen, die mit den eingesäten Artenlisten abgeglichen werden.

Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenflur. Foto: Ökostation Ilmenau

Dabei zeigt sich immer wieder, wie dynamisch Flussauen sind: Neben den gezielt eingebrachten Arten tauchen auch Pflanzen auf, die nicht Teil der Saatgutmischungen waren. Ein Beispiel ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus). Ihre Keimung verdeutlicht die große Bedeutung der Samenbank im Boden. Werden Rohbodenbereiche geschaffen oder kommt es bei Hochwasser zur Freispülung von Uferzonen, können dort Samen keimen, die teils über Jahre im Boden überdauert haben.

Dokumentation aus der Luft – Monitoring mit Drohnen

Drohne der Ökostation Ilmenau. Foto: Ökostation Ilmenau

Ergänzend zur botanischen Erfassung setzt die Ökologische Station seit 2025 auch Drohnen zur Dokumentation der Maßnahmen ein. Moderne Drohnen ermöglichen es, feste Flugrouten zu speichern und exakt definierte Fotopunkte anzufliegen. So entstehen bei jeder Befliegung Aufnahmen aus identischen Perspektiven.

Diese systematische Vorgehensweise erlaubt es, Veränderungen über Jahre hinweg sichtbar zu machen. Langfristig können die Bildreihen verglichen werden. Auf diese Weise entsteht eine wertvolle Zeitreihe, die die Sukzession einzelner Bereiche detailliert dokumentiert.

Drohnenaufnahme der Fläche in Emmendorf. Foto: Ökostation Ilmenau

Artenreicher Blühaspekt

Zwei Jahre nach der Maßnahmenumsetzung zeigt sich am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen bereits ein deutlicher Erfolg: In der feuchten Hochstaudenflur hat sich ein artenreicher Blühaspekt entwickelt, unter anderem mit großflächig blühendem Blutweiderich (Lythrum salicaria).

Der hohe Blütenreichtum zieht zahlreiche Bestäuber-Insekten an. Auch die neu geschaffenen Strukturen finden ihre Nutzer. Bereits kurz nach den Maßnahmen konnte außerdem ein Zwergsäger (Mergellus albellus), ein Überwinterungsgast an der Ilmenau, in den neu angelegten Gewässern beobachtet werden.

Blühaspekt am Röbbelbach / Ilmenau mit Blutweiderich. Foto: Ökostation Ilmenau

Ausblick: Monitoring geht weiter

Die Entwicklungen der Flächen am Röbbelbach, in Emmendorf und an der Neetze werden auch in den kommenden Jahren weiter begleitet. Für 2026 ist am Röbbelbach eine gezielte Schmetterlingserfassung geplant, an der Neetze sollen die Libellen näher untersucht werden.

Das Monitoring zeigt, wie schnell und vielfältig sich Flussauen entwickeln können, wenn sie ausreichend Raum bekommen. Die Kombination aus botanischen Erfassungen und Drohnenaufnahmen liefert dabei wichtige Erkenntnisse für die Bewertung und Weiterentwicklung von Renaturierungsmaßnahmen.

Erfolgreiches drittes Vernetzungstreffen der Ökologischen Stationen in Hannover

Am 28. November 2025 fand das diesjährige Vernetzungstreffen der Ökologischen Stationen in Niedersachsen statt. Rund 50 Teilnehmende kamen zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen, fachliche Schwerpunkte und erfolgreiche Projekte auszutauschen.

Ein Teil der Teilnehmenden des Vernetzungstreffens in Hannover beim gemeinsamen Abschlussfoto. Foto Vernetzungsstelle

Aktuelles & Impulse aus dem NLWKN

Der Vormittag startete mit einer Begrüßung und einem Austausch zu aktuellen Themen. Danach folgte ein fachlicher Input aus dem NLWKN: Konstantin Knorr stellte die neuen Strukturen der Steuerungseinheit Moorschutz sowie das Regionalbüro des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) vor.

Vortrag zur Steuerungseinsatz Moorschutz. Referent: Konstantin Knorr. Foto Vernetzungsstelle

Dabei wurde dargestellt, wie die neuen Strukturen die Kooperation mit den Ökologischen Stationen verbessern und welche Unterstützung das ANK-Regionalbüro leisten kann.

