Gemeinsam für Natur und Gewässer: ÖNSOL und ÖKOL im Fokus

Wie entsteht Naturschutz vor Ort?

Im Oldenburger Land arbeiten unterschiedliche Akteur*innen mit eigenen Schwerpunkten daran, Arten, Lebensräume und Gewässer zu schützen. Zwei davon sind die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) und das Ökologische Kompetenzzentrum Oldenburger Land (ÖKOL).

Beide verfolgen dasselbe Ziel, den Schutz von Arten, Lebensräumen und Gewässern, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Gerade diese Ergänzung macht ihre Kooperation besonders wirkungsvoll.

Die ÖNSOL: Schutzgebiete im Fokus

Die ÖNSOL ist eine von mehreren Ökologischen NABU-Stationen in Niedersachsen, die im Rahmen des Niedersächsischen Wegs entstanden sind. Ihr Auftrag ist klar definiert: die naturschutzfachliche Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten und ausgewählten Arten in den Landkreisen Oldenburg und Ammerland sowie in den Städten Oldenburg und Delmenhorst.

Team der Ökologischen NABU-Station Oldenburger Land. Foto: ÖNSOL

Zu ihren Kernaufgaben gehören:

  • Beobachtung und Erfassung von Arten und Lebensräumen
  • Planung und Begleitung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Beratung lokaler Akteur*innen
  • Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern

Der Schwerpunkt liegt auf der konkreten Umsetzung, direkt in den Schutzgebieten, in enger Zusammenarbeit mit den Behörden, lokalen Akteur*innen und Ehrenamtlichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben sowie den Unteren Naturschutzbehörden, mit denen entsprechende Kooperationsvereinbarungen bestehen.

Das ÖKOL: Netzwerk und Praxis im Offenland

Das ÖKOL ist eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft (gUG), die sich dem Natur-, Arten- und Gewässerschutz im Oldenburger Raum sowie in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg widmet.

In der gUG haben sich das Ökologische Kompetenzzentrum Ammerland Oldenburg e. V. (ÖKAO) und die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. zusammengeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam mit land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie weiteren Institutionen in der Fläche wirksamen Naturschutz umzusetzen.

Im Fokus stehen insbesondere:

  • Schutzmaßnahmen im Offenland
  • Arbeit in Pufferzonen von FFH- und Naturschutzgebieten
  • Feldvogel-, Insekten- und Grünlandschutz
  • Biotopverbund und Neophytenmanagement

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen in der Offenlandschaft, also auch außerhalb von Schutzgebieten. Damit ergänzt das ÖKOL die Arbeit der Ökologische NABU-Station Oldenburger Land.

Als Kompetenzzentrum mit starkem Netzwerkcharakter vernetzt das ÖKOL unterschiedliche Akteur*innen und unterstützt die gemeinsame Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.

Ein konkretes Beispiel: Die Delme und das Problem der Verockerung

Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigt ein gemeinsames Pilotprojekt an der Delme.

In der Delme und ihren Zuflüssen führt Eisenocker, ein rötlich-brauner Eisenoxid-Belag, zu erheblichen Belastungen für das Gewässerökosystem. Besonders empfindliche Arten wie Fische oder die geschützte Bachmuschel reagieren sensibel auf diese Veränderungen.

Bachmuschel. Foto: A. Hoffmann

Um dem entgegenzuwirken, haben die ÖNSOL und das ÖKOL in Kooperation mit dem Ochtumverband das Projekt gestartet: In Ganderkesee wurden auf einem an die Delme angrenzenden Acker gesteuerte Dränagen mit speziellen Bypass-Vorsätzen eingesetzt. Ziel des Projekts ist es, Wasser länger in der Fläche zu halten und so die Verockerung sowie den Eintrag von Eisen in die Delme zu reduzieren. Das Projekt wird von einem Masterstudierenden wissenschaftlich begleitet.

Das Prinzip

Das Bodenwasser wird länger auf der Fläche gehalten, wodurch anaerobe Bedingungen (sauerstoffarme Verhältnisse im Boden, in denen bestimmte chemische Prozesse anders ablaufen) entstehen. Dadurch wird die Oxidation von Eisen reduziert und weniger Eisen gelangt ins Gewässer. Gleichzeitig bleibt der Wasserstand steuerbar, sodass landwirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden können.

