Ökologische NABU-Station Oste-Region: 10 Jahre im Einsatz für die Natur – Herzlichen Glückwunsch!

Seit zehn Jahren setzt sich die Ökologische NABU-Station Oste-Region (ÖNSOR) mit viel Engagement für den Schutz wertvoller Lebensräume und gefährdeter Arten ein. Dieses besondere Jubiläum wurde Anfang Juli gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus Naturschutz, Politik, Verwaltung und langjährigen Partnerorganisationen gefeiert.

Von links: Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer, Sarina Pils, Leiterin der Ökologischen NABU-Station Oste-Region, und Prof. Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU Niedersachsen, bei der Jubiläumsveranstaltung der Station. Foto: NABU Niedersachsen. L. Neffati

Mehr als 70 Gäste kamen nach Rotenburg (Wümme). Gemeinsam blickten sie auf die Arbeit der vergangenen zehn Jahre zurück. Auch der Niedersächsische Umweltminister Christian Meyer gratulierte persönlich. In seinem Grußwort erklärte er, wie wichtig die Ökologischen Stationen für den Schutz der Natura-2000-Gebiete sind. Außerdem betonte er, dass sie ein wichtiger Teil des Niedersächsischen Weges seien.

Auch Prof. Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU Niedersachsen, würdigte die Arbeit der ÖNSOR. Besonders hob er die enge Zusammenarbeit mit den Landkreisen Rotenburg und Stade, den Forstämtern, den Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümern, den Behörden sowie den Ehrenamtlichen hervor. Nur durch dieses gemeinsame Engagement könne der Schutz der Gebiete langfristig gelingen.

Die ÖNSOR betreut viele Schutzgebiete in den Landkreisen Rotenburg und Stade. Dazu gehören Moore, Grünland, Wälder und Gewässer. Das Team setzt sich außerdem für Amphibien und Fledermäuse ein. Weitere wichtige Aufgaben sind die Wiedervernässung von Mooren und die naturnahe Entwicklung von Gewässern.

Im Projekt Rotenburger Sandhelden werden wertvolle Sandlebensräume aufgewertet und geschützt, unter anderem für Knoblauchkröte, Kreuzkröte und Zauneidechse. Foto: Julian Mattes

Doch Naturschutz gelingt nur gemeinsam. Deshalb arbeitet die ÖNSOR eng mit Flächeneigentümer*innen und, Landwirt*innen, Behörden, Ehrenamtlichen und vielen weiteren Partner*innen zusammen. Genau dieses Miteinander stand auch bei der Jubiläumsfeier im Mittelpunkt. Verschiedene Projektpartner*innen stellten ihre Arbeit vor und zeigten anschaulich, wie beispielsweise Schafe zur Pflege wertvoller Landschaften beitragen können.

Auch ein spezieller Stachelwalzenbalkenmäher wurde vorgestellt. Er kommt im Rahmen eines Projekts zur Förderung artenreicher Feucht- und Nasswiesen in der Osteniederung zum Einsatz.

Stachelwalzenbalkenmäher. Foto: Vernetzungsstelle

Mit diesem insektenschonenden Mäher sollen artenreiche Feucht- und Nasswiesen offengehalten werden. Gleichzeitig können ruderalisierte, also zunehmend von hochwüchsigen Pflanzen überwachsene Feucht- und Nasswiesenbrachen abschnittsweise wieder geöffnet und langfristig entwickelt werden.

Die Vernetzungsstelle für die Ökologischen Stationen gratuliert der ÖNSOR herzlich zum zehnjährigen Bestehen. Wir bedanken uns für den großen Einsatz und freuen uns auf viele weitere Jahre guter Zusammenarbeit für den Natur- und Artenschutz in Niedersachsen.

Auch weitere Ökologische Stationen feiern in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Über die Jubiläen werden wir ebenfalls in kommenden Beiträgen berichten.

Was macht eigentlich die Vernetzungsstelle?

Seit Ende 2023 gibt es die Vernetzungsstelle für die Ökologischen Stationen im Land Niedersachsen. Unser dreiköpfiges Team mit Sitz in Hannover stärkt die Zusammenarbeit zwischen den Stationen, bündelt gemeinsame Themen und macht ihre Arbeit sichtbarer.

In Niedersachsen gibt es insgesamt 28 Ökologische Stationen, die vom Land finanziell unterstützt werden. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Betreuung und Entwicklung wertvoller Schutzgebiete, darunter viele Flächen des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Die Stationen arbeiten in unterschiedlichen Regionen und Landschaftsräumen. Sie haben verschiedene Träger, Strukturen und fachliche Schwerpunkte. Gleichzeitig beschäftigen sie viele ähnliche Fragen. Genau hier setzt die Vernetzungsstelle an.

Aus diesen gemeinsamen Themen ergeben sich die zentralen Aufgaben der Vernetzungsstelle. Die folgende Grafik zeigt, wie wir die Ökologischen Stationen unterstützen und ihre Zusammenarbeit stärken.

Unsere Aufgaben auf einen Blick

28 Stationen, ein gemeinsames Netzwerk

Karte der Ökologischen Stationen in Niedersachsen

Die 28 Ökologischen Stationen arbeiten in ganz unterschiedlichen Landschaftsräumen, von Mooren und Küsten bis zu Wiesen, Flussauen und Wäldern. Auch ihre fachlichen Schwerpunkte, Trägerstrukturen und Arbeitsweisen sind vielfältig. Genau diese Vielfalt macht den Austausch wichtig: Die Vernetzungsstelle bringt die Stationen zusammen, bündelt gemeinsame Themen und macht Erfahrungen für das gesamte Netzwerk nutzbar.

Austausch und Wissenstransfer

Wir organisieren Netzwerktreffen, Stammtische, Fachgespräche und Arbeitsgruppen. Dort können die Mitarbeitenden der Stationen Erfahrungen teilen, Fragen gemeinsam bearbeiten und voneinander lernen.