Vielfalt im Fokus: Drei Ökologische Stationen stellen sich vor

Ein wichtigen Programmpunkt war die Vorstellung drei Ökologischer Stationen.
Svenja Stelse-Heine und Timo Mahlmann präsentierten die Ökologische Station Aller-Böhme sowie die Naturschutzstiftung Heidekreis und gaben Einblicke in laufende Projekte und regionale Schwerpunkte. Anschließend stellte die Fischereibiologische Station Ems-Hase gemeinsam mit ihren Partnern ein gelungenes Kooperationsbeispiel vor: „Naturschutz mit den Menschen auf dem Land“ Zusammenarbeit am Beispiel der Angelfischerei. Danach folgte ein Portrait des Naturschutzrings Dümmer e.V., das eindrucksvoll zeigte, wie sich die Arbeitsgemeinschaft aus mehreren Naturschutzvereinen seit 1993 für den Schutz des Dümmerraums einsetzt.

Transparenz im Fokus

Fast am Ende gab Marie Bohlmann, Juristin bei Green Legal Impact Germany e.V. (GLI), einen Überblick zum Thema Zugang zu Umweltinformationen. Sie zeigte auf, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und wie Behörden sowie Projektpartner*innen Informationen transparent, rechtssicher und bürgerinnenfreundlich zugänglich machen können.

Austausch zum Bibermanagement

Zum Abschluss des Tages fand ein kurzer, fachlicher Austausch zum Bibermanagement statt, durchgeführt von den Stationen Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL), Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML) und die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL). Vielen Dank an die beteiligten Stationen für die hilfreichen Einblicke und den praxisnahen Erfahrungsaustausch!

Auch wenn die Übung zu Beginn des Treffens stattfand, passt ihr Ergebnis wunderbar an das Ende dieses Rückblicks. Jede Station gestaltete eine kleine Leinwand, ein kreativer Eisbrecher, der den Austausch erleichterte und die Vielfalt der Stationen sichtbar machte.

Aus allen Mini-Leinwänden entstand später ein großes gemeinsames Bild. Dieses Gesamtwerk steht stellvertretend für das Netzwerk selbst: viele unterschiedliche Perspektiven, die zusammen etwas Stimmiges und Verbindendes ergeben. Ein schöner visueller Abschluss des Treffens, der zeigt, wie die Stationen zusammenarbeiten.

Aus den gestalteten Mini-Leinwänden der Stationen entstand ein gemeinsames Bild, das die Vielfalt und Themenbreite im Netzwerk widerspiegelt.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die etwas Leckeres mitgebracht haben! Die vielfältigen Speisen und die entspannte Atmosphäre haben nicht nur für volle Teller, sondern auch für viele gute Gespräche gesorgt, ein echtes Highlight des Tages!

Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Treffen im kommenden Jahr.

Leinemauscamp 2025 – Einblicke in die Welt der Fledermäuse

Es ist kurz nach Mitternacht, die Netze hängen still zwischen den Bäumen. Plötzlich zappelt es – eine Fledermaus! Vorsichtig wird sie befreit, gewogen, vermessen. Für viele der Teilnehmer*innen ein ganz besonderer Moment: die Tiere einmal aus nächster Nähe zu sehen, zu bestimmen und zu verstehen.

Zum ersten Mal fand in der Region Hannover das Leinemauscamp statt – organisiert von der Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML). Mit dabei waren 14 Teilnehmer*innen sowie vier Expert*innen: aus dem Fledermausschutz zusammen: Bastian Mummel (ehemals ÖSML), Jonathan Langenbusch (ÖSML), Thomas Meierkordt (Fledermaus-Regionalbetreuer Landkreis Schaumburg), Martin Starrach (Landesfachausschuss Fledermäuse NRW). Ziel war es, Wissen zu vermitteln, praktische Methoden kennenzulernen und Netzwerke für die Arbeit mit Fledermäusen in Niedersachsen zu stärken.

Gruppenfoto vom Leinemauscamp 2025: Teilnehmer*innen, Expert*innen und Team. Foto: ÖSML

Sechs Arten im Fokus

Die gemeinsame Arbeit im Gelände war erfolgreich: Insgesamt konnten sechs Fledermausarten nachgewiesen werden.
Dazu zählten u. a. das Große Mausohr (Myotis myotis), die größte heimische Fledermausart, für dessen Schutz als FFH-Anhang II -Art Deutschland eine besondere Verantwortung trägt, sowie der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri), bekannt für seine weiten Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier. Ergänzt wurde die Liste durch: Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) und Braunes Langohr (Plecotus auritus).