Hier zeigt sich, wie Naturschutz, Wissenschaft und landwirtschaftliche Praxis ineinandergreifen können.

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Einbau Drainage. Foto: Nils Rudolf

Kooperation als Schlüssel

Die ÖNSOL und das ÖKOL bringen unterschiedliche Kompetenzen ein: Schutzgebietsbetreuung, Netzwerkstruktur, Praxisnähe zur Landwirtschaft und fachliche Spezialisierung. In der Zusammenarbeit ergänzen sich diese Profile.

Kooperationstreffen im Rahmen des Drainageprojekts. Foto: Nicole Feige

Das Projekt an der Delme steht exemplarisch für einen Ansatz, der im Naturschutz zunehmend an Bedeutung gewinnt: fachlich fundiert, praxisnah, kooperativ und lösungsorientiert.

Wirksamer Naturschutz entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden, und genau das leisten die ÖNSOL und das ÖKOL im Oldenburger Land.

Auen im Wandel: Wie sich neue Lebensräume aus der Luft und am Boden zeigen.

Monitoring von Auenrenaturierungsmaßnahmen

Flussauen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Damit sie diese Vielfalt entfalten können, brauchen sie Platz, Wasser und Dynamik. In den letzten Jahren wurden am Röbbelbach der Ilmenau sowie an der Neetze Maßnahmen umgesetzt, um genau diese Bedingungen wiederherzustellen.

Die Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze begleitet diese Flächen seitdem mit einem kontinuierlichen Monitoring.

Auenentwicklung am Röbbelbach (2023), in Emmendorf (2024) und an der Neetze (2024)

Im September 2023 wurden gemeinsam mit der Gewässerallianz Ilmenau im Mündungsbereich des Röbbelbachs in die Ilmenau südlich von Bad Bevensen Maßnahmen zur Verbesserung der Flussaue umgesetzt. Dazu wurden die Ufer abgeflacht, kleine Blänken angelegt und ein abwechslungsreiches Oberflächenrelief geschaffen. So entstanden unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum.

Die Blänken werden bei Hochwasser geflutet und bleiben bei niedrigem Wasserstand als kleine Stillgewässer erhalten. Dadurch wird Wasser zurückgehalten und es entstehen wichtige Lebensräume für Amphibien und Libellen.

Ein Jahr später wurden zwei weitere Maßnahme in Emmendorf an der Ilmenau und bei Lüdershausen an der Neetze durchgeführt. Auch hier wurde bewusst auf Strukturen gesetzt, die Hochwasser zulassen und natürliche Prozesse fördern. Mal wurde Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenfluren ausgebracht und mal auf die noch im Boden vorhandenen Samen gesetzt.

Aussat von Regiosaatgut Ende September 2023. Foto: Ökostation Ilmenau

Einsatz vom Langarm-Bagger zur Anlage von Blänken und Nebengerinne.  Foto: Ökostation Ilmenau

Nach der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen im Jahr 2023 sowie in Emmendorf und an der Neetze im Jahr 2024 begleitet die Ökologische Station Ilmenau die Entwicklung der neu geschaffenen Sekundärauen und Blänken durch ein kontinuierliches Monitoring.

Ziel ist es, die ökologische Entwicklung dieser Flächen langfristig zu dokumentieren und besser zu verstehen, wie sich Lebensräume nach Eingriffen wieder eigenständig entwickeln.

Botanisches Monitoring mit spannenden Überraschungen

Auf beiden Flächen wurde eine Einsaat mit Regio-Saatgut für feuchte Hochstaudenfluren durchgeführt. Im Rahmen des Monitorings erfolgen regelmäßige botanische Erfassungen, die mit den eingesäten Artenlisten abgeglichen werden.

Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenflur. Foto: Ökostation Ilmenau

Dabei zeigt sich immer wieder, wie dynamisch Flussauen sind: Neben den gezielt eingebrachten Arten tauchen auch Pflanzen auf, die nicht Teil der Saatgutmischungen waren. Ein Beispiel ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus). Ihre Keimung verdeutlicht die große Bedeutung der Samenbank im Boden. Werden Rohbodenbereiche geschaffen oder kommt es bei Hochwasser zur Freispülung von Uferzonen, können dort Samen keimen, die teils über Jahre im Boden überdauert haben.

