Den Röhrichtschwund am Dümmer umkehren

Seit rund 15 Jahren führt die Ökologische Station Naturschutzring Dümmer e.V. Maßnahmen zum Schutz und zur Neuentwicklung von Röhrichten am Dümmer durch. Ziel ist es, den Rückgang der Röhrichtflächen zu stoppen und die Entwicklung dieser wichtigen Uferlebensräume wieder zu fördern.

Röhrichtschutzmaßnahmen am Dümmer. Foto: Vernetzungsstelle

Nach mehreren Pilotprojekten setzt der Naturschutzring die erprobten Methoden zum Schutz von Röhrichten inzwischen in größerem Maßstab am Dümmer ein. Unterstützt wird die Umsetzung durch verschiedene Partner*innen und Förder*innen, darunter das Land Niedersachsen, der Global Nature Fund, die Deutsche Postcode Lotterie und die Europäische Union, aktuell über das internationale Projekt EuroLakes, in dem der Dümmer einer von drei Projektseen in Europa ist.

Röhrichtzonen prägen viele naturnahe Uferbereiche am Dümmer. Doch an mehreren Stellen stehen diese sensiblen Lebensräume unter Druck. Besonders am Süd-, West- und Ostufer sind die Bestände gefährdet.

Eine wichtige Rolle bei den Schutzmaßnahmen spielen Gabionengitter. Das sind stabile Metallgitter, die flexibel eingesetzt und an die Bedingungen vor Ort angepasst werden können.

Warum Röhricht am Dümmer so wichtig ist

Röhricht ist ein wichtiger Übergangsbereich zwischen Wasser und Land. Es bietet vielen Vogel-, Fisch- und Insektenarten Lebensraum, schützt die Ufer vor Abtragung und hilft dabei, Flachwasserbereiche und Verlandungszonen zu stabilisieren.

Wenn Röhrichtflächen zurückgehen, verlieren viele Arten wichtige Rückzugs-, Brut- und Nahrungsräume.

Stark geschädigte Röhrichtzone im Süden des Sees. Foto: ÖS-NARI

Süd- und Westufer: Bestehende Röhrichte schützen

Am Süd- und Westufer des Dümmers sind vor allem bestehende Röhricht- und Verlandungsbereiche gefährdet. Ein großes Problem sind Fraßschäden durch Nutria und Bisam. Beide Arten sind sogenannte Neozoen. Das bedeutet: Sie sind ursprünglich nicht heimisch, kommen heute aber in der Region vor.

Bestehende Röhrichtbestände am Ufer des Dümmers Foto: Vernetzungsstelle

Fraßspuren durch Nutria und Bisam im Verlandungsbereich. Besonders junge Pflanzenteile und Wurzeln werden geschädigt. Foto: Vernetzungsstelle

Nutria und Bisam fressen Wurzeln und junge Pflanzenteile der Ufervegetation. Dadurch können Röhrichtbestände stark geschädigt werden. Besonders betroffen sind die Niedermoorbereiche am Süd- und Westufer des Sees. Dort ist der Rückgang der Röhricht- und Verlandungszonen bereits deutlich sichtbar.

Nutria: Aufnahmen von Wildkameras dokumentieren, wie Röhrichtbestände abgefressen und Vegetationskegel ausgegraben werden. Video: ÖS-NARI

Um die Pflanzen zu schützen, werden Gabionengitter entlang der Wasserkante aufgebaut. Sie funktionieren ähnlich wie Zaunelemente. Die Gitter schließen schmale Uferbereiche ein. Innerhalb dieser geschützten Flächen können junge Röhrichtpflanzen besser aufwachsen.

Die Gabionengitter haben mehrere Vorteile:

  • Sie sind stabil und langlebig.
  • Sie können an verschiedene Uferbereiche angepasst werden.
  • Sie lassen sich bei Bedarf erweitern oder umbauen.
  • Sie schützen junge Pflanzen vor Fraß.

So sollen geschädigte Röhrichtbereiche langfristig stabilisiert und wieder gestärkt werden.