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) Foto: ÖSML

Braunes Langohr (Plecotus auritus) Foto: ÖSML

Ablauf zwischen Praxis und Theorie

Das Camp begann mit Zeltaufbau, Einführung ins Gebiet und einem gemeinsamen Abendessen. Danach folgten die nächtlichen Praxiseinheiten: Aufbau und Betreuung von Netzen an ausgewählten Standorten, vorsichtiges Befreien, Vermessen und Bestimmen der Tiere, Markierung zur Wiedererkennung und Dokumentation der Funde, immer begleitet von Expert*innen. Nächtlicher Austausch und Fachgespräche bis spät in die Nacht. Am nächsten Vormittag rundeten ein spätes Frühstück, Fachvorträge sowie die gemeinsame Reflexion der Ergebnisse das Programm ab.

Zeltlager und Basisstation des Camps. Foto: ÖSML

Abendstimmung. Foto: ÖSML

Theorie und Vertiefung nach der Praxiserfahrung

Vortragsthemen, Fachinput und Austausch am Folgetag:

  • Vorstellung der ÖSML – Einblicke in die Arbeit der ÖSML und ihre vielfältigen Aktivitäten im Bereich Fledermausschutz.
  • Ökologische Grundlagen zu Fledermäusen – Ein Überblick über zentrale ökologische Zusammenhänge.
  • Grundlagen der Fledermauserfassung und ‐Bestimmung – Einführung in Erfassungsmethoden, Bestimmungstechniken und praktische Aspekte der wissenschaftlichen Arbeit mit Fledermäusen.
  • Geräte‐ und Methodenübersicht (Stand der Technik) – Vorstellung aktueller Technik und Ausrüstung zur Erfassung und Beobachtung
  • Vortrag zur Bioakustik – Spannender Einblick in die akustische Welt der Fledermäuse.

Vortrag mit spannenden Einblicken in Theorie und Praxis. Foto: ÖSML

Frei gelassen, und zurück in die Nacht. Video: ÖSML

Positive Resonanz und Ausblick

Das Fledermaus-Camp stieß bei Teilnehmer*innen und Expert*innen auf große Begeisterung. Besonders geschätzt wurden die praxisnahen Einblicke in Forschung und Artenschutz sowie die Möglichkeit zum Austausch. Viele wünschen sich eine Fortsetzung im kommenden Jahr. Die Organisator*innen nehmen diese Rückmeldungen mit und planen bereits, das Camp weiterzuentwickeln und neue Themen einzubinden – damit die Faszination für Fledermäuse noch mehr Menschen erreicht.

Organisiert wurde das Camp von der Ökologische Station Mittleres Leinetal e.V. (ÖSML) in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und der Landeshauptstadt Hannover. Unterstützt wurde es u. a. durch die Stadt Laatzen, die das Schulgelände und sanitäre Anlagen bereitstellte.

Aufgrund des großen Erfolgs ist schon jetzt klar: 2026 wird es ein 2. Leinemauscamp geben, mit neuen Themenschwerpunkten und wechselnden Standorten, um weitere Zielarten in den Fokus zu rücken.

Auf der Spur der Krebsschere – Hilfe für eine seltene Libelle

Die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) bittet Bürger*innen in ihrem gesamten Betreuungsgebiet – also in der Stadt Delmenhorst, im Landkreis Ammerland, im Landkreis Oldenburg und in der Stadt Oldenburg – um Mithilfe bei einer besonderen Aktion. Gesucht wird die Wasserpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) – eine auffällige und unverzichtbare Partnerin für eine stark bedrohte Libellenart: die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis). Durch die enge Zusammenarbeit mit der Ökologischen NABU-Station Leer (ÖNSL) ist zudem auch der Landkreis Leer in die Suche eingebunden.

Krebsschere. Foto: NABU Schleswig-Holstein.

Grüne Mosaikjungfer. Foto: NABU/Dr. Christoph Moning

Warum ist die Pflanze so wichtig?

Die Grüne Mosaikjungfer legt ihre Eier fast ausschließlich in die Krebsschere ab. Ohne diese Pflanze fehlt ihr der notwendige Lebensraum zur Fortpflanzung. Während die Krebsschere an einigen Standorten in Niedersachsen noch vorkommt, ist sie vielerorts verschwunden – und mit ihr die seltene Libelle.