Die Themen richten sich nach den aktuellen Bedarfen der Stationen. Auch unsere Weiterbildungen sind praxisnah und orientieren sich möglichst direkt am Arbeitsalltag.

Qualifizierungsmaßnahme „Führungskräfte Coaching und Krisenkommunikation“ in Hannover. Foto Vernetzungsstelle

Übergreifende Fragen bündeln

Viele Themen betreffen mehrere Stationen. In diesen Fällen sammeln wir Rückmeldungen, strukturieren Fragen und bringen die beteiligten Stellen zusammen.

Dabei kann es zum Beispiel um die Schutzgebietsbetreuung, Förderbedingungen, gemeinsame Arbeitsprozesse oder gebietsübergreifende Projektideen gehen.

Die Vernetzungsstelle unterstützt den Austausch zwischen den Ökologischen Stationen, dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und weiteren Einrichtungen.

Außerdem haben wir Kontakt zu ähnlichen Koordinierungs- und Vernetzungsstellen in anderen Bundesländern.

Aktuell sind wir dabei auch die anderen Stakeholder, die mit der Vor-Ort-Betreuung in Berührung kommen, besser kennenzulernen und gemeinsame Erfahrungen zu bündeln, um den Naturschutz in Niedersachsen voranzubringen.

Teilnehmende der Torfmoos-Qualifizierung vertiefen sich in die mikroskopische Bestimmung verschiedener Sphagnum-Arten. Foto: Vernetzungsstelle

Die Arbeit der Stationen sichtbar machen

Viele Menschen wissen noch wenig darüber, welche Aufgaben die Ökologischen Stationen übernehmen und warum ihre Arbeit für den Naturschutz wichtig ist.

Deshalb berichten wir auf unserer Website, in sozialen Medien, im Newsletter und mit verschiedenen Informationsmaterialien über Projekte, Veranstaltungen und Themen aus den Stationen.

Darüber hinaus befinden sich derzeit eine gemeinsame Broschüre und ein Imagefilm in Produktion. Damit möchten wir die Ökologischen Stationen bekannter machen und ihre Arbeit verständlich vermitteln.

Zweites Netzwerktreffen 2025: Bei der Exkursion erkundeten die Teilnehmenden das Gebiet, beobachteten verschiedene Vogelarten und nutzten die Gelegenheit für fachlichen Austausch in der Natur.
Fotos: Vernetzungsstelle.

Unsere Rolle im Netzwerk

Die Vernetzungsstelle arbeitet verbindend und unterstützend. Wir koordinieren, bringen Menschen zusammen und erleichtern den Austausch von Wissen und Erfahrungen.

Die fachliche Arbeit in den Schutzgebieten, konkrete Naturschutzmaßnahmen und die Verantwortung für einzelne Projekte liegen bei den zuständigen Stationen, Behörden und Projektträgern.

Unsere Arbeit ergänzt diese Aufgaben durch Vernetzung, Koordination, Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

So tragen wir dazu bei, dass Wissen geteilt, gemeinsame Herausforderungen früh erkannt und Lösungen gemeinsam entwickelt werden können.

Wer steht hinter der Vernetzungsstelle?

Die Vernetzungsstelle wird gemeinsam getragen von:

  • dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Niedersachsen e. V. (BUND),
  • dem Deutschen Verband für Landschaftspflege e. V. (DVL),
  • dem Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Niedersachsen e. V. (NABU).

Die Finanzierung erfolgt im Rahmen einer Projektförderung für den Zeitraum 2023 bis 2027 aus Mitteln des Landes Niedersachsen über das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Den Röhrichtschwund am Dümmer umkehren

Seit rund 15 Jahren führt die Ökologische Station Naturschutzring Dümmer e.V. Maßnahmen zum Schutz und zur Neuentwicklung von Röhrichten am Dümmer durch. Ziel ist es, den Rückgang der Röhrichtflächen zu stoppen und die Entwicklung dieser wichtigen Uferlebensräume wieder zu fördern.

Röhrichtschutzmaßnahmen am Dümmer. Foto: Vernetzungsstelle

Nach mehreren Pilotprojekten setzt der Naturschutzring die erprobten Methoden zum Schutz von Röhrichten inzwischen in größerem Maßstab am Dümmer ein. Unterstützt wird die Umsetzung durch verschiedene Partner*innen und Förder*innen, darunter das Land Niedersachsen, der Global Nature Fund, die Deutsche Postcode Lotterie und die Europäische Union, aktuell über das internationale Projekt EuroLakes, in dem der Dümmer einer von drei Projektseen in Europa ist.

Röhrichtzonen prägen viele naturnahe Uferbereiche am Dümmer. Doch an mehreren Stellen stehen diese sensiblen Lebensräume unter Druck. Besonders am Süd-, West- und Ostufer sind die Bestände gefährdet.

Eine wichtige Rolle bei den Schutzmaßnahmen spielen Gabionengitter. Das sind stabile Metallgitter, die flexibel eingesetzt und an die Bedingungen vor Ort angepasst werden können.

Warum Röhricht am Dümmer so wichtig ist

Röhricht ist ein wichtiger Übergangsbereich zwischen Wasser und Land. Es bietet vielen Vogel-, Fisch- und Insektenarten Lebensraum, schützt die Ufer vor Abtragung und hilft dabei, Flachwasserbereiche und Verlandungszonen zu stabilisieren.

Wenn Röhrichtflächen zurückgehen, verlieren viele Arten wichtige Rückzugs-, Brut- und Nahrungsräume.

Stark geschädigte Röhrichtzone im Süden des Sees. Foto: ÖS-NARI

Süd- und Westufer: Bestehende Röhrichte schützen

Am Süd- und Westufer des Dümmers sind vor allem bestehende Röhricht- und Verlandungsbereiche gefährdet. Ein großes Problem sind Fraßschäden durch Nutria und Bisam. Beide Arten sind sogenannte Neozoen. Das bedeutet: Sie sind ursprünglich nicht heimisch, kommen heute aber in der Region vor.