Ostufer bei Eickhöpen: Neue Röhrichtflächen entwickeln

Am Ostufer des Dümmers bei Eickhöpen geht es nicht nur um den Schutz vorhandener Pflanzen. Dort sollen auch neue Röhrichtflächen entstehen. Die Bedingungen am Ostufer sind besonders anspruchsvoll. Wind, Wellengang und Eisgang wirken stark auf die Uferbereiche ein. Deshalb müssen die Schutzmaßnahmen dort besonders robust sein.

Auch hier kommen Gabionengitter zum Einsatz. Sie werden vor dem Ufer im Wasser platziert und mit geeigneten Pflanzen bestückt. Verwendet werden Arten, die gut mit Wellengang und Wind zurechtkommen.

Dazu gehören zum Beispiel:

Diese Arten waren früher am Dümmer häufiger vertreten. Sie sind gut an die Bedingungen am Ostufer angepasst.

Seebinsen und Schmalblättriger Rohrkolben breiten sich in geschützten Bereichen aus. Foto: ÖS-NARI

Wie Gabionengitter die Entwicklung unterstützen

Die Gabionengitter schützen die jungen Pflanzen zunächst vor Tierfraß. Gleichzeitig helfen sie dabei, Sand im Wasser zurückzuhalten. Um die Gitterstäbe entstehen kleine Strömungsveränderungen. Dadurch kann sich Sand am Gewässerboden absetzen. Wenn die Pflanzen anwachsen, verstärken sie diesen Prozess. Mit ihren Wurzelausläufern können sie sich nach und nach weiter ausbreiten.

So entstehen Schritt für Schritt neue Röhrichtbereiche.

Uferbereich mit Gabionengittern und vorgelagerten Pfostenreihen zum Schutz vor Eisgang und Treibgut. Foto: Vernetzungsstelle

Schutz vor Eisgang und Treibgut

Am Ostufer müssen die Gabionengitter zusätzlich geschützt werden. Denn Eisgang und treibende Gegenstände können die Gitter beschädigen.

Deshalb werden vor den Gitterelementen Pfostenreihen aufgebaut. Diese wirken wie eine Schutzlinie. Sie bremsen Eis und angeschwemmtes Material ab, bevor es die Gabionengitter erreicht.

Die Pfosten können unterschiedlich angeordnet werden:

  • als durchgehende Palisadenreihe
  • oder als locker gesetzte Pfostenreihe

Welche Variante eingesetzt wird, hängt von den Bedingungen vor Ort ab.

Ein gemeinsames Ziel: Röhrichtschwund umkehren

Die Maßnahmen zeigen: Röhrichtschutz muss an den jeweiligen Standort angepasst werden.

An einigen Uferbereichen steht der Schutz vorhandener Röhricht- und Verlandungsbereiche im Vordergrund. Dort geht es vor allem darum, Fraßschäden durch Nutria und Bisam zu reduzieren.

In anderern Uferpartien liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Röhrichtflächen. Dort müssen die Pflanzen neben dem Fraßdruck zusätzlich mit Wind, Wellen und Eisgang zurechtkommen.

Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel: Der Röhrichtschwund am Dümmer soll gestoppt und möglichst umgekehrt werden. Davon profitieren viele Tierarten und der See als Lebensraum insgesamt.

Das Projekt zeigt, wie gezielte und langfristige Schutzmaßnahmen helfen können, empfindliche Uferlebensräume dauerhaft zu sichern.

21. Mai: Natura 2000 Tag

Natura 2000 Tag: Europas Natur gemeinsam schützen

Am 21. Mai wird der europäische Natura 2000 Tag gefeiert. Er macht auf eines der wichtigsten Instrumente für den Naturschutz in Europa aufmerksam: das Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Der Aktionstag wurde von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, dem Ausschuss der Regionen und der damaligen maltesischen EU-Ratspräsidentschaft gemeinsam ins Leben gerufen. Seitdem wird jedes Jahr mit Veranstaltungen und Netzwerkaktivitäten auf die Bedeutung dieses europaweiten Schutzsystems hingewiesen.

Doch was ist Natura 2000 eigentlich?

Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Grundlage sind die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die EU-Vogelschutzrichtlinie.

Breites Moor. Foto: Christopher Mollmann

Heute umfasst das Netzwerk:

  • über 27.000 Schutzgebiete
  • rund 18 % der Landfläche der EU
  • mehr als 6 % der Meeresgebiete


Damit ist Natura 2000 das größte koordinierte Schutzgebietsnetz der Welt und ein zentrales Beispiel für europäische Zusammenarbeit im Naturschutz.

Werde Teil des Natura 2000 Bioblitz

Rund um den Natura 2000 Tag findet europaweit der sogenannte Bioblitz statt, eine Mitmach-Aktion, bei der möglichst viele Arten in kurzer Zeit dokumentiert werden.

Alle können teilnehmen: ob im Garten, im Wald oder im Schutzgebiet. So funktioniert’s:

  • Geh raus in die Natur – ob Garten, Park oder Schutzgebiet
  • Fotografiere Pflanzen, Tiere oder Pilze
  • Lade deine Beobachtungen auf Observation.org hoch
  • Nutze die App ObsIdentify zur Bestimmung der Arten

Alle Beobachtungen werden automatisch erfasst und tragen zum europaweiten Natura 2000 Bioblitz bei.

Der Bioblitz ist eine einfache Möglichkeit, Natur vor der eigenen Haustür zu entdecken und gleichzeitig wertvolle Daten für den Naturschutz zu liefern.

Natura 2000 zeigt Wirkung

Einige Arten wie Biber, Kranich oder Seeadler konnten sich durch den EU-weiten Schutz erholen. Auch Lebensräume wie Moore oder Heidelandschaften stehen heute unter besonderem Schutz.

Erfolge mit Herausforderungen

Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehen weiterhin Herausforderungen. Lebensräume stehen unter Veränderungsdruck, und einige Artengruppen zeigen weiterhin rückläufige Bestandsentwicklungen. Davon betroffen sind auch bestimmte Wiesenvogelarten. Ein Beispiel ist die stark gefährdete Uferschnepfe, deren Bestände in Niedersachsen seit Jahren zurückgehen.

Uferschnepfe. Foto: Tobias Pelz

Naturschutz braucht Umsetzung vor Ort

Die Ökologischen Stationen in Niedersachsen leisten einen zentralen Beitrag zum Naturschutz vor Ort.
Sie betreuen Schutzgebiete, setzen Maßnahmen um und begleiten die Entwicklung von Arten und Lebensräumen. Dabei arbeiten sie eng mit Landnutzenden, Behörden und weiteren Akteur*innen zusammen.

Diese kontinuierliche Arbeit ist entscheidend dafür, dass Schutzmaßnahmen wirksam werden und langfristig erhalten bleiben. Natura 2000 entfaltet seine Wirkung nicht allein durch die Ausweisung von Schutzgebieten, sondern vor allem durch die konkrete Umsetzung in den Gebieten selbst. Dazu gehören unter anderem die Pflege und Entwicklung von Lebensräumen, das Erfassen von Artenvorkommen sowie die Abstimmung vor Ort.

Feldhamstersuche. Foto: Uwe Mestemacher

Arbeit in den Natura 2000-Gebieten

Die Ökologischen Stationen in Niedersachsen setzen Maßnahmen in Natura 2000- und weiteren Naturschutzgebieten vor Ort um.

Gemeinsam für Natur und Gewässer: ÖNSOL und ÖKOL im Fokus

Wie entsteht Naturschutz vor Ort?

Im Oldenburger Land arbeiten unterschiedliche Akteur*innen mit eigenen Schwerpunkten daran, Arten, Lebensräume und Gewässer zu schützen. Zwei davon sind die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) und das Ökologische Kompetenzzentrum Oldenburger Land (ÖKOL).

Beide verfolgen dasselbe Ziel, den Schutz von Arten, Lebensräumen und Gewässern, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Gerade diese Ergänzung macht ihre Kooperation besonders wirkungsvoll.