Biotopverbund in Planung

Damit die Grüne Mosaikjungfer auch langfristig überleben kann, braucht sie ein Netz an geeigneten Lebensräumen. Momentan liegen die bekannten Krebsscheren-Bestände zwischen Bremen und Leer jedoch so weit auseinander, dass sich die Libellen nicht von einem zum anderen ausbreiten können.

Deshalb bereiten die ÖNSOL und die ÖNSL einen gemeinsamen Projektantrag vor, um einen Biotopverbund (also ein zusammenhängendes Netzwerk von Lebensräumen) zu schaffen. Dafür sollen Gewässer wie Trittsteine (kleinere Lebensräume, die wie Zwischenstationen dienen) in der Landschaft verteilt werden. So können die Libellen von einem Brutplatz zum nächsten wandern und stabile Bestände aufbauen.

Die geplanten Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den Behörden. Wichtig ist: Es geht nicht darum, Krebsscheren eigenständig einzupflanzen – das birgt Risiken und kann der heimischen Flora schaden. Entscheidend sind die Pflege bestehender Bestände, die Schaffung geeigneter Standorte, der Schutz offener Gewässer und die Meldung größerer Vorkommen, um neue Lebensräume zu dokumentieren.

Potentielle Maßnahmenflächen. Foto: Nicole Feige

Gemeinsame Suche mit der Bevölkerung

Weil die Libelle selbst schwer zu beobachten ist, konzentriert sich die Suche auf ihre „Wirtspflanze“. Bürger*innen werden gebeten, an Gräben, Teichen oder Stillgewässern die Augen offenzuhalten: Krebsscheren bilden auffällige, rosettenartige Blätter, die wie Krebsscheren aus dem Wasser ragen. Wer fündig wird, kann entscheidend zum Schutz der Grünen Mosaikjungfer beitragen.


Ab wann eine Meldung wichtig ist

Damit die Grüne Mosaikjungfer geeignete Bedingungen zur Eiablage findet, braucht es größere Bestände der Krebsschere. Einzelne Pflanzen in einem kleinen Gartenteich helfen der Art nicht weiter – solche Meldungen sind daher nicht relevant. Entscheidend sind Flächen von mindestens 5 Quadratmetern, besser noch mehr, damit stabile Lebensräume entstehen können.

Krebsschere in der Unteren Havel bei Mögelin. Foto: NABU /Klemens Karkow

Nach dieser Pflanze wird gesucht: die Krebsschere, Lebensraum der Grünen Mosaikjungfer. Foto: Nicole Feige

Krebsschere (Stratiotes aloides) – Erkennungsmerkmale und Lebensweise

  • Blätter: Schwertförmig, bis zu 40 cm lang und ca. 3 cm breit, in einer dichten Rosette angeordnet.
  • Ränder: fein gezähnt und nach vorne gerichtet – erinnern an die Scheren eines Krebses (Namensgeber).
  • Wuchsform: bildet trichterartige Rosetten, die wie kleine „Pflanzeninseln“ im Wasser wirken.
  • Lebensweise: den Großteil des Jahres untergetaucht, steigt im Frühling mit zunehmender Wärme an die Oberfläche.
  • Blüte: von Mai bis August können weiße, dreizählige Blüten erscheinen – allerdings nur, wenn sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen vorhanden sind.
  • Vermehrung: hauptsächlich vegetativ durch Ausläufer; Tochterrosetten bleiben lange mit der Mutterpflanze verbunden und können große Teppiche bilden.
  • Jahreszyklus: im Herbst sterben die äußeren Blätter ab, die Pflanze wird schwerer und sinkt auf den Grund, wo sie überwintert.
  • Lebensraum: bevorzugt nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer wie Altarme, Gräben und Teiche.

So kann jede*r mitmachen

Beim Spaziergang am Wasser, beim Radfahren durch die Landschaft oder einfach beim Beobachten am Teich – jede Sichtung der Krebsschere ist ein wichtiger Hinweis. Wer die Pflanze entdeckt, trägt dazu bei, den Lebensraum der seltenen Grünen Mosaikjungfer besser zu verstehen und zu schützen. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entsteht so ein wertvolles Gesamtbild, das entscheidend für den Artenschutz ist.