Dokumentation aus der Luft – Monitoring mit Drohnen

Drohne der Ökostation Ilmenau. Foto: Ökostation Ilmenau

Ergänzend zur botanischen Erfassung setzt die Ökologische Station seit 2025 auch Drohnen zur Dokumentation der Maßnahmen ein. Moderne Drohnen ermöglichen es, feste Flugrouten zu speichern und exakt definierte Fotopunkte anzufliegen. So entstehen bei jeder Befliegung Aufnahmen aus identischen Perspektiven.

Diese systematische Vorgehensweise erlaubt es, Veränderungen über Jahre hinweg sichtbar zu machen. Langfristig können die Bildreihen verglichen werden. Auf diese Weise entsteht eine wertvolle Zeitreihe, die die Sukzession einzelner Bereiche detailliert dokumentiert.

Drohnenaufnahme der Fläche in Emmendorf. Foto: Ökostation Ilmenau

Artenreicher Blühaspekt

Zwei Jahre nach der Maßnahmenumsetzung zeigt sich am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen bereits ein deutlicher Erfolg: In der feuchten Hochstaudenflur hat sich ein artenreicher Blühaspekt entwickelt, unter anderem mit großflächig blühendem Blutweiderich (Lythrum salicaria).

Der hohe Blütenreichtum zieht zahlreiche Bestäuber-Insekten an. Auch die neu geschaffenen Strukturen finden ihre Nutzer. Bereits kurz nach den Maßnahmen konnte außerdem ein Zwergsäger (Mergellus albellus), ein Überwinterungsgast an der Ilmenau, in den neu angelegten Gewässern beobachtet werden.

Blühaspekt am Röbbelbach / Ilmenau mit Blutweiderich. Foto: Ökostation Ilmenau

Ausblick: Monitoring geht weiter

Die Entwicklungen der Flächen am Röbbelbach, in Emmendorf und an der Neetze werden auch in den kommenden Jahren weiter begleitet. Für 2026 ist am Röbbelbach eine gezielte Schmetterlingserfassung geplant, an der Neetze sollen die Libellen näher untersucht werden.

Das Monitoring zeigt, wie schnell und vielfältig sich Flussauen entwickeln können, wenn sie ausreichend Raum bekommen. Die Kombination aus botanischen Erfassungen und Drohnenaufnahmen liefert dabei wichtige Erkenntnisse für die Bewertung und Weiterentwicklung von Renaturierungsmaßnahmen.

Winterzeit in den Ökologischen Stationen

Wenn draußen Frost, Stille und klare Winterluft einkehren, bedeutet das für die Stationen keineswegs Ruhepause. Auch wenn die Landschaft in Weiß, Braun und Grau getaucht ist, laufen viele wichtige Arbeiten weiter, teils drinnen, teils draußen, immer mit Blick auf die kommende Saison.

Unsere kleine Wintergalerie zeigt nur einen kleinen Einblick in das, was hinter den Kulissen passiert


Biotoppflege & Landschaftspflege

Viele Stationen pflegen Schutzgebiete, Moor- und Heideflächen, Feuchtwiesen, Hecken etc. Das kann z. B. Gehölzschnitt, Entfernen von unerwünschtem Bewuchs oder Offenlandpflege umfassen, gerade im Winter, wenn Vegetation ruht und Maschinen / Pflegemaßnahmen weniger stören.

Moorpflege durch Entkusselung in der Hannoverschen Moorgeest. Foto: Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM)

Entkusselungsarbeiten in der Hannoverschen Moorgeest: Junge Birken und Kiefern werden entfernt, damit das Hochmoor erhalten bleibt.

Moorpflegeeinsatz: Durch Entkusselung wird das Moor stabilisiert und langfristiger Natur- und Klimaschutz gesichert.

Moorpflegeeinsatz. Foto: BUND Diepholzer Moorniederung

Vorbereitung auf kommende Saison

Der Winter bietet Zeit für Planung, Konzeptentwicklung und erste Maßnahmen im Gelände. Dazu gehören auch Arbeiten an Amphibiengewässern, wie das Anlegen und Optimieren von Reproduktionsgewässern für geschützte Arten.