Die ÖNSOL: Schutzgebiete im Fokus

Die ÖNSOL ist eine von mehreren Ökologischen NABU-Stationen in Niedersachsen, die im Rahmen des Niedersächsischen Wegs entstanden sind. Ihr Auftrag ist klar definiert: die naturschutzfachliche Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten und ausgewählten Arten in den Landkreisen Oldenburg und Ammerland sowie in den Städten Oldenburg und Delmenhorst.

Team der Ökologischen NABU-Station Oldenburger Land. Foto: ÖNSOL

Zu ihren Kernaufgaben gehören:

  • Beobachtung und Erfassung von Arten und Lebensräumen
  • Planung und Begleitung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Beratung lokaler Akteur*innen
  • Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern

Der Schwerpunkt liegt auf der konkreten Umsetzung, direkt in den Schutzgebieten, in enger Zusammenarbeit mit den Behörden, lokalen Akteur*innen und Ehrenamtlichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben sowie den Unteren Naturschutzbehörden, mit denen entsprechende Kooperationsvereinbarungen bestehen.

Das ÖKOL: Netzwerk und Praxis im Offenland

Das ÖKOL ist eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft (gUG), die sich dem Natur-, Arten- und Gewässerschutz im Oldenburger Raum sowie in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg widmet.

In der gUG haben sich das Ökologische Kompetenzzentrum Ammerland Oldenburg e. V. (ÖKAO) und die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. zusammengeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam mit land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie weiteren Institutionen in der Fläche wirksamen Naturschutz umzusetzen.

Im Fokus stehen insbesondere:

  • Schutzmaßnahmen im Offenland
  • Arbeit in Pufferzonen von FFH- und Naturschutzgebieten
  • Feldvogel-, Insekten- und Grünlandschutz
  • Biotopverbund und Neophytenmanagement

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen in der Offenlandschaft, also auch außerhalb von Schutzgebieten. Damit ergänzt das ÖKOL die Arbeit der Ökologische NABU-Station Oldenburger Land.

Als Kompetenzzentrum mit starkem Netzwerkcharakter vernetzt das ÖKOL unterschiedliche Akteur*innen und unterstützt die gemeinsame Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.

Ein konkretes Beispiel: Die Delme und das Problem der Verockerung

Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigt ein gemeinsames Pilotprojekt an der Delme.

In der Delme und ihren Zuflüssen führt Eisenocker, ein rötlich-brauner Eisenoxid-Belag, zu erheblichen Belastungen für das Gewässerökosystem. Besonders empfindliche Arten wie Fische oder die geschützte Bachmuschel reagieren sensibel auf diese Veränderungen.

Bachmuschel. Foto: A. Hoffmann

Um dem entgegenzuwirken, haben die ÖNSOL und das ÖKOL in Kooperation mit dem Ochtumverband das Projekt gestartet: In Ganderkesee wurden auf einem an die Delme angrenzenden Acker gesteuerte Dränagen mit speziellen Bypass-Vorsätzen eingesetzt. Ziel des Projekts ist es, Wasser länger in der Fläche zu halten und so die Verockerung sowie den Eintrag von Eisen in die Delme zu reduzieren. Das Projekt wird von einem Masterstudierenden wissenschaftlich begleitet.

Das Prinzip

Das Bodenwasser wird länger auf der Fläche gehalten, wodurch anaerobe Bedingungen (sauerstoffarme Verhältnisse im Boden, in denen bestimmte chemische Prozesse anders ablaufen) entstehen. Dadurch wird die Oxidation von Eisen reduziert und weniger Eisen gelangt ins Gewässer. Gleichzeitig bleibt der Wasserstand steuerbar, sodass landwirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden können.

Hier zeigt sich, wie Naturschutz, Wissenschaft und landwirtschaftliche Praxis ineinandergreifen können.

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Einbau Drainage. Foto: Nils Rudolf

Kooperation als Schlüssel

Die ÖNSOL und das ÖKOL bringen unterschiedliche Kompetenzen ein: Schutzgebietsbetreuung, Netzwerkstruktur, Praxisnähe zur Landwirtschaft und fachliche Spezialisierung. In der Zusammenarbeit ergänzen sich diese Profile.