📸 Meldungen von Krebsscheren-Flächen ab 5 Quadratmetern – gerne mit Fotos und Fundortangaben – können direkt an die ÖNSOL geschickt werden.

Innovative Naturschutzlösung im Schwingetal: Islandpferde retten Grünland für wertvolle Arten

Ende Juni wurde im Stader Schwingetal Bewegung im Naturschutz sichtbar – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zehn Islandpferde traten dort ihren Dienst an, um eine ganz besondere Herausforderung anzugehen: die Kontrolle einer Pflanze, die auf den ersten Blick harmlos wirkt, aber dem wertvollen Grünland erheblich zusetzen kann.

Kurzgefressene Horste der Rasenschmiele. Foto: ÖSS

Das unscheinbare Problem: Das „Schneid-Gras“

Die sogenannte Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), regional auch „Schneid-Gras“ genannt, ist eine eher unspektakuläre Pflanze. Für Weidetiere ist sie allerdings wenig attraktiv, besonders Rinder verschmähen die zähen Halme. Das hat Konsequenzen: Die Pflanze breitet sich ungehindert aus, verdrängt andere Arten und führt zu einer Verschlechterung der Weidequalität. Für dort vorkommende bedrohte Wiesenvögel wie den Großen Brachvogel (Numenius arquata),
den Kiebitz (Vanellus vanellus) oder das Braunkehlchen (Saxicola rubetra)wird es dadurch zunehmend schwerer, geeignete Lebensräume zu finden.

Besondere Herausforderungen im Schutzgebiet

Die betroffenen Flächen liegen mitten im Landschaftsschutzgebiet „Schwingetal“, das Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks ist. Hier gelten bestimmte Regeln: Konventionelle Maßnahmen wie
z.B der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind verboten. Die Ökologische Station Stade (ÖSS), die das Gebiet betreut, stand vor einer großen Herausforderung: Wie kann man die Pflanze kontrollieren, ohne die Naturschutzauflagen zu verletzen?

Eine innovative Lösung: Islandpferde als naturnahes Werkzeug

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Stade, dem Landkreis und weiteren Partner*innen wurde eine kreative Idee geboren: Statt herkömmlicher Methoden sollten Islandpferde die Arbeit übernehmen. Diese robuste Pferderasse ist an karge Weiden gewöhnt und benötigt zur Zahnpflege faserreiches, hartes Futter – genau das, was die Rasen-Schmiele bietet.

Abgefressener Teilbereich entlang des Kattenbecks nach 2 Wochen. Foto: ÖSS

Der Einsatz auf vier Hufen

Kurzfristig stellte ein Hof in Jesteburg zehn Islandstuten zur Verfügung. Zwischen Ende Juni und Mitte Juli grasten die Pferde auf einer ausgewählten Fläche im Schwingetal. Projektleiterin Janina Heins von der ÖSS begleitete den Einsatz vor Ort. Das Ergebnis? Vielversprechend: Die Pferde fraßen das Gras tatsächlich.

Ein Projekt mit Weitblick

Diese Aktion ist nur der Anfang eines mehrphasigen Projekts. Bereits Ende August folgt die nächste Beweidungsperiode, während parallel die Auswirkungen auf Vegetation und Artenvielfalt dokumentiert werden. Ziel ist es, eine dauerhafte, naturschutzfachlich verträgliche Lösung für das Schneid-Gras-Problem zu entwickeln und gleichzeitig die Artenvielfalt im Grünland wiederherzustellen – nicht nur für Stade, sondern als Modell für ähnliche Gebiete in Niedersachsen und darüber hinaus.

Die Ökologische Station Stade – ein wichtiger Partner im Naturschutz vor Ort

Die Ökologische Station Stade hat ihren Sitz bei der BUND Kreisgruppe Stade im Hans-Kelm-Haus im Stadtteil Ottenbeck und ist zentrale Einrichtung im Landkreis Stade, die sich der Vor-Ort-Betreuung und der Pflege von Schutzgebieten widmet.

Die Station übernimmt vielfältige Aufgaben: Sie plant und koordiniert Naturschutzmaßnahmen, führt dazugehöriges Monitoring durch, berät sich bei der Pflege von Schutzgebieten mit Kooperationspartner*innen und setzt innovative Ansätze um, um die Artenvielfalt zu verbessern und zu erhalten.