Bestehende Röhrichtbestände am Ufer des Dümmers Foto: Vernetzungsstelle

Fraßspuren durch Nutria und Bisam im Verlandungsbereich. Besonders junge Pflanzenteile und Wurzeln werden geschädigt. Foto: Vernetzungsstelle

Nutria und Bisam fressen Wurzeln und junge Pflanzenteile der Ufervegetation. Dadurch können Röhrichtbestände stark geschädigt werden. Besonders betroffen sind die Niedermoorbereiche am Süd- und Westufer des Sees. Dort ist der Rückgang der Röhricht- und Verlandungszonen bereits deutlich sichtbar.

Nutria: Aufnahmen von Wildkameras dokumentieren, wie Röhrichtbestände abgefressen und Vegetationskegel ausgegraben werden. Video: ÖS-NARI

Um die Pflanzen zu schützen, werden Gabionengitter entlang der Wasserkante aufgebaut. Sie funktionieren ähnlich wie Zaunelemente. Die Gitter schließen schmale Uferbereiche ein. Innerhalb dieser geschützten Flächen können junge Röhrichtpflanzen besser aufwachsen.

Die Gabionengitter haben mehrere Vorteile:

  • Sie sind stabil und langlebig.
  • Sie können an verschiedene Uferbereiche angepasst werden.
  • Sie lassen sich bei Bedarf erweitern oder umbauen.
  • Sie schützen junge Pflanzen vor Fraß.

So sollen geschädigte Röhrichtbereiche langfristig stabilisiert und wieder gestärkt werden.

Ostufer bei Eickhöpen: Neue Röhrichtflächen entwickeln

Am Ostufer des Dümmers bei Eickhöpen geht es nicht nur um den Schutz vorhandener Pflanzen. Dort sollen auch neue Röhrichtflächen entstehen. Die Bedingungen am Ostufer sind besonders anspruchsvoll. Wind, Wellengang und Eisgang wirken stark auf die Uferbereiche ein. Deshalb müssen die Schutzmaßnahmen dort besonders robust sein.

Auch hier kommen Gabionengitter zum Einsatz. Sie werden vor dem Ufer im Wasser platziert und mit geeigneten Pflanzen bestückt. Verwendet werden Arten, die gut mit Wellengang und Wind zurechtkommen.

Dazu gehören zum Beispiel:

Diese Arten waren früher am Dümmer häufiger vertreten. Sie sind gut an die Bedingungen am Ostufer angepasst.

Seebinsen und Schmalblättriger Rohrkolben breiten sich in geschützten Bereichen aus. Foto: ÖS-NARI

Wie Gabionengitter die Entwicklung unterstützen

Die Gabionengitter schützen die jungen Pflanzen zunächst vor Tierfraß. Gleichzeitig helfen sie dabei, Sand im Wasser zurückzuhalten. Um die Gitterstäbe entstehen kleine Strömungsveränderungen. Dadurch kann sich Sand am Gewässerboden absetzen. Wenn die Pflanzen anwachsen, verstärken sie diesen Prozess. Mit ihren Wurzelausläufern können sie sich nach und nach weiter ausbreiten.

So entstehen Schritt für Schritt neue Röhrichtbereiche.

Uferbereich mit Gabionengittern und vorgelagerten Pfostenreihen zum Schutz vor Eisgang und Treibgut. Foto: Vernetzungsstelle

Schutz vor Eisgang und Treibgut

Am Ostufer müssen die Gabionengitter zusätzlich geschützt werden. Denn Eisgang und treibende Gegenstände können die Gitter beschädigen.

Deshalb werden vor den Gitterelementen Pfostenreihen aufgebaut. Diese wirken wie eine Schutzlinie. Sie bremsen Eis und angeschwemmtes Material ab, bevor es die Gabionengitter erreicht.

Die Pfosten können unterschiedlich angeordnet werden:

  • als durchgehende Palisadenreihe
  • oder als locker gesetzte Pfostenreihe

Welche Variante eingesetzt wird, hängt von den Bedingungen vor Ort ab.

Ein gemeinsames Ziel: Röhrichtschwund umkehren

Die Maßnahmen zeigen: Röhrichtschutz muss an den jeweiligen Standort angepasst werden.

An einigen Uferbereichen steht der Schutz vorhandener Röhricht- und Verlandungsbereiche im Vordergrund. Dort geht es vor allem darum, Fraßschäden durch Nutria und Bisam zu reduzieren.

In anderern Uferpartien liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Röhrichtflächen. Dort müssen die Pflanzen neben dem Fraßdruck zusätzlich mit Wind, Wellen und Eisgang zurechtkommen.

Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel: Der Röhrichtschwund am Dümmer soll gestoppt und möglichst umgekehrt werden. Davon profitieren viele Tierarten und der See als Lebensraum insgesamt.

Das Projekt zeigt, wie gezielte und langfristige Schutzmaßnahmen helfen können, empfindliche Uferlebensräume dauerhaft zu sichern.

21. Mai: Natura 2000 Tag

Natura 2000 Tag: Europas Natur gemeinsam schützen

Am 21. Mai wird der europäische Natura 2000 Tag gefeiert. Er macht auf eines der wichtigsten Instrumente für den Naturschutz in Europa aufmerksam: das Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Der Aktionstag wurde von der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, dem Ausschuss der Regionen und der damaligen maltesischen EU-Ratspräsidentschaft gemeinsam ins Leben gerufen. Seitdem wird jedes Jahr mit Veranstaltungen und Netzwerkaktivitäten auf die Bedeutung dieses europaweiten Schutzsystems hingewiesen.

Doch was ist Natura 2000 eigentlich?

Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Grundlage sind die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die EU-Vogelschutzrichtlinie.