Kooperationstreffen im Rahmen des Drainageprojekts. Foto: Nicole Feige

Das Projekt an der Delme steht exemplarisch für einen Ansatz, der im Naturschutz zunehmend an Bedeutung gewinnt: fachlich fundiert, praxisnah, kooperativ und lösungsorientiert.

Wirksamer Naturschutz entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden, und genau das leisten die ÖNSOL und das ÖKOL im Oldenburger Land.

Auen im Wandel: Wie sich neue Lebensräume aus der Luft und am Boden zeigen.

Monitoring von Auenrenaturierungsmaßnahmen

Flussauen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Damit sie diese Vielfalt entfalten können, brauchen sie Platz, Wasser und Dynamik. In den letzten Jahren wurden am Röbbelbach der Ilmenau sowie an der Neetze Maßnahmen umgesetzt, um genau diese Bedingungen wiederherzustellen.

Die Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze begleitet diese Flächen seitdem mit einem kontinuierlichen Monitoring.

Auenentwicklung am Röbbelbach (2023), in Emmendorf (2024) und an der Neetze (2024)

Im September 2023 wurden gemeinsam mit der Gewässerallianz Ilmenau im Mündungsbereich des Röbbelbachs in die Ilmenau südlich von Bad Bevensen Maßnahmen zur Verbesserung der Flussaue umgesetzt. Dazu wurden die Ufer abgeflacht, kleine Blänken angelegt und ein abwechslungsreiches Oberflächenrelief geschaffen. So entstanden unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum.

Die Blänken werden bei Hochwasser geflutet und bleiben bei niedrigem Wasserstand als kleine Stillgewässer erhalten. Dadurch wird Wasser zurückgehalten und es entstehen wichtige Lebensräume für Amphibien und Libellen.

Ein Jahr später wurden zwei weitere Maßnahme in Emmendorf an der Ilmenau und bei Lüdershausen an der Neetze durchgeführt. Auch hier wurde bewusst auf Strukturen gesetzt, die Hochwasser zulassen und natürliche Prozesse fördern. Mal wurde Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenfluren ausgebracht und mal auf die noch im Boden vorhandenen Samen gesetzt.

Aussat von Regiosaatgut Ende September 2023. Foto: Ökostation Ilmenau

Einsatz vom Langarm-Bagger zur Anlage von Blänken und Nebengerinne.  Foto: Ökostation Ilmenau

Nach der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen im Jahr 2023 sowie in Emmendorf und an der Neetze im Jahr 2024 begleitet die Ökologische Station Ilmenau die Entwicklung der neu geschaffenen Sekundärauen und Blänken durch ein kontinuierliches Monitoring.

Ziel ist es, die ökologische Entwicklung dieser Flächen langfristig zu dokumentieren und besser zu verstehen, wie sich Lebensräume nach Eingriffen wieder eigenständig entwickeln.

Botanisches Monitoring mit spannenden Überraschungen

Auf beiden Flächen wurde eine Einsaat mit Regio-Saatgut für feuchte Hochstaudenfluren durchgeführt. Im Rahmen des Monitorings erfolgen regelmäßige botanische Erfassungen, die mit den eingesäten Artenlisten abgeglichen werden.

Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenflur. Foto: Ökostation Ilmenau

Dabei zeigt sich immer wieder, wie dynamisch Flussauen sind: Neben den gezielt eingebrachten Arten tauchen auch Pflanzen auf, die nicht Teil der Saatgutmischungen waren. Ein Beispiel ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus). Ihre Keimung verdeutlicht die große Bedeutung der Samenbank im Boden. Werden Rohbodenbereiche geschaffen oder kommt es bei Hochwasser zur Freispülung von Uferzonen, können dort Samen keimen, die teils über Jahre im Boden überdauert haben.

Dokumentation aus der Luft – Monitoring mit Drohnen

Drohne der Ökostation Ilmenau. Foto: Ökostation Ilmenau

Ergänzend zur botanischen Erfassung setzt die Ökologische Station seit 2025 auch Drohnen zur Dokumentation der Maßnahmen ein. Moderne Drohnen ermöglichen es, feste Flugrouten zu speichern und exakt definierte Fotopunkte anzufliegen. So entstehen bei jeder Befliegung Aufnahmen aus identischen Perspektiven.