Rettung für ein Juwel im Moor: Orchideenwiese im Victorburer Moor wird endlich beweidet

Ein erfolgreicher Schritt für den praktischen Naturschutz

Im Herzen des Victorburer Moors, einem wertvollen Teil der ostfriesischen Moorlandschaft, liegt eine kleine botanische Schatzkammer: die Orchideenwiese. Hier wächst das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), eine auffällige und streng geschützte Orchideenart, die auf nährstoffarmen, feuchten Wiesen gedeiht. Doch in den vergangenen Jahren wurde es still um das einst blühende Areal – der Bestand war überaltert, Nachwuchs kaum noch zu sehen.

Die Diagnose eines erfahrenen Botanikers ließ aufhorchen: Ohne aktives Management würde diese einzigartige Pflanzengemeinschaft langfristig verschwinden. Die Ursache lag in der fehlenden Nutzung – jahrzehntelang wurde die Fläche nicht mehr traditionell beweidet oder gemäht. Dabei sind gerade solche Maßnahmen für viele seltene Pflanzen überlebenswichtig: Ohne sie wachsen konkurrenzstarke Arten wie Flatterbinsen in die Fläche ein und verdrängen die empfindlichen Orchideen.

Nachhaltige Beweidung für die Orchideen

Im Frühjahr 2025 kam die Wende. Im Zuge der Förderung für die Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten konnte das Team der Ökologischen NABU-Station Ostfriesland (ÖNSOF) aktiv werden. Der Bau eines Weidezauns im April und Mai ebnete den Weg für eine nachhaltige Beweidung.

Da der NABU Woldenhof die Beweidung der Moorheide am Moormuseum auch weiterhin mit den Heidschnucken des Betriebes gewährleisten will, diese für Kontrollen und die Versorgung mit Wasser aber nur über die mit der Orchideenwiese verbundenen Leegmoor-Fläche erreichbar ist, entschloss sich der NABU-Woldenhof ab Mitte Mai schließlich, auch die Beweidung mit zwei Jungrindern selbst zu gewährleisten. Die genügsamen Tiere helfen durch ihr Fressverhalten dabei, konkurrenzstarke Pflanzen zurückzudrängen und so Platz für die Orchideen zu schaffen.

Begleitung der Orchideenwiese

Die ÖNSOF wird die Entwicklung der Orchideenwiese auch weiterhin begleiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich der Bestand des Knabenkrauts unter den neuen Bedingungen entwickelt.

Zusätzlich sollen im kommenden Winter weitere Optimierungen an der Weidezauntrasse vorgenommen werden – Maßnahmen, die im Frühjahr aus Rücksicht auf brütende Vögel nicht mehr möglich waren.

Auch die Ausbreitung der Flatterbinsen wird gezielt bekämpft. Ziel ist es, die Artenvielfalt auf der Wiese langfristig zu sichern – nicht nur für die Orchideen, sondern auch für viele weitere bedrohte Arten, die solche offenen, nährstoffarmen Lebensräume brauchen.

Hintergrund: Warum Orchideen Wiesenpflege brauchen

Viele heimische Orchideenarten, darunter auch das Breitblättrige Knabenkraut, sind sogenannte „Kulturfolger“. Sie benötigen halboffene, regelmäßig genutzte Wiesen, wie sie früher durch traditionelle Landwirtschaft entstanden. Ohne Mahd oder Beweidung verfilzen diese Flächen, Gehölze dringen ein – und die konkurrenzschwachen Orchideen verschwinden. Aktive Pflegemaßnahmen sind daher unerlässlich für ihren Erhalt.

Praktischer Naturschutz vor Ort

Die Wiederaufnahme der Beweidung in der Orchideenwiese im Victorburer Moor zeigt eindrucksvoll, wie wichtig praktische Naturschutzarbeit vor Ort ist. Sie lebt vom Engagement und der Zusammenarbeit zwischen den Ökologischen Stationen, Behörden und landwirtschaftlichen Betrieben.

Wiederherstellung artenreicher Offenlandlebensräume am Liethberg bei Unsen

Extensive Beweidung: Pflegemaßnahmen im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“

Dank enger Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz werden die sonnigen Steilhänge am Liethberg bei Unsen nun nach mehreren Jahren wieder extensiv beweidet. Auf dem brachgefallenen Hang hatten sich dichte Schlehengebüsche auf dem ehemals artenreichen Grünland im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“ ausgebreitet. Nachdem die Fläche Anfang 2024 durch die Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW) im Rahmen der Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten von Gebüschen befreit wurde, grasen seit Kurzem wieder Weidetiere auf dem Liethberg.