Breites Moor. Foto: Christopher Mollmann

Heute umfasst das Netzwerk:

  • über 27.000 Schutzgebiete
  • rund 18 % der Landfläche der EU
  • mehr als 6 % der Meeresgebiete


Damit ist Natura 2000 das größte koordinierte Schutzgebietsnetz der Welt und ein zentrales Beispiel für europäische Zusammenarbeit im Naturschutz.

Werde Teil des Natura 2000 Bioblitz

Rund um den Natura 2000 Tag findet europaweit der sogenannte Bioblitz statt, eine Mitmach-Aktion, bei der möglichst viele Arten in kurzer Zeit dokumentiert werden.

Alle können teilnehmen: ob im Garten, im Wald oder im Schutzgebiet. So funktioniert’s:

  • Geh raus in die Natur – ob Garten, Park oder Schutzgebiet
  • Fotografiere Pflanzen, Tiere oder Pilze
  • Lade deine Beobachtungen auf Observation.org hoch
  • Nutze die App ObsIdentify zur Bestimmung der Arten

Alle Beobachtungen werden automatisch erfasst und tragen zum europaweiten Natura 2000 Bioblitz bei.

Der Bioblitz ist eine einfache Möglichkeit, Natur vor der eigenen Haustür zu entdecken und gleichzeitig wertvolle Daten für den Naturschutz zu liefern.

Natura 2000 zeigt Wirkung

Einige Arten wie Biber, Kranich oder Seeadler konnten sich durch den EU-weiten Schutz erholen. Auch Lebensräume wie Moore oder Heidelandschaften stehen heute unter besonderem Schutz.

Erfolge mit Herausforderungen

Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehen weiterhin Herausforderungen. Lebensräume stehen unter Veränderungsdruck, und einige Artengruppen zeigen weiterhin rückläufige Bestandsentwicklungen. Davon betroffen sind auch bestimmte Wiesenvogelarten. Ein Beispiel ist die stark gefährdete Uferschnepfe, deren Bestände in Niedersachsen seit Jahren zurückgehen.

Uferschnepfe. Foto: Tobias Pelz

Naturschutz braucht Umsetzung vor Ort

Die Ökologischen Stationen in Niedersachsen leisten einen zentralen Beitrag zum Naturschutz vor Ort.
Sie betreuen Schutzgebiete, setzen Maßnahmen um und begleiten die Entwicklung von Arten und Lebensräumen. Dabei arbeiten sie eng mit Landnutzenden, Behörden und weiteren Akteur*innen zusammen.

Diese kontinuierliche Arbeit ist entscheidend dafür, dass Schutzmaßnahmen wirksam werden und langfristig erhalten bleiben. Natura 2000 entfaltet seine Wirkung nicht allein durch die Ausweisung von Schutzgebieten, sondern vor allem durch die konkrete Umsetzung in den Gebieten selbst. Dazu gehören unter anderem die Pflege und Entwicklung von Lebensräumen, das Erfassen von Artenvorkommen sowie die Abstimmung vor Ort.

Feldhamstersuche. Foto: Uwe Mestemacher

Arbeit in den Natura 2000-Gebieten

Die Ökologischen Stationen in Niedersachsen setzen Maßnahmen in Natura 2000- und weiteren Naturschutzgebieten vor Ort um.

Wo Natur zurückkommt: Einblicke in die Landschaftspflege

So wird Naturschutz vor Ort sichtbar

Naturschutz passiert nicht nur auf dem Papier, sondern draußen auf der Fläche. Genau hier setzt die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz an: Lebensräume werden gepflegt, wiederhergestellt und langfristig gesichert.

Im Jahr 2025 ist dabei einiges passiert: Insgesamt 23 konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt, von der Pflege wertvoller Feuchtwiesen bis zur Wiederherstellung seltener Trockenrasen. Die wichtigste Arbeit für den Erhalt der Artenvielfalt in diesen Lebensräumen leisten allerdings die bewirtschaftenden Betriebe mit ihren Weidetieren oder Balkenmähern. Unersetzlich ist dabei die enge Betreuung und Beratung der Betriebe, insbesondere zu geeigneten Fördermöglichkeiten (z.B. AUKMs).

Warum diese Maßnahmen so wichtig sind

Viele artenreiche Grünlandflächen sind auf eine regelmäßige Pflege angewiesen. Ohne Mahd oder Beweidung würden sie nach und nach verbuschen, wodurch viele seltene Pflanzen und Tiere verschwinden.

Deshalb wird gezielt eingegriffen, zum Beispiel durch:

  • das Entfernen von Gehölzen
  • die extensive Pflege von Feuchtwiesen und Kalkmagerrasen
  • spezielle Maßnahmen für besonders gefährdete Arten und Lebensräume

In der Gipskarstlandschaft Südharz wird der Verbuschung wertvoller Magerrasen und Felsbereiche Einhalt geboten. Am Butterberg bei Bartolfelde (FFH 405) erfolgt die Gehölzentfernung mit einer Mulchraupe, anschließend kann hier wieder eine Beweidung mit Rindern erfolgen. Foto: ÖSGÖLS

Das Ziel ist immer gleich: wertvolle Grünland-Lebensräume offenhalten und so ihre große Artenvielfalt sichern.

Wenn Natur zurückkommt

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Feldbornberg bei Nikolausberg. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten stark zugewachsene Flächen nun wieder freigestellt.

Was nach viel Arbeit aussieht, zeigt schnell Wirkung: Seltene Pflanzen bekommen wieder Licht, die gefährdeten Magerrasen entwickeln sich neu und eine Vielzahl von Tieren findet wieder geeignete Lebensräume. Damit die Flächen nicht sofort wieder zuwachsen, ist eine anschließende Beweidung sehr wichtig. Hier wurde beispielsweise eine Bewirtschaftung mit Ziegen initiiert, die nun fleißig dabei helfen, die neu aufwachsenden Gehölze in Schach zu halten. Erste Ergebnisse zeigen bereits jetzt sehr positive Effekte auf die Artenvielfalt – die Natur kehrt zurück!