Diese systematische Vorgehensweise erlaubt es, Veränderungen über Jahre hinweg sichtbar zu machen. Langfristig können die Bildreihen verglichen werden. Auf diese Weise entsteht eine wertvolle Zeitreihe, die die Sukzession einzelner Bereiche detailliert dokumentiert.

Drohnenaufnahme der Fläche in Emmendorf. Foto: Ökostation Ilmenau

Artenreicher Blühaspekt

Zwei Jahre nach der Maßnahmenumsetzung zeigt sich am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen bereits ein deutlicher Erfolg: In der feuchten Hochstaudenflur hat sich ein artenreicher Blühaspekt entwickelt, unter anderem mit großflächig blühendem Blutweiderich (Lythrum salicaria).

Der hohe Blütenreichtum zieht zahlreiche Bestäuber-Insekten an. Auch die neu geschaffenen Strukturen finden ihre Nutzer. Bereits kurz nach den Maßnahmen konnte außerdem ein Zwergsäger (Mergellus albellus), ein Überwinterungsgast an der Ilmenau, in den neu angelegten Gewässern beobachtet werden.

Blühaspekt am Röbbelbach / Ilmenau mit Blutweiderich. Foto: Ökostation Ilmenau

Ausblick: Monitoring geht weiter

Die Entwicklungen der Flächen am Röbbelbach, in Emmendorf und an der Neetze werden auch in den kommenden Jahren weiter begleitet. Für 2026 ist am Röbbelbach eine gezielte Schmetterlingserfassung geplant, an der Neetze sollen die Libellen näher untersucht werden.

Das Monitoring zeigt, wie schnell und vielfältig sich Flussauen entwickeln können, wenn sie ausreichend Raum bekommen. Die Kombination aus botanischen Erfassungen und Drohnenaufnahmen liefert dabei wichtige Erkenntnisse für die Bewertung und Weiterentwicklung von Renaturierungsmaßnahmen.

Winterzeit in den Ökologischen Stationen

Wenn draußen Frost, Stille und klare Winterluft einkehren, bedeutet das für die Stationen keineswegs Ruhepause. Auch wenn die Landschaft in Weiß, Braun und Grau getaucht ist, laufen viele wichtige Arbeiten weiter, teils drinnen, teils draußen, immer mit Blick auf die kommende Saison.

Unsere kleine Wintergalerie zeigt nur einen kleinen Einblick in das, was hinter den Kulissen passiert


Biotoppflege & Landschaftspflege

Viele Stationen pflegen Schutzgebiete, Moor- und Heideflächen, Feuchtwiesen, Hecken etc. Das kann z. B. Gehölzschnitt, Entfernen von unerwünschtem Bewuchs oder Offenlandpflege umfassen, gerade im Winter, wenn Vegetation ruht und Maschinen / Pflegemaßnahmen weniger stören.

Moorpflege durch Entkusselung in der Hannoverschen Moorgeest. Foto: Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM)

Entkusselungsarbeiten in der Hannoverschen Moorgeest: Junge Birken und Kiefern werden entfernt, damit das Hochmoor erhalten bleibt.

Moorpflegeeinsatz: Durch Entkusselung wird das Moor stabilisiert und langfristiger Natur- und Klimaschutz gesichert.

Moorpflegeeinsatz. Foto: BUND Diepholzer Moorniederung

Vorbereitung auf kommende Saison

Der Winter bietet Zeit für Planung, Konzeptentwicklung und erste Maßnahmen im Gelände. Dazu gehören auch Arbeiten an Amphibiengewässern, wie das Anlegen und Optimieren von Reproduktionsgewässern für geschützte Arten.

Bau eines Reproduktionsgewässers im FFH-Gebiet Rinderweide: Ein Bagger modelliert das neue Amphibiengewässer, Erdmaterial wird bewegt und die Geländeform vorbereitet.