Der erste Weideauftrieb

Am Freitag, den 13. Juni 2025, erfolgte der erste Weideauftrieb: Eine kleine Herde aus Schafen und Ziegen übernimmt nun die nachhaltige Pflege der Fläche. Bei den robusten und anpassungsfähigen Shropshire-Schafen handelt es sich um eine alte Haustierrasse aus England, die sich besonders für extensive Beweidungsprojekte eignet. Doch auch die Ziegen leisten auf dem steilen Gelände einen wichtigen Beitrag: Durch ihre Vorliebe für Gehölze tragen sie gezielt zur Eindämmung junger Strauchaufwüchse bei und verhindern so eine erneute Verbuschung. Die Tiere werden von Landschaftspfleger Moritz Rahlfs (Ökologische Landschaftspflege Weserbergland) aus Brullsen betreut, der nach dem Auftrieb mit seiner Partnerin Meike Kohzer und Hütehund Claus-Dieter zufrieden beobachtet, wie die Weidetiere ihre neue Umgebung zunächst aufmerksam erkunden und sich anschließend zügig über das frische Gras hermachen.

Die Beweidung erfolgt in den nächsten Monaten auf fünf Parzellen, die im Wechsel genutzt werden, um eine gleichmäßige und schonende Nutzung sicherzustellen.

Schafe laufen vom Hänger: Die robusten Shropshire-Schafe verlassen neugierig den Transportanhänger und betreten ihr neues Weideareal im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“.
Auch dornige Rosensträucher bleiben von den Ziegen nicht verschont.

Lebensraum schützen durch extensive Beweidung

Steilhanglagen mit extensiv genutzten, artenreichen Grünlandflächen sind vielerorts von Nutzungsaufgabe betroffen. Der Rückgang traditioneller Bewirtschaftungsformen führt dazu, dass ehemals offene Flächen zunehmend von Gehölzen überwachsen werden. Dadurch gehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten verloren.

Um diesem Prozess entgegenzuwirken, plant und begleitet die Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW) gezielte Pflegemaßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung des Offenlandcharakters. Dabei gilt extensive Beweidung als naturschutzfachlich besonders wertvolles Pflegeinstrument. Sie fördert die Strukturvielfalt, erhält offene Bodenstellen sowie lückige Vegetation und schafft damit Lebensraum für spezialisierte Pflanzenarten und Insekten. Im Gegensatz zur intensiven Landwirtschaft erfolgt die Nutzung mit geringer Besatzdichte und ohne Düngung, was eine Förderung standorttypischer, konkurrenzschwacher Arten ermöglicht.

Extensive Beweidung nur mit Hilfe aller Akteur*innen

Die Umsetzung des Projekts erforderte im Vorfeld eine enge Abstimmung zwischen verschiedenen Akteur*innen. Erst durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Realverband Groß Hilligsfeld als Flächeneigentümer, der neben der Bereitstellung der Fläche auch den Bau einer Zuwegung ermöglichte, sowie mit der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hameln, die die Maßnahme finanziell unterstützt, konnte die extensive Beweidung realisiert werden.

Schafe laufen vom Hänger: Die robusten Shropshire-Schafe verlassen neugierig den Transportanhänger und betreten ihr neues Weideareal im FFH-Gebiet „Hamel und Nebenbäche“.
Landschaftspfleger Moritz Rahlfs und seine Partnerin Meike Kohzer betreuen die kleine Herde, die künftig für die naturschutzgerechte Pflege der Grünlandflächen sorgt.

„Projekte wie dieses zeigen eindrucksvoll, wie wichtig eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ist“, erklärt Lisa-Marie Hille, Projektleiterin bei der Ökologischen NABU-Station Oberes Wesertal. „Nur gemeinsam können wir die Erhaltung unserer Kulturlandschaften ermöglichen und artenreiche Lebensräume wie das Grünland am Liethberg langfristig bewahren.“

Die ÖNSOW dankt allen Beteiligten für ihr Engagement und freut sich über die Rückkehr der Weidetiere auf den Liethberg – ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaften und der Biodiversität im Weserbergland. Über die Aufgaben und weiteren Projekte Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal können Interessierte sich auf der Website www.oensow.de informieren.

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