Der Feldbornberg bei Nikolausberg (FFH 138): Wiederherstellung von Kalkmagerrasen (LRT 6210) im Winter 2025/26. Insgesamt wurden hier im Zeitraum 2023-2025 rund 1,2 ha Kalkmagerrasen wiederhergestellt. In den kommenden Jahren finden nun Beweidung durch Ziegen und weitere Nachpflegearbeiten statt. Foto: ÖSGÖLS

Schritt für Schritt zum Erfolg

Erfolge im Zwischenmoor dank Balkenmäher und Mulchraupe

Auf in den letzten beiden Jahren sowohl gemähten als auch gemulchten Flächen konnte erfreulicherweise bereits ein deutlicher Rückgang von Adlerfarn und Brombeere festgestellt werden, wodurch gefährdete und konkurrenzschwache Pflanzen wie das Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) nun wieder Licht und Platz zum Wachsen haben.

Sichtbare Erfolge der Pflegemaßnahmen der letzten beiden Jahre: der Rückgang von Adlerfarn und Brombeere (links) verbessert die Bedingungen für konkurrenzschwache Arten wie dem Quendel-Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) (rechts) oder auch für Vogelarten wie der Heidelerche (Lullula arborea) und dem Wendehals (Jynx torquilla). Fotos: ÖSGÖLS

Was bedeutet das?
Durch das Zurückdrängen von Adlerfarn und Brombeere, die sich in der Vergangenheit aufgrund eines etwas zu geringen Beweidungsregimes ausbreiten konnten, werden artenreiche Wiesen mit Zwischenmoor-Charakter wieder offen und vielfältig. Seltene und anspruchsvolle Pflanzen- und Tierarten können sich so erholen und langfristig halten.

Pflegeeinsatz auf dem Hühnerfeld

Damit artenreiche Wiesen erhalten bleiben, braucht es eine regelmäßige Pflege. Ohne sie würden dominante Arten wie Adlerfarn, Brombeere und Gehölze die Fläche schnell überwuchern. 2025 wurde daher gezielt eingegriffen: Im Juli erfolgte eine Mahd der Adlerfarnbestände mit einem handgeführten Balkenmäher, ergänzt durch Mulcharbeiten im September. Im November wurden außerdem junge Fichten und andere aufkommende Gehölze entfernt.

Mahd mit handgeführtem Balkenmäher auf dem Hühnerfeld im Juli 2025. Die interessierten Islandpferde fingen sofort mit der Nachpflege an. Foto: ÖSGÖLS

Warum ist das wichtig?
Nur durch regelmäßige, extensive Pflege bleiben diese besonderen Offenlebensräume (z.B. Borstgrasrasen) langfristig erhalten und bieten dadurch wiederum dauerhaft Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere.

Viele dieser Maßnahmen sind keine einmaligen Eingriffe, sondern brauchen Zeit, regelmäßige Wiederholung und eine kontinuierliche Begleitung. Deshalb arbeitet die Ökologische Station eng mit Landwirt*innen und Behörden zusammen und führt auch ein Monitoring der vorkommenden Arten durch. So entstehen Schritt für Schritt wieder lebendige und vielfältige Landschaften, die langfristig erhalten bleiben.

Dieser Beitrag zeigt nur einen kleinen Einblick in die Arbeit der Ökologischen Station Göttinger Land & Südharz. Den vollständigen Newsletter der ÖSGÖLS mit weiteren Projekten, Artenporträts und Einblicken findet ihr hier.

Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch das Land Niedersachsen gefördert und erfolgt auf Grundlage abgestimmter Managementpläne für geschützte Lebensräume und Arten.

Gemeinsam für Natur und Gewässer: ÖNSOL und ÖKOL im Fokus

Wie entsteht Naturschutz vor Ort?

Im Oldenburger Land arbeiten unterschiedliche Akteur*innen mit eigenen Schwerpunkten daran, Arten, Lebensräume und Gewässer zu schützen. Zwei davon sind die Ökologische NABU-Station Oldenburger Land (ÖNSOL) und das Ökologische Kompetenzzentrum Oldenburger Land (ÖKOL).

Beide verfolgen dasselbe Ziel, den Schutz von Arten, Lebensräumen und Gewässern, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Gerade diese Ergänzung macht ihre Kooperation besonders wirkungsvoll.

Die ÖNSOL: Schutzgebiete im Fokus

Die ÖNSOL ist eine von mehreren Ökologischen NABU-Stationen in Niedersachsen, die im Rahmen des Niedersächsischen Wegs entstanden sind. Ihr Auftrag ist klar definiert: die naturschutzfachliche Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten und ausgewählten Arten in den Landkreisen Oldenburg und Ammerland sowie in den Städten Oldenburg und Delmenhorst.

Team der Ökologischen NABU-Station Oldenburger Land. Foto: ÖNSOL

Zu ihren Kernaufgaben gehören:

  • Beobachtung und Erfassung von Arten und Lebensräumen
  • Planung und Begleitung von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
  • Beratung lokaler Akteur*innen
  • Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern

Der Schwerpunkt liegt auf der konkreten Umsetzung, direkt in den Schutzgebieten, in enger Zusammenarbeit mit den Behörden, lokalen Akteur*innen und Ehrenamtlichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben sowie den Unteren Naturschutzbehörden, mit denen entsprechende Kooperationsvereinbarungen bestehen.

Das ÖKOL: Netzwerk und Praxis im Offenland

Das ÖKOL ist eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft (gUG), die sich dem Natur-, Arten- und Gewässerschutz im Oldenburger Raum sowie in den Landkreisen Ammerland und Oldenburg widmet.

In der gUG haben sich das Ökologische Kompetenzzentrum Ammerland Oldenburg e. V. (ÖKAO) und die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. zusammengeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam mit land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie weiteren Institutionen in der Fläche wirksamen Naturschutz umzusetzen.