Bau eines Reproduktionsgewässers im FFH-Gebiet Rinderweide: Ein Bagger modelliert das neue Amphibiengewässer, Erdmaterial wird bewegt und die Geländeform vorbereitet.

Ein Bagger formt ein neues Gewässer im FFH-Gebiet Rinderweide. Foto: Lisa-Marie Hille, Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW).

Frisch ausgehobenes Amphibiengewässer: Foto: Mirjam Nadjafzadeh, ÖNSOW

Pflegearbeiten an Amphibienteichen: Ein Bagger entschlammt und entfernt Gehölze, Ufer werden abgeflacht, und das Material wird mit einer kleinen Raupe abtransportiert.

Das Erdreich wird bewegt, Wasser sammelt sich bereits in der neuen Vertiefung, Ökologische NABU-Station Oberes Wesertal (ÖNSOW).

Die Baggerarbeiten werden durchgängig begleitet und vor Ort am Gewässerrand unterstützt. Foto: Mirjam Nadjafzadeh, ÖNSOW

Maschineneinsatz im Feuchtgebiet. Foto: Ökologische Station Aller-Böhme (ÖSAB)

Arbeiten im Feuchtgebiet: Vegetationsmaterial wird aufgenommen und abtransportiert, um anschließend weitere Naturschutzmaßnahmen durchführen zu können.

Brutfloß überwintert an Land

Im Winter werden auch Pflege- und Schutzmaßnahmen an Brutinseln vorbereitet. Damit die Nisthilfen im Frühjahr in gutem Zustand sind, holen die Mitarbeitenden das Brutfloß in der kalten Jahreszeit an Land und schützen es vor Verschmutzung und Beschädigung durch überwinternde Wasservögel.

Mitarbeiter des Kieswerks bergen das Brutfloß aus dem Abbaugewässer. Foto: Jessica Schrader, Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD)

Brutfloß überwintert an Land. Foto: Jessica Schrader, NUVD

Erhalt und Entwicklung der Hochmoore

Das Foto zeigt Dammbaumaßnahmen aus einem früheren Projektjahr. Solche Arbeiten stabilisieren den Wasserhaushalt im Hochmoor und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Wiedervernässung und Entwicklung der Moorflächen.

Baggerarbeiten im Hochmoor. Foto: Ökologische Station Cuxland (ÖSCUX)

Ruhe & Regeneration der Natur

Der Winter bringt eine besondere Ruhe in die Landschaft. Spuren im Schnee, stille Gewässer, klare Lichtstimmungen und frostige Moor- und Heideflächen zeigen, wie die Natur in dieser Zeit neue Kräfte sammelt. Es ist eine Phase der Regeneration, bevor im Frühjahr wieder Bewegung in die Lebensräume zurückkehrt.

Ostufer-Winter. Foto: Eva Luers ÖSSM

Auf der Spur der Krebsschere – Hilfe für eine seltene Libelle

Die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) bittet Bürger*innen in ihrem gesamten Betreuungsgebiet – also in der Stadt Delmenhorst, im Landkreis Ammerland, im Landkreis Oldenburg und in der Stadt Oldenburg – um Mithilfe bei einer besonderen Aktion. Gesucht wird die Wasserpflanze Krebsschere (Stratiotes aloides) – eine auffällige und unverzichtbare Partnerin für eine stark bedrohte Libellenart: die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis). Durch die enge Zusammenarbeit mit der Ökologischen NABU-Station Leer (ÖNSL) ist zudem auch der Landkreis Leer in die Suche eingebunden.

Krebsschere. Foto: NABU Schleswig-Holstein.

Grüne Mosaikjungfer. Foto: NABU/Dr. Christoph Moning

Warum ist die Pflanze so wichtig?

Die Grüne Mosaikjungfer legt ihre Eier fast ausschließlich in die Krebsschere ab. Ohne diese Pflanze fehlt ihr der notwendige Lebensraum zur Fortpflanzung. Während die Krebsschere an einigen Standorten in Niedersachsen noch vorkommt, ist sie vielerorts verschwunden – und mit ihr die seltene Libelle.