Ein Bagger formt ein neues Gewässer im FFH-Gebiet Rinderweide. Foto: Lisa-Marie Hille, Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW).

Frisch ausgehobenes Amphibiengewässer: Foto: Mirjam Nadjafzadeh, ÖNSOW

Pflegearbeiten an Amphibienteichen: Ein Bagger entschlammt und entfernt Gehölze, Ufer werden abgeflacht, und das Material wird mit einer kleinen Raupe abtransportiert.

Das Erdreich wird bewegt, Wasser sammelt sich bereits in der neuen Vertiefung, Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW).

Die Baggerarbeiten werden durchgängig begleitet und vor Ort am Gewässerrand unterstützt. Foto: Mirjam Nadjafzadeh, ÖNSOW

Maschineneinsatz im Feuchtgebiet. Foto: Ökologische Station Aller-Böhme (ÖSAB)

Arbeiten im Feuchtgebiet: Vegetationsmaterial wird aufgenommen und abtransportiert, um anschließend weitere Naturschutzmaßnahmen durchführen zu können.

Brutfloß überwintert an Land

Im Winter werden auch Pflege- und Schutzmaßnahmen an Brutinseln vorbereitet. Damit die Nisthilfen im Frühjahr in gutem Zustand sind, holen die Mitarbeitenden das Brutfloß in der kalten Jahreszeit an Land und schützen es vor Verschmutzung und Beschädigung durch überwinternde Wasservögel.

Mitarbeiter des Kieswerks bergen das Brutfloß aus dem Abbaugewässer. Foto: Jessica Schrader, Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD)

Brutfloß überwintert an Land. Foto: Jessica Schrader, NUVD

Erhalt und Entwicklung der Hochmoore

Das Foto zeigt Dammbaumaßnahmen aus einem früheren Projektjahr. Solche Arbeiten stabilisieren den Wasserhaushalt im Hochmoor und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Wiedervernässung und Entwicklung der Moorflächen.

Baggerarbeiten im Hochmoor. Foto: Ökologische Station Cuxland (ÖSCUX)

Ruhe & Regeneration der Natur

Der Winter bringt eine besondere Ruhe in die Landschaft. Spuren im Schnee, stille Gewässer, klare Lichtstimmungen und frostige Moor- und Heideflächen zeigen, wie die Natur in dieser Zeit neue Kräfte sammelt. Es ist eine Phase der Regeneration, bevor im Frühjahr wieder Bewegung in die Lebensräume zurückkehrt.

Ostufer-Winter. Foto: Eva Luers ÖSSM

Auf der Spur der Krebsschere – Hilfe für eine seltene Libelle

Die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) bittet Bürger*innen in ihrem gesamten Betreuungsgebiet – also in der Stadt Delmenhorst, im Landkreis Ammerland, im Landkreis Oldenburg und in der Stadt Oldenburg – um Mithilfe bei einer besonderen Aktion. Gesucht wird die Wasserpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) – eine auffällige und unverzichtbare Partnerin für eine stark bedrohte Libellenart: die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis). Durch die enge Zusammenarbeit mit der Ökologischen NABU-Station Leer (ÖNSL) ist zudem auch der Landkreis Leer in die Suche eingebunden.

Krebsschere. Foto: NABU Schleswig-Holstein.

Grüne Mosaikjungfer. Foto: NABU/Dr. Christoph Moning

Warum ist die Pflanze so wichtig?

Die Grüne Mosaikjungfer legt ihre Eier fast ausschließlich in die Krebsschere ab. Ohne diese Pflanze fehlt ihr der notwendige Lebensraum zur Fortpflanzung. Während die Krebsschere an einigen Standorten in Niedersachsen noch vorkommt, ist sie vielerorts verschwunden – und mit ihr die seltene Libelle.

Biotopverbund in Planung

Damit die Grüne Mosaikjungfer auch langfristig überleben kann, braucht sie ein Netz an geeigneten Lebensräumen. Momentan liegen die bekannten Krebsscheren-Bestände zwischen Bremen und Leer jedoch so weit auseinander, dass sich die Libellen nicht von einem zum anderen ausbreiten können.