Im Fokus stehen insbesondere:

  • Schutzmaßnahmen im Offenland
  • Arbeit in Pufferzonen von FFH- und Naturschutzgebieten
  • Feldvogel-, Insekten- und Grünlandschutz
  • Biotopverbund und Neophytenmanagement

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Maßnahmen in der Offenlandschaft, also auch außerhalb von Schutzgebieten. Damit ergänzt das ÖKOL die Arbeit der Ökologische NABU-Station Oldenburger Land.

Als Kompetenzzentrum mit starkem Netzwerkcharakter vernetzt das ÖKOL unterschiedliche Akteur*innen und unterstützt die gemeinsame Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.

Ein konkretes Beispiel: Die Delme und das Problem der Verockerung

Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigt ein gemeinsames Pilotprojekt an der Delme.

In der Delme und ihren Zuflüssen führt Eisenocker, ein rötlich-brauner Eisenoxid-Belag, zu erheblichen Belastungen für das Gewässerökosystem. Besonders empfindliche Arten wie Fische oder die geschützte Bachmuschel reagieren sensibel auf diese Veränderungen.

Bachmuschel. Foto: A. Hoffmann

Um dem entgegenzuwirken, haben die ÖNSOL und das ÖKOL in Kooperation mit dem Ochtumverband das Projekt gestartet: In Ganderkesee wurden auf einem an die Delme angrenzenden Acker gesteuerte Dränagen mit speziellen Bypass-Vorsätzen eingesetzt. Ziel des Projekts ist es, Wasser länger in der Fläche zu halten und so die Verockerung sowie den Eintrag von Eisen in die Delme zu reduzieren. Das Projekt wird von einem Masterstudierenden wissenschaftlich begleitet.

Das Prinzip

Das Bodenwasser wird länger auf der Fläche gehalten, wodurch anaerobe Bedingungen (sauerstoffarme Verhältnisse im Boden, in denen bestimmte chemische Prozesse anders ablaufen) entstehen. Dadurch wird die Oxidation von Eisen reduziert und weniger Eisen gelangt ins Gewässer. Gleichzeitig bleibt der Wasserstand steuerbar, sodass landwirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt werden können.

Hier zeigt sich, wie Naturschutz, Wissenschaft und landwirtschaftliche Praxis ineinandergreifen können.

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Messung Verockerungesprojekt. Foto: ÖNSOL

Einbau Drainage. Foto: Nils Rudolf

Kooperation als Schlüssel

Die ÖNSOL und das ÖKOL bringen unterschiedliche Kompetenzen ein: Schutzgebietsbetreuung, Netzwerkstruktur, Praxisnähe zur Landwirtschaft und fachliche Spezialisierung. In der Zusammenarbeit ergänzen sich diese Profile.

Kooperationstreffen im Rahmen des Drainageprojekts. Foto: Nicole Feige

Das Projekt an der Delme steht exemplarisch für einen Ansatz, der im Naturschutz zunehmend an Bedeutung gewinnt: fachlich fundiert, praxisnah, kooperativ und lösungsorientiert.

Wirksamer Naturschutz entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden, und genau das leisten die ÖNSOL und das ÖKOL im Oldenburger Land.

Qualifizierungsmaßnahme: Landtechnik heute und morgen

Am 10.03.2026 fand in der DEULA in Nienburg eine Qualifizierungsmaßnahme für die Ökologischen Stationen in Niedersachsen statt. Thema war: Landtechnik heute und morgen. Ziel der Veranstaltung war es, Wissen zu moderner Landtechnik zu vermitteln und den Bezug zum Naturschutz zu stärken.

Begleitet wurde die Schulung von zwei erfahrenen Referenten der DEULA Nienburg und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Beide haben die Teilnehmenden durch den Tag geführt, sowohl in der Theorie als auch direkt im Gelände.

Theoretische Grundlagen der Landtechnik

Am Vormittag stand die theoretische Einführung in die Landtechnik im Fokus. Entlang des landwirtschaftlichen Jahresverlaufs, von der Bodenbearbeitung über Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz bis hin zur Ernte, wurden zentrale Verfahren und eingesetzte Technik vorgestellt. Dabei ging es nicht nur um Funktionsweisen, sondern auch um die Auswirkungen auf Boden, Pflanzen und Ökosysteme sowie die Rolle der Landtechnik im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Naturschutz.

Praxis: Maschinenpark und Vorführungen

Am Nachmittag folgte der praktische Teil. Die Teilnehmenden konnten den Maschinenpark der DEULA besichtigen. Einige Geräte wurden vorgeführt und direkt erklärt. So konnten die Inhalte aus dem Vormittag besser verstanden und eingeordnet werden.

Teilnehmende der Qualifizierungsmaßnahme besichtigen Landtechnik in der Maschinenhalle der DEULA. Geräte werden direkt vor Ort erklärt und praktisch eingeordnet. Foto: Vernetzungsstelle.

Ein wichtiger Aspekt der Veranstaltung war der Austausch zwischen den Teilnehmenden. Viele konnten eigene Erfahrungen einbringen, Fragen stellen und gemeinsam über den Einsatz von Technik im Naturschutz diskutieren.

Im Außenbereich erhalten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene landwirtschaftliche Maschinen und diskutieren deren Einsatz im Kontext von Naturschutz und Praxis. Foto: Vernetzungsstelle.

Fazit der Qualifizierungsmaßnahme

Die Qualifizierungsmaßnahme hat gezeigt, wie wichtig es ist, Praxiswissen und naturschutzfachliche Ziele zusammenzudenken. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wertvoll der Austausch im Netzwerk ist, um voneinander zu lernen und die eigene Arbeit weiterzuentwickeln.

Zugleich bildete die Veranstaltung einen gelungenen Auftakt für den weiteren fachlichen Austausch mit der DEULA Nienburg. Für die Zukunft ist vorgesehen, Qualifizierungsangebote noch gezielter auf spezifische Themenfelder auszurichten. Insbesondere eine vertiefende Maßnahme mit dem Schwerpunkt Grünland wird als sinnvoller nächster Schritt gesehen.