Biotopverbund in Planung

Damit die Grüne Mosaikjungfer auch langfristig überleben kann, braucht sie ein Netz an geeigneten Lebensräumen. Momentan liegen die bekannten Krebsscheren-Bestände zwischen Bremen und Leer jedoch so weit auseinander, dass sich die Libellen nicht von einem zum anderen ausbreiten können.

Deshalb bereiten die ÖNSOL und die ÖNSL einen gemeinsamen Projektantrag vor, um einen Biotopverbund (also ein zusammenhängendes Netzwerk von Lebensräumen) zu schaffen. Dafür sollen Gewässer wie Trittsteine (kleinere Lebensräume, die wie Zwischenstationen dienen) in der Landschaft verteilt werden. So können die Libellen von einem Brutplatz zum nächsten wandern und stabile Bestände aufbauen.

Die geplanten Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den Behörden. Wichtig ist: Es geht nicht darum, Krebsscheren eigenständig einzupflanzen – das birgt Risiken und kann der heimischen Flora schaden. Entscheidend sind die Pflege bestehender Bestände, die Schaffung geeigneter Standorte, der Schutz offener Gewässer und die Meldung größerer Vorkommen, um neue Lebensräume zu dokumentieren.

Potentielle Maßnahmenflächen. Foto: Nicole Feige

Gemeinsame Suche mit der Bevölkerung

Weil die Libelle selbst schwer zu beobachten ist, konzentriert sich die Suche auf ihre „Wirtspflanze“. Bürger*innen werden gebeten, an Gräben, Teichen oder Stillgewässern die Augen offenzuhalten: Krebsscheren bilden auffällige, rosettenartige Blätter, die wie Krebsscheren aus dem Wasser ragen. Wer fündig wird, kann entscheidend zum Schutz der Grünen Mosaikjungfer beitragen.


Ab wann eine Meldung wichtig ist

Damit die Grüne Mosaikjungfer geeignete Bedingungen zur Eiablage findet, braucht es größere Bestände der Krebsschere. Einzelne Pflanzen in einem kleinen Gartenteich helfen der Art nicht weiter – solche Meldungen sind daher nicht relevant. Entscheidend sind Flächen von mindestens 5 Quadratmetern, besser noch mehr, damit stabile Lebensräume entstehen können.

Krebsschere in der Unteren Havel bei Mögelin. Foto: NABU /Klemens Karkow

Nach dieser Pflanze wird gesucht: die Krebsschere, Lebensraum der Grünen Mosaikjungfer. Foto: Nicole Feige

Krebsschere (Stratiotes aloides) – Erkennungsmerkmale und Lebensweise

  • Blätter: Schwertförmig, bis zu 40 cm lang und ca. 3 cm breit, in einer dichten Rosette angeordnet.
  • Ränder: fein gezähnt und nach vorne gerichtet – erinnern an die Scheren eines Krebses (Namensgeber).
  • Wuchsform: bildet trichterartige Rosetten, die wie kleine „Pflanzeninseln“ im Wasser wirken.
  • Lebensweise: den Großteil des Jahres untergetaucht, steigt im Frühling mit zunehmender Wärme an die Oberfläche.
  • Blüte: von Mai bis August können weiße, dreizählige Blüten erscheinen – allerdings nur, wenn sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen vorhanden sind.
  • Vermehrung: hauptsächlich vegetativ durch Ausläufer; Tochterrosetten bleiben lange mit der Mutterpflanze verbunden und können große Teppiche bilden.
  • Jahreszyklus: im Herbst sterben die äußeren Blätter ab, die Pflanze wird schwerer und sinkt auf den Grund, wo sie überwintert.
  • Lebensraum: bevorzugt nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer wie Altarme, Gräben und Teiche.

So kann jede*r mitmachen

Beim Spaziergang am Wasser, beim Radfahren durch die Landschaft oder einfach beim Beobachten am Teich – jede Sichtung der Krebsschere ist ein wichtiger Hinweis. Wer die Pflanze entdeckt, trägt dazu bei, den Lebensraum der seltenen Grünen Mosaikjungfer besser zu verstehen und zu schützen. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entsteht so ein wertvolles Gesamtbild, das entscheidend für den Artenschutz ist.

📸 Meldungen von Krebsscheren-Flächen ab 5 Quadratmetern – gerne mit Fotos und Fundortangaben – können direkt an die ÖNSOL geschickt werden.

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