Deshalb bereiten die ÖNSOL und die ÖNSL einen gemeinsamen Projektantrag vor, um einen Biotopverbund (also ein zusammenhängendes Netzwerk von Lebensräumen) zu schaffen. Dafür sollen Gewässer wie Trittsteine (kleinere Lebensräume, die wie Zwischenstationen dienen) in der Landschaft verteilt werden. So können die Libellen von einem Brutplatz zum nächsten wandern und stabile Bestände aufbauen.

Die geplanten Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den Behörden. Wichtig ist: Es geht nicht darum, Krebsscheren eigenständig einzupflanzen – das birgt Risiken und kann der heimischen Flora schaden. Entscheidend sind die Pflege bestehender Bestände, die Schaffung geeigneter Standorte, der Schutz offener Gewässer und die Meldung größerer Vorkommen, um neue Lebensräume zu dokumentieren.

Potentielle Maßnahmenflächen. Foto: Nicole Feige

Gemeinsame Suche mit der Bevölkerung

Weil die Libelle selbst schwer zu beobachten ist, konzentriert sich die Suche auf ihre „Wirtspflanze“. Bürger*innen werden gebeten, an Gräben, Teichen oder Stillgewässern die Augen offenzuhalten: Krebsscheren bilden auffällige, rosettenartige Blätter, die wie Krebsscheren aus dem Wasser ragen. Wer fündig wird, kann entscheidend zum Schutz der Grünen Mosaikjungfer beitragen.


Ab wann eine Meldung wichtig ist

Damit die Grüne Mosaikjungfer geeignete Bedingungen zur Eiablage findet, braucht es größere Bestände der Krebsschere. Einzelne Pflanzen in einem kleinen Gartenteich helfen der Art nicht weiter – solche Meldungen sind daher nicht relevant. Entscheidend sind Flächen von mindestens 5 Quadratmetern, besser noch mehr, damit stabile Lebensräume entstehen können.

Krebsschere in der Unteren Havel bei Mögelin. Foto: NABU /Klemens Karkow

Nach dieser Pflanze wird gesucht: die Krebsschere, Lebensraum der Grünen Mosaikjungfer. Foto: Nicole Feige

Krebsschere (Stratiotes aloides) – Erkennungsmerkmale und Lebensweise

  • Blätter: Schwertförmig, bis zu 40 cm lang und ca. 3 cm breit, in einer dichten Rosette angeordnet.
  • Ränder: fein gezähnt und nach vorne gerichtet – erinnern an die Scheren eines Krebses (Namensgeber).
  • Wuchsform: bildet trichterartige Rosetten, die wie kleine „Pflanzeninseln“ im Wasser wirken.
  • Lebensweise: den Großteil des Jahres untergetaucht, steigt im Frühling mit zunehmender Wärme an die Oberfläche.
  • Blüte: von Mai bis August können weiße, dreizählige Blüten erscheinen – allerdings nur, wenn sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen vorhanden sind.
  • Vermehrung: hauptsächlich vegetativ durch Ausläufer; Tochterrosetten bleiben lange mit der Mutterpflanze verbunden und können große Teppiche bilden.
  • Jahreszyklus: im Herbst sterben die äußeren Blätter ab, die Pflanze wird schwerer und sinkt auf den Grund, wo sie überwintert.
  • Lebensraum: bevorzugt nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer wie Altarme, Gräben und Teiche.

So kann jede*r mitmachen

Beim Spaziergang am Wasser, beim Radfahren durch die Landschaft oder einfach beim Beobachten am Teich – jede Sichtung der Krebsschere ist ein wichtiger Hinweis. Wer die Pflanze entdeckt, trägt dazu bei, den Lebensraum der seltenen Grünen Mosaikjungfer besser zu verstehen und zu schützen. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entsteht so ein wertvolles Gesamtbild, das entscheidend für den Artenschutz ist.

📸 Meldungen von Krebsscheren-Flächen ab 5 Quadratmetern – gerne mit Fotos und Fundortangaben – können direkt an die ÖNSOL geschickt werden.

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