Ein herzlicher Dank geht an die Referenten für die fachliche Begleitung sowie an die DEULA Nienburg und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Organisation und Durchführung.

Ökologische Stationen im Austausch: Viertes Vernetzungstreffen

Am 17.03.2026 kamen rund 40 Mitarbeitende und Leitungen der Ökologischen Stationen in Niedersachsen zum vierten Vernetzungstreffen in den schönen Räumlichkeiten der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer zusammen.

Im Mittelpunkt stand der Austausch zwischen den Stationen. Ziel war es, das Netzwerk zu stärken und voneinander zu lernen. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen, Kontakte zu vertiefen und neue Verbindungen aufzubauen.

Ein Teil der Teilnehmenden des Vernetzungstreffens beim Austausch. Foto: Vernetzungsstelle.

Austausch in Gesprächsrunden

In verschiedenen Gesprächsrunden wurden Erfahrungen aus der täglichen Arbeit ausführlich ausgetauscht, wobei die Teilnehmenden sowohl konkrete Herausforderungen vor Ort als auch bereits erprobte und bewährte Lösungsansätze diskutierten.
Auf diese Weise konnten praxisnahe Ideen weitergegeben, unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und zugleich neue Ansätze für die zukünftige Arbeit entwickelt werden.

Einblicke in die Arbeit der Stationen

Ein besonderer Programmpunkt des Treffens war die Vorstellung von drei Ökologischen Stationen: der Ökologischen Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL), der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD) sowie der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM).


Sie präsentierten ihre Arbeit, gaben Einblicke in ihre jeweiligen Schwerpunkte und zeigten, wie unterschiedliche Maßnahmen im Naturschutz vor Ort konkret umgesetzt werden.

Maya Ehmig und Ine Penz von der Ökologischen Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze (ÖSIL) während ihrer Vorstellung. Foto: Vernetzungsstelle.

Der Austausch zeigte: Viele Stationen stehen vor ähnlichen Aufgaben. Durch das Netzwerk können sie sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Lösungen finden. Das stärkt die Zusammenarbeit und macht die Arbeit langfristig effektiver.

Exkursion: Raum für Austausch und neue Ideen

Ein weiterer wichtiger Teil des Treffens war die gemeinsame Exkursion. Sie bot Raum für informelle Gespräche und einen offenen Austausch in entspannter Atmosphäre. Zudem hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, gemeinsam einen Teil des Gebiets der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) zu erkunden und dabei verschiedene Vogelarten zu beobachten. Svenja Niedorf führte die Gruppe vor Ort und gab dabei spannende Einblicke in das Gebiet und die dort vorkommenden Arten. So konnten Kontakte weiter vertieft und neue Ideen entwickelt werden.

Eindrücke aus der gemeinsamen Exkursion: Die Teilnehmenden erkundeten das Gebiet, beobachteten verschiedene Vogelarten und nutzten die Gelegenheit für fachlichen Austausch in der Natur. Fotos: Vernetzungsstelle.

Das Treffen hat deutlich gemacht, wie wichtig ein starkes Netzwerk ist. Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und regelmäßiger Erfahrungsaustausch sind zentrale Bausteine für die Weiterentwicklung der Ökologischen Stationen in Niedersachsen.

Ein besonderer Dank gilt der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) und ihrem Team, den Mitarbeitenden sowie den FÖJler*innen, für die herzliche Gastfreundschaft, die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie die engagierte Vorbereitung und reibungslose Organisation des Treffens.

Auen im Wandel: Wie sich neue Lebensräume aus der Luft und am Boden zeigen.

Monitoring von Auenrenaturierungsmaßnahmen

Flussauen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Damit sie diese Vielfalt entfalten können, brauchen sie Platz, Wasser und Dynamik. In den letzten Jahren wurden am Röbbelbach der Ilmenau sowie an der Neetze Maßnahmen umgesetzt, um genau diese Bedingungen wiederherzustellen.

Die Ökologische Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze begleitet diese Flächen seitdem mit einem kontinuierlichen Monitoring.

Auenentwicklung am Röbbelbach (2023), in Emmendorf (2024) und an der Neetze (2024)

Im September 2023 wurden gemeinsam mit der Gewässerallianz Ilmenau im Mündungsbereich des Röbbelbachs in die Ilmenau südlich von Bad Bevensen Maßnahmen zur Verbesserung der Flussaue umgesetzt. Dazu wurden die Ufer abgeflacht, kleine Blänken angelegt und ein abwechslungsreiches Oberflächenrelief geschaffen. So entstanden unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum.

Die Blänken werden bei Hochwasser geflutet und bleiben bei niedrigem Wasserstand als kleine Stillgewässer erhalten. Dadurch wird Wasser zurückgehalten und es entstehen wichtige Lebensräume für Amphibien und Libellen.

Ein Jahr später wurden zwei weitere Maßnahme in Emmendorf an der Ilmenau und bei Lüdershausen an der Neetze durchgeführt. Auch hier wurde bewusst auf Strukturen gesetzt, die Hochwasser zulassen und natürliche Prozesse fördern. Mal wurde Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenfluren ausgebracht und mal auf die noch im Boden vorhandenen Samen gesetzt.

Aussat von Regiosaatgut Ende September 2023. Foto: Ökostation Ilmenau

Einsatz vom Langarm-Bagger zur Anlage von Blänken und Nebengerinne.  Foto: Ökostation Ilmenau

Nach der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen im Jahr 2023 sowie in Emmendorf und an der Neetze im Jahr 2024 begleitet die Ökologische Station Ilmenau die Entwicklung der neu geschaffenen Sekundärauen und Blänken durch ein kontinuierliches Monitoring.

Ziel ist es, die ökologische Entwicklung dieser Flächen langfristig zu dokumentieren und besser zu verstehen, wie sich Lebensräume nach Eingriffen wieder eigenständig entwickeln.

Botanisches Monitoring mit spannenden Überraschungen

Auf beiden Flächen wurde eine Einsaat mit Regio-Saatgut für feuchte Hochstaudenfluren durchgeführt. Im Rahmen des Monitorings erfolgen regelmäßige botanische Erfassungen, die mit den eingesäten Artenlisten abgeglichen werden.

Regiosaatgut für Feuchte Hochstaudenflur. Foto: Ökostation Ilmenau

Dabei zeigt sich immer wieder, wie dynamisch Flussauen sind: Neben den gezielt eingebrachten Arten tauchen auch Pflanzen auf, die nicht Teil der Saatgutmischungen waren. Ein Beispiel ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus). Ihre Keimung verdeutlicht die große Bedeutung der Samenbank im Boden. Werden Rohbodenbereiche geschaffen oder kommt es bei Hochwasser zur Freispülung von Uferzonen, können dort Samen keimen, die teils über Jahre im Boden überdauert haben.

Dokumentation aus der Luft – Monitoring mit Drohnen

Drohne der Ökostation Ilmenau. Foto: Ökostation Ilmenau

Ergänzend zur botanischen Erfassung setzt die Ökologische Station seit 2025 auch Drohnen zur Dokumentation der Maßnahmen ein. Moderne Drohnen ermöglichen es, feste Flugrouten zu speichern und exakt definierte Fotopunkte anzufliegen. So entstehen bei jeder Befliegung Aufnahmen aus identischen Perspektiven.

Diese systematische Vorgehensweise erlaubt es, Veränderungen über Jahre hinweg sichtbar zu machen. Langfristig können die Bildreihen verglichen werden. Auf diese Weise entsteht eine wertvolle Zeitreihe, die die Sukzession einzelner Bereiche detailliert dokumentiert.

Drohnenaufnahme der Fläche in Emmendorf. Foto: Ökostation Ilmenau

Artenreicher Blühaspekt

Zwei Jahre nach der Maßnahmenumsetzung zeigt sich am Röbbelbach / Ilmenau bei Bad Bevensen bereits ein deutlicher Erfolg: In der feuchten Hochstaudenflur hat sich ein artenreicher Blühaspekt entwickelt, unter anderem mit großflächig blühendem Blutweiderich (Lythrum salicaria).

Der hohe Blütenreichtum zieht zahlreiche Bestäuber-Insekten an. Auch die neu geschaffenen Strukturen finden ihre Nutzer. Bereits kurz nach den Maßnahmen konnte außerdem ein Zwergsäger (Mergellus albellus), ein Überwinterungsgast an der Ilmenau, in den neu angelegten Gewässern beobachtet werden.

Blühaspekt am Röbbelbach / Ilmenau mit Blutweiderich. Foto: Ökostation Ilmenau

Ausblick: Monitoring geht weiter

Die Entwicklungen der Flächen am Röbbelbach, in Emmendorf und an der Neetze werden auch in den kommenden Jahren weiter begleitet. Für 2026 ist am Röbbelbach eine gezielte Schmetterlingserfassung geplant, an der Neetze sollen die Libellen näher untersucht werden.

Das Monitoring zeigt, wie schnell und vielfältig sich Flussauen entwickeln können, wenn sie ausreichend Raum bekommen. Die Kombination aus botanischen Erfassungen und Drohnenaufnahmen liefert dabei wichtige Erkenntnisse für die Bewertung und Weiterentwicklung von Renaturierungsmaßnahmen.

Besuch im Naturpark Elm-Lappwald

Unterwegs im Austausch mit dem Ranger

Im vergangenen Herbst war die Vernetzungsstelle zu Besuch im Naturpark Elm-Lappwald. Die Region ist eine vielfältige Kulturlandschaft zwischen Braunschweig und Helmstedt, in der Wälder, Hügel, Offenland und Geschichte eng miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt des Treffens standen Einblicke in die Arbeit des Naturparks vor Ort.

Ranger Johanes Ksyk. Foto: Vernetzungsstelle

Begleitet wurden wir von Ranger Johannes Ksyk, der seit einiger Zeit im Naturpark Elm-Lappwald unterwegs ist und zuvor in der Vernetzungsstelle tätig war.

Seine Aufgabe ist es, Natur zu schützen, Wissen zu vermitteln und Menschen für die Besonderheiten ihrer Umgebung zu sensibilisieren. Neben der Gebietsbetreuung bietet er regelmäßig Exkursionen und Führungen an, bei denen er ökologische Zusammenhänge anschaulich erklärt und Natur unmittelbar erlebbar macht.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Arbeit des Naturparks sowie seine Rolle im regionalen Naturschutz. Wir haben uns gefreut, mehr über die Aufgaben, Schwerpunkte und Arbeitsweisen vor Ort zu erfahren und dabei auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu den Ökologischen Stationen kennenzulernen. Der Naturpark Elm-Lappwald bietet mit seinen vielfältigen Lebensräumen spannende Einblicke in die praktische Naturschutzarbeit und zeigt, wie unterschiedlich Naturschutz vor Ort gestaltet werden kann.

Vernetzungstelle und Ranger Johannes Ksyk. Foto: Vernetzungsstelle

Für uns hatte der Besuch auch eine besondere Note: In den heutigen Räumlichkeiten des Naturparks war früher die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) ansässig. Es ist schön zu sehen, wie sich die Naturschutzarbeit an diesem Ort über die Jahre weiterentwickelt hat und heute in neuer Form fortgeführt wird.

Herbstlicher Naturraum im Naturpark Elm-Lappwald. Foto: Vernetzungsstelle

Der Besuch bot spannende Einblicke in die Arbeit des Naturparks und unterstrich zugleich, wie wertvoll persönliche Begegnungen für den fachlichen Austausch im Naturschutz sind. Der Austausch im Elm-Lappwald war bereichernd und hat den Blick für unterschiedliche Arbeitsweisen und Perspektiven im Gebietsschutz geschärft